Alte Sardinenbüchsen, Milchpulver von 1946, Tütensuppe aus den 70ern - schon mehrfach hat stern TV getestet, wie lange Lebensmittel haltbar sind. Die neuesten Funde - und Ergebnisse.
Wieder haben sich in den vergangenen Monaten Zuschauer gemeldet, die in ihren Küchen und Kellern auf antike Gaumenfreuden gestoßen sind. Auf einer Sammeltour quer durch Deutschland hat stern TV die vermeintlichen Lebensmittelschätze eingesammelt und ins Labor gebracht. Am Institut für Lebensmittelsicherheit in Hannover hat ein Team von Wissenschaftlern die Funde begutachtet. Darunter diesmal auch ein Ei-Einlegemittel, das noch aus der Vorkriegszeit stammt. Außerdem: Kaffeepulver von 2001, Bundeswehr-Dosenbrot von1971, ein Glas Bohnen von 1975, alter Saftsirup von 1972, Ölsardinen - abgelaufen 1984, Mineralwasser von 1995 und eine Flasche Altbier von 1998.
Sind all diese Lebensmittel verdorben - vielleicht sogar lebensbedrohlich giftig? Oder lassen sich manche tatsächlich noch genießen? Die Laborergebnisse erstaunen: Sieben der acht Proben sind mikrobiologisch einwandfrei und somit noch essbar! Einzige Ausnahme: Der Saftsirup von 1972. Hier wurde das Bakterium "Staphylokokkus Aureus" gefunden, das Gifte produziert. "Wenn die sich stark vermehren und Toxine bilden, kann es dazu führen, dass es zu kurzfristigem, plötzlichen starken Erbrechen bei dem Konsumenten führt", sagt Dr. Felix Reich vom Lebensmittelinstitut. "Das ist in der Regel zwar nichts Lebensbedrohliches und klingt nach wenigen Stunden wieder ab, aber es ist durchaus eben eine unangenehme Erfahrung."
Doch welche Kriterien gelten nun bei der Beurteilung längst abgelaufener Lebensmittel? Wichtig ist, dass die Verpackungen, Gläser und Flaschen unversehrt sind. Auch die Verschlüsse. Denn dann können keine Bakterien eindringen. Sie verursachen den Lebensmittelverderb und bilden in Pulvern, Flüssigkeiten und zuckerhaltigen Produkten Gifte. "Bakterien wie der Staphylokokkus Aureus können vor allem auf eiweiß- und stärkehaltigen Lebensmitteln Toxine bilden. Ein Klassiker für einen solchen Befall ist Kartoffelsalat. Das führt dann zu Erbrechen", so Felix Reich.
Ein Grund, weshalb selbst Eingemachtes nach langer Zeit lieber nicht verzehrt werden sollte. Hier kann sich ein starkes Toxin bilden. Hinweise sind Trübungen, Schlieren - und bei allen Konserven natürlich Gasbildung und starke Volumenzunahmen. Der berühmte, gewölbte Deckel ist ein klarer Hinweis: Dieses Produkt gehört in den Müll. Dosen und Gläser mit solchen Anzeichen sollten auch nicht geöffnet und ausgegossen, sondern im Ganzen weggeworfen werden. Ältere, industrielle Konserven zeigen diese Veränderungen nur selten: Sie bleiben bei gutem Verschluss in der Regel jahrelang unversehrt und keimfrei. Bestes Beispiel sind das Altbier, das Vollkornbrot, der Kaffee oder das Glas grüne Bohnen. Der Inhalt kann auch nach Ablauf noch verzehrt werden. Geschmacklich haben auch sie sich - je nach Alter - natürlich manchmal schon verändert.