Wie viele Jungs in seinem Alter hat auch der 16-jährige Chris eine große Leidenschaft: Er liebt das Boxen. Aber: Chris ist kein normaler Junge. Denn Chris heißt eigentlich Christin und ist rein biologisch ein Mädchen.
Wer dem 16-jährigen Chris heute begegnet, kann auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches an ihm feststellen. Zunächst unterscheidet sich der Teenager nicht von seinen Freunden: Er ist sportlich, liebt vor allem das Boxen und hängt mit seinen Freunden rum. Was niemand vermutet: Chris kam als Mädchen auf die Welt – fühlte sich aber nie weiblich.
"Ich habe immer als Junge empfunden, ich war nie ein Mädchen", sagt Chris im Gespräch mit stern TV. "Schon im Kindergarten habe ich nur mit Jungs gespielt, und ich betreibe auch nur Jungensport: also Fußballspielen, Breakdance oder Kickboxen."
Und auch die Mutter bemerkte früh, dass Körper und gefühltes Geschlecht ihres Kindes nicht zusammenpassen: "Christin war so um die vier oder fünf Jahre alt, als es anfing, dass sie nur noch Jungenssachen anziehen wollte", erzählt sie. Und: "Dann hat sie auch nur noch mit Jungen gespielt, hatte keine Freundin mehr. Und mit fünf oder sechs sagte sie plötzlich, dass sie sich umoperieren lässt, wenn sie groß ist."
Chris fühlt sich im falschen Körper gefangen - weil es nicht der Körper ist, den er sich wünscht. Vor allem die körperlichen Veränderungen während der Pubertät sind unerträglich: "Man fühlt sich ja als ganz normaler Junge", sagt Chris rückblickend. "Und wenn man in den Spiegel guckt, und sieht dass man eine Brust hat, dann merkt man erst, man ist kein richtiger Junge, aber man möchte es gerne werden." Verzweifelt versuchte der Teenager in dieser Zeit seine Weiblichkeit zu verstecken, brach jeglichen Kontakt zu anderen ab und zog sich immer mehr in seine eigene Welt zurück.
Inzwischen geht es Chris aber viel besser, denn es steht fest: Chris ist transsexuell. Zwei unabhängige psychologische Gutachten haben sein Gefühl bestätigt - und eine Geschlechtsumwandlung wurde begonnen. Regelmäßige Testosteronspritzen unterdrücken nun die weibliche Pubertät und regen die männliche Entwicklung an. Das Testosteron muss Chris lebenslang nehmen, die Nebenwirkungen sind ungewiss.
Seitdem Chris in Behandlung ist, lebt er seine Transsexualität offen aus. Und auch optisch kommt der 16-Jährige seinem Ziel immer näher: Anderthalb Jahre nach seiner ersten Hormonspritze zeigen sich äußerlich immer mehr die männlichen Merkmale. Durch das Testosteron wird die Muskelmasse mehr und auch die Körperbehaarung wächst deutlich.
Und: Chris hat eine weitere Entscheidung für sein Leben getroffen. So wurde seine Namensänderung vor Kurzem amtlich. Aus Christin wurde ganz offiziell Chris. Sein Ziel hat er weiterhin fest vor Augen: Endlich für immer ein Junge sein.