Bewährungsstrafe für prügelnden Polizisten

3. September 2013, 12:15 Uhr

Ein Polizist brach Teresa Z. Nasenbein und Augenhöhle. Sie brachte die Prügelattacke zur Anzeige. Nun wurde der Beamte verurteilt. Wie die Polizei mit derartigen Übergriffen umgeht, bleibt fragwürdig.

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Teresa Z. zeigte den Polizisten an, der ihr mit einem Faustschlag Nasenbein und Augenhöhle brach. Jetzt wurde der Fall vor Gericht verhandelt.©

Der Fall Teresa Z. sorgte Anfang des Jahres bundesweit für Schlagzeilen. Erneut entfachte er die Debatte um Gewaltanwendung durch die Polizei. Bei stern TV berichtete sie am 20. Februar: "Ich wurde wie ein Tier, blutend und gefesselt, in der Zelle liegen gelassen". Einen Monat zuvor hatte ein Polizeibeamter der 23-Jährigen auf einer Münchner Polizeiwache mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Durch den Schlag wurden ihr das Nasenbein und die Augenhöhle. Von der Wache wurde sie ins Krankenhaus gebracht.

Teresa Z. brachte den brutalen Übergriff zur Anzeige. Sie ist kein Einzelfall. Immer wieder werden Beamte wegen Körperverletzung im Amt angezeigt. Die meisten Verfahren werden jedoch wieder eingestellt. Dieser Fall wurde Anfang August vor dem Münchner Amtsgericht verhandelt. Teresa Z. muss aussagen und sich noch einmal an alle Einzelheiten erinnern, an die Schmerzen und die Hilflosigkeit, die sie dabei erlebte: Auf der Wache in der Münchener Au war Teresa von mehreren Beamten in eine Zelle geführt worden. Sie war außer sich und sollte sich hier beruhigen. Als sie die Polizisten weiter beschimpfte, wurde sie auf eine Pritsche gelegt, die Hände auf dem Rücken fixiert. Ein Beamter lehnte auf ihr. "Ich habe immer um Hilfe geschrien und wusste mir nicht anders zu helfen und habe gespuckt", sagt Teresa Z. erneut aus. "Woraufhin er hochgeschreckt ist. Und dann kamen auch schon die Fäuste."

Schwer verletzt und blutend wurde die junge Frau von den Beamten zunächst in der Zelle zurückgelassen. "Ich hatte das Gefühl, ich würde Stunden um Hilfe schreien und einfach ignoriert werden", sagt sie. Nach Polizeiangaben war Teresa nur wenige Minuten allein in der Zelle, dann wurde sie mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht.

Fragwürdige Aufarbeitung bei der Polizei

Der Polizist, der ihr die Schläge zugefügt hatte, zeigt bis heute kein Einsehen. Er beharrt darauf, aus Notwehr gehandelt zu haben. Der damalige Polizeipräsident Münchens, Wilhelm Schmidbauer, verteidigte in einem Interview sogar das brutale Vorgehen seines Beamten: "Sie müssen das aus der Sicht des Kollegen sehen, (…). Sie war nicht zu beruhigen, war im Drogenrausch. (…) Der Faustschlag war für ihn die konsequente Vorgehensweise, um das zu beenden." Eine derartige Rückendeckung verwundert Professor Joachim Kersten von der Hochschule der Polizei in Münster nicht. Ihm zufolge werde über alle Vorfälle, die rechtliche Konsequenzen haben könnten, ein Deckmantel der Verschwiegenheit gelegt.

Der Richter im Prozess vor dem Münchner Amtsgericht jedoch glaubt dem Beamten nicht, dass eine derartige Prügelattacke gegen die gefesselte, zierliche Frau nötig gewesen sein soll. Sein Urteil: Zehn Monate wegen Körperverletzung im Amt auf Bewährung und eine Geldstrafe von 3000 Euro. Für den neuen Münchner Polizeipräsidenten Hubertus Andrä Anlass, sich zu entschuldigen: "Es ist mir ein besonderes Anliegen, Ihnen persönlich mitzuteilen, dass es mir leid tut, dass sie dadurch erhebliche Verletzungen erlitten haben, Verletzungen, die vielleicht tiefer gehen, als die sichtbaren Wunden es ahnen lassen", schreibt Andrä persönlich an die junge Frau.

Mit ihrer Anzeige wollte sich Teresa Z. rehabilitieren, denn der Übergriff war unverhältnismäßig und brutal. Ihr Vertrauen in die Polizei als Helfer in der Not hat sie trotz des Urteils verloren. Noch ist es nämlich nicht rechtskräftig. Der verurteilte Polizist hat Rechtsmittel dagegen eingelegt.

Teresa Z. nach dem Übergriff

Teresa Z. nach dem Übergriff Notwehr oder Prügelattacke? Teresa Z. wurden durch den Faustschlag des Polizisten Nasenbein und Augenhöhle gebrochen. So sah die 23-Jährige aus, nachdem sie im Krankenhaus versorgt wurde.

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