14. November 2012, 22:15 Uhr

Wann und wie krankmelden?

Muss ich künftig immer eine Krankmeldung ab dem ersten Tag haben? Bekomme ich auch eine rückwirkende Bescheinigung? stern TV klärt die brennendsten Fragen.

Muss ich jetzt immer am ersten Krankheitstag zum Arzt?

Nein. Das Urteil vom 14.11.2012 des Bundesarbeitsgerichts hat laut Arbeitsrechtler Ulf Weigelt nicht zur Folge, dass künftig alle Mitarbeiter die ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung am ersten Tag einreichen müssen, auch nicht alle vom Westdeutschen Rundfunk. Das läge auch künftig jeweils im Ermessen des Arbeitgebers.

Demnach gilt: Zunächst einmal sind Sie gesetzlich dazu verpflichtet, Ihren Arbeitgeber sofort zu informieren, wenn krank sind und ausfallen. "Am besten morgens unmittelbar nach dem Aufstehen zum Telefonhörer greifen", rät Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Und nicht erst mittags nach dem Arztbesuch. Theoretisch muss der Arbeitnehmer diese Krankmeldung beim Arbeitgeber beweisen können, ebenso wie die Zustellung des Attests. Wer wirklich auf Nummer sicher gehen will - etwa weil er das Gefühl hat sowieso auf der Abschussliste zu stehen - kann zusammen mit einem Zeugen anrufen. Um welche Art Erkrankung es sich handelt, müssen Sie nicht sagen.

Sollte der Arbeitgeber bei Ihrer - zum Beispiel telefonischen - Krankmeldung gleich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verlangen, müssen Sie zum Arzt gehen. Ist dies nicht der Fall, gilt die Regelung wie bisher, dass Sie am vierten Tag Ihrer Krankheit zum Arzt gehen und sich eine Bescheinigung geben lassen müssen, dass Sie arbeitsunfähig sind.

Was, wenn mein Arbeitgeber tatsächlich eine Krankmeldung am ersten Tag verlangt?

Wer eine Aufforderung von seinem Arbeitgeber erhält, im akuten Fall oder künftig immer (wie im Fall der Klägerin) am ersten Tag eine offizielle Krankmeldung abzugeben, dem rät Ulf Weigelt, sich auch "immer am ersten Tag der Erkrankung zum Arzt zu schleppen". Wer dies missachtet, dürfe dennoch nicht fristlos gekündigt werden. Es könnte jedoch "zu einer Abmahnung führen. Nach mehrmaliger Abmahnung könnte dann die Kündigung erfolgen."

Muss ich die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beim Arbeitgeber abgeben, sobald ich sie habe?

Ja. Spätestens jedoch am vierten Tag müssen Sie die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen, aus der auch hervorgeht, von wann bis wann Sie krank sind, waren oder sein werden. Die Bescheinigung muss also - zum Beispiel per Post - am vierten Tag beim Arbeitgeber eingehen. So sieht es das Entgeltfortzahlungsgesetz vor. Allerdings ist der Arbeitgeber nun ausdrücklich berechtigt, die Vorlage der ärztlichen Bescheinigung auch schon am ersten Tag zu verlangen - und das ohne Begründung.

Kann der Arzt ein rückwirkendes Attest ausstellen?

Wenn Sie so krank sind, dass Sie erst am zweiten oder dritten Tag zum Arzt gehen können und dies vom Arzt attestiert bekommen, ist eine rückwirkende Krankmeldung zulässig.

Kann ich unbegründet drei Tage zuhause bleiben?

Den Grund für Ihren Ausfall müssen Sie Ihrem Arbeitgeber nicht nennen. Dennoch müssen Sie sich aber zu Beginn des ersten Ausfalltages bei Ihrem Arbeitgeber krank melden. Am vierten Tag muss beim Arbeitgeber von Ihnen eine ärztliche Bescheinigung über das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer eingehen.

Kann der Arbeitgeber die Krankmeldung überprüfen?

Ja. Bei Zweifeln an der Glaubwürdigkeit kann der Arbeitgeber den medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) einschalten. Dieser kann den Arbeitnehmer dann ebenfalls untersuchen und eine unabhängige Einschätzung über dessen Arbeitsfähigkeit erstellen. Entscheidet der medizinische Dienst, dass der Arbeitnehmer wieder arbeitsfähig ist, muss dieser auch wieder zur Arbeit erscheinen. Einen Einfluss auf das Arbeitsverhältnis hat so eine Entscheidung aber nicht – man könne nicht wegen"„überführter" Falschmeldung gekündigt werden, da der "Gesundungsprozess ein stetiger" sei, so Weigelt.

Was, wenn ich an einem Freitag oder am Wochenende krank werde?

Das Gesetz bezieht sich auf Kalendertage. Das bedeutet: Wenn Ihr erster Ausfalltag ein Freitag ist, müssen Sie per Gesetz am Montag bereits eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen. Je nach Arbeitgeberverhältnis und Einzelfall sollten Sie dies mit dem Arbeitgeber unverzüglich abklären.

Wie lange bekomme ich Gehalt, wenn ich länger krank bin?

In Deutschland haben Arbeitnehmer bis zu einer Krankheitsdauer von sechs Wochen Anspruch auf Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber. Das gilt für alle Angestellten, die beim Arbeitgeber länger als vier Wochen beschäftigt sind. Bei längerer Krankheit zahlt im Anschluss die Krankenkasse das so genannte Krankengeld, das 70 Prozent des Bruttogehaltes beträgt.

Was muss ich machen, wenn ich im Urlaub krank werde?

Sollten Sie während Ihres Urlaubs krank werden, sollten Sie Ihren Arbeitgeber und Ihre Krankenkasse ebenfalls informieren, damit Ihnen die Krankentage von den eingereichten Urlaubstagen abgezogen werden können. Auch dafür benötigen Sie ein Attest vom Arzt, aus dem die Dauer Ihrer Arbeitsunfähigkeit hervorgeht. Wenn Sie verreist sind, muss dies ein Arzt vor Ort ausstellen.

Haben Sie widersprüchliche Erfahrungen gemacht?

Welche möglicherweise ungewöhnlichen Erfahrungen haben Sie im Zusammenhang mit Ihrer Krankschreibung oder Krankmeldung beim Arbeitgeber gemacht? Unter der E-Mail-Adresse krankschreibung@sterntv.de können Sie stern TV davon berichten.

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