Die Angst vor der unsichtbaren Gefahr

28. August 2013, 22:15 Uhr

Handgriffe, Einkaufswagen, Touchscreens - Bakterien und Viren gehen von einem zum anderen. Ist es in der Öffentlichkeit wirklich so schmutzig oder gar gesundheitsgefährdend? stern TV hat es überprüft.

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Mandy Spieker hat panische Angst vor Viren und Bakterien. Nur für die nötigsten Besorgungen verlässt sie das Haus. In der Öffentlichkeit vermeidet sie es peinlichst, Dinge oder Menschen zu berühren. Lange Ärmel schützen ihre Hände, wenn sie Griffe, Tasten oder Türklinken anfassen muss. Bei Mandy Spieker ist diese Phobie zwanghaft. Doch Millionen Deutsche haben diese Ängste in abgeschwächter Form. Sie fragen sich, welche Krankheitserreger und Schmutzpartikel an all den Dingen, die wir unterwegs berühren, wohl haften. Ob die Befürchtungen begründet sind, hat stern TV in einem Test überprüft – mikrobiologisch und flächendeckend, vom öffentlichen Telefon, über Touchscreens und Ticketautomaten bis zum Kinderhochstuhl im Restaurant und den Wartezimmern in Arztpraxen.

Schmutzig, aber ungefährlich

Mikrobiologe Professor Fritz Titgemeyer von der Fachhochschule Münster untersucht die Oberflächen mit einem Spezialgerät auf deren Verschmutzungsgrad. Neben der Anzahl Bakterien, die dort zu finden ist, stellt er auch fest, ob darunter krankmachende Erreger sind wie beispielsweise Durchfallerreger. Das Messgerät zeigt überall deutlich zu hohe Werte. Im mikrobiologischen Test jedoch kommt heraus: Alle Tasten und Displays der untersuchten Automaten sind zwar verschmutzt, gefährliche Bakterien fanden sich aber nur auf einem von sechs Testobjekten, dem Telefonhörer des öffentlichen Fernsprechers.

Bei Kinderhochstühlen in Fastfood- und Selbstbedienungsrestaurants dagegen ist Vorsicht geboten: Vier von fünf untersuchten Stühlen sind verkeimt, zwei sogar mit gesundheitsgefährdenden Durchfallerregern. Hier sollten Eltern vorsorgen und sie vor der Benutzung lieber mit heißem Wasser oder einem Hygienetuch abwischen. Weniger überraschend war das Untersuchungsergebnis der Zugtoiletten. In allen fünf getesteten Kabinen war die Keimbelastung zu hoch, in drei bestand sogar Gesundheitsgefahr. Auf Reisen sollten sich WC-Besucher schützen und ihre Hände anschließend gründlich waschen.

Handgriffe sind frei von Krankheitserregern

Viele Menschen ekeln sich vor Handgriffen in Straßenbahnen, an Rolltreppen oder Einkaufswagen. Die Messungen und Laboranalysen zeigen zwar: jede Menge Schmutz an den Griffen, aber keine gefährlichen Bakterien. Besonders verwunderlich: In keiner der vier getesteten Arztpraxen, in denen über den Tag je über 100 Patienten in den Wartezimmern saßen, fanden sich auf Oberflächen, Büchern und Zeitungen krankmachende Bakterien oder Viren.

Insgesamt hat stern TV mit Fritz Titgemeyer 30 öffentliche Plätze untersucht mit dem Ergebnis: "An öffentlichen Plätzen wird zu wenig gereinigt", so der Experte. Die Zahl der Bakterien war überall zu hoch. "Aber so viele krankmachende Keime sind da eigentlich nicht, auch wenn es manchmal dreckig und speckig ist, müssen wir nicht hysterisch sein." Fazit: An allen öffentlichen Plätzen ist die Zahl der Bakterien zu hoch. Geld hat stern TV übrigens auch untersucht. Es ist nicht so schmutzig wie viele annehmen. Gesundheitsgefährdende Erreger fanden sich an keiner der Stichproben.

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