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19. Februar 2013, 12:15 Uhr

Eine Frage der Verhältnismäßigkeit

Auf einer Münchner Polizeiwache schlägt ein Beamter einer gefesselten Frau mit der Faust ins Gesicht. Ihr werden Augenhöhle und Nasenbein gebrochen. Wie lässt sich ein derartiger Übergriff erklären?

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Notwehr oder unverhältnismäßig? Nach einem Faustschlag durch einen Beamten der Münchner Polizei hatte Teresa Z. Nasenbein und Augenhöhle gebrochen.©

Beziehungsstreitigkeiten sind keine Seltenheit. Wenn sie eskalieren, wird häufig auch die Polizei dazu gerufen. Dass Teresa Z. am Ende eines solchen Tages, den 20. Januar, schwer verletzt im Krankenhaus landete, war jedoch nicht das Verschulden ihres Freundes, sondern das eines Polizeibeamten.

Situation eskaliert bereits im Polizeiauto

Den Streit zwischen Teresa Z. und ihrem Freund konnten die Beamten der Münchner Polizeiinspektion 21 schlichten. Um eine Aussage zu machen, wird das Paar aber in getrennten Wagen zur Wache gebracht. Als die Frau im Auto ihre Mutter anrufen will, nimmt ein Beamter ihr das Telefon weg. Die 23-Jährige gerät in Rage, brüllt, will ihr Handy zurück. Ihr werden die Hände gefesselt, ihr Oberkörper Richtung Fußraum gedrückt.

Teresa gerät in Panik. "Ich habe keine Luft mehr bekommen und habe geschrien: 'Lasst mich los!'", erinnert sie sich. Auf der Wache wird sie in eine Zelle geführt und auf eine Pritsche gelegt. Mehrere Polizisten fixieren die zierliche Frau, ein Beamter lehnt auf ihr. Doch Teresa Z. ist außer sich: "In einer Kurzschlussreaktion, die ich sehr bedauere, habe ich ihm dann ins Gesicht gespuckt", gibt die junge Frau zu. Der Polizist schlägt ihr daraufhin mindestens einmal mit der Faust ins Gesicht, sie fängt stark an zu bluten. Die Polizisten lassen sie auf der Pritsche liegen und verlassen die Zelle. Ein Rettungswagen wird gerufen. "Das kam mir vor wie eine Ewigkeit", erinnert sich Teresa. Sie wird ins Krankenhaus gebracht, erst dort werden ihre Handschellen geöffnet. Es werden der Bruch ihres Nasenbeins und der Augenhöhle festgestellt.

"Außergewöhnlicher Fall hoher Brutalität"

Teresa hat Anzeige gegen den Beamten erstattet, der ihr ins Gesicht schlug. Ihr Anwalt Franz Erlmeier ist fassungslos, was seiner Mandantin passiert ist: "Das ist ein außergewöhnlicher Fall hoher Brutalität." Die Bayerische Polizei ermittelt nun gegen den verantwortlichen Beamten. Es muss beantwortet werden: Ist es verhältnismäßig, einer 1,60-Meter großen Frau ins Gesicht zu schlagen? Der Beamte sagt aus, er habe in Notwehr gehandelt. Teresa habe zu einem Kopfstoß angesetzt. Die junge Frau bestreitet das: "Ich denke nicht, dass das möglich war, einfach aus dem Grund, weil ich auf einer Pritsche fixiert wurde", erklärt sie. Gegen sie selbst wird wegen Beleidigung, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Körperverletzung ermittelt.

Laut Polizei sei die 23-Jährige auch im Drogenrausch gewesen - und will dies beweisen: Eines Morgens um sechs Uhr stehen plötzlich sieben Polizisten vor Teresas Tür. Sie durchsuchen die Wohnung, beschlagnahmen ihr Handy und ein Stück Hundefutter, dass sie für Haschisch halten. Sie nehmen außerdem eine Haarprobe für einen Drogentest. Für Anwalt Erlmeier ist das reine Taktik: "Die Ermittlungsbehörden versuchen meine Mandantin in ein möglichst schlechtes Licht zu rücken und damit den Tatvorwurf der massiven Körperverletzung zu bagatellisieren."

Teresa hofft auf Gerechtigkeit

Auch Josef Eder hat Polizeigewalt am eigenen Leib zu spüren bekommen. Seine ganze Familie wurde bei einem Polizeieinsatz vor zwei Jahren verletzt. Doch vor Gericht mussten sich nicht die Beamten verantworten - sondern Familie Eder. Wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Der Prozess wurde zwar eingestellt, doch der ehemalige Polizist Josef Eder ist bis heute entsetzt über die Art und Weise, wie Polizei und Staatsanwaltschaft damals mit seiner Familie umgegangen sind. "Die Staatsanwälte haben nur als Verteidiger der Polizeibeamten gewirkt, das hatte mit einem fairen Prozess nichts zu tun." Bereits damals hat sternTV über Polizeigewalt berichtet. Allein 2010 gab es in Deutschland fast 4000 Verfahren gegen Polizeibeamte. Fast 90 Prozent davon, 3.377 Verfahren, wurden eingestellt. Ob es im Fall von Teresa Z. zum Prozess kommt, muss wieder die Staatsanwaltschaft entscheiden. Teresa hofft derweil auf mehr Gerechtigkeit. "Diese Angst, dass das nicht aufgedeckt wird und ich in eine Schublade gepackt werde, in die ich nicht reingehöre", sagt sie. Die 23-Jährige möchte, dass der Polizist zur Rechenschaft gezogen wird, der ihr derartige Prügel zugefügt hat

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