Vom Wischmop bis zum Sexspielzeug

7. August 2013, 22:15 Uhr

Sich in der Clique daheim bestimmte Produkte präsentieren lassen - das klingt nach Spaß. Und es animiert zum Kaufen. stern TV testet die Verkaufsmaschen dieser Partys und was die Waren taugen.

Verkaufspartys, versteckte Kamera, stern TV, Steffen Hallaschka

Das macht Spaß: Verkaufspartys versprechen einen unterhaltsamen Abend, aber hält die Ware, was sie verspricht?©

Ob unschlagbare Putzmittel, Wellness-Schmuck oder Sexspielzeug für besondere Wünsche – immer mehr Vertriebe bieten ihre Produkte auf Verkaufsveranstaltungen beim Kunden zu Hause an. Die Wohnzimmergeschäfte lohnen sich: Acht Milliarden Euro setzt die Direktvertriebsbranche in Deutschland jedes Jahr um - für Wischmops, Kochtöpfe oder Dessous, Diätpulver, Dildos oder Modeschmuck. Doch taugt die Ware wirklich etwas? Mit versteckter Kamera will stern TV verschiedene Verkaufspartys testen.

Von Putzmitteln und -lappen bis zum Erotikspielzeug wollen die Lockvögel Christina, Simone, Anja, Mandy, Violetta und Agata die Anbieter prüfen. "Ich bin ein bisschen skeptisch, denn noch vermisse ich nicht so viel in der Partnerschaft", sagt Gastgeberin Christina über ihre Erwartungen an die Erotikparty. Doch die Verkäuferin bricht gleich das Eis. Mit thematischen aber witzigen Hausschuhen ist die Skepsis der potenziellen Kundinnen bald gebrochen.

Hinter den Kulissen: Experte Florian Becker, Kommunikationspsychologe an der Wirtschaftshochschule Rosenheim. Er findet die Vorgehensweise der Verkäuferin gut: "Mit Humor erreicht sie, dass ein schwieriges Thema als nicht mehr so ernst gesehen wird." Die Damen haben Spaß an der Verkaufsparty und das zeigt sich sowohl in ihrer Bewertung – die Verkäuferin erhält 8,0 von 10 Möglichen Punkten – als auch im Umsatz: Die sechs Frauen kaufen tatsächlich Erotikspielzeug, Massageöl und Accessoires für insgesamt 358,40 Euro.

Wünsche und Fragen der Kunden werden nicht berücksichtigt

Weit schlechter läuft es für die Anbieterin von Wohlfühlmomenten. Sie preist die Heil-Kraft von Magnet- Schmuck an. Aber wie funktioniert das? "Das weiß ich auch nicht, ich bin kein Physiker", so die Verkäuferin. Und auch sonst weiß sie kaum Antworten auf kritische Nachfragen. Zu Recht verkauft die Frau für bescheidene 101 Euro Schmuck. Von den Testerinnen bekommt sie lediglich 3,6 Punkte.

Die Schmuckparty ist ebenfalls ein Reinfall: Der Verkäufer bringt Dutzende Tableaus mit Ketten, Anhängern und anderen Schmuckstücken mit. "Ich kann einem Eskimo einen Kühlschrank verkaufen", behauptet der Mann. Florian Becker findet das unpassend: "Ich sage dem Kunden damit: Schmuck ist mir egal, du bist mir egal, ich nur hier, um ein Geschäft zu machen." Statt individueller Beratung folgen endlos monotone Vorträge über den Schmuck. Die Damen langweilen sich. Die Quittung: Null Euro Umsatz und miese 3,1 Punkte für die Beratung.

Die Putzmittelparty verspricht unvergleichliche Produkte, bei Hausfrauen normalerweise ein Renner. Die Verkäuferin präsentiert ihre High-End-Reinigungstücher. Kosten pro Stück: 15 bis 20 Euro. Die Frau wienert, schrubbt und poliert. Unter ihren zur Untätigkeit verdammten Zuschauern macht sich Langeweile breit. Gerne würden sie es selbst ausprobieren. Die Verkäuferin stellt der Reihe nach Dutzende Tücher und Reinigungsmittel vorstellt. Die Partygäste kaufen – wie erwartet. Sie geben 104,40 Euro für Reinigungstücher und -produkte aus, für die Beratung geben sie 6,2 Punkte.

TÜV Rheinland macht den Produkttest

Sind die Produkte wirklich so gut, wie die Verkäufer versprechen? Der TÜV Rheinland macht für stern TV den Qualitätscheck. Das Gleitgel aus der Erotikkollektion enthält problematische Konservierungsstoffe, die bei empfindlichen Menschen Allergien auslösen können. Das Massageöl hingegen ist völlig unbedenklich und auch die Liebeskugeln überraschen positiv. Sie enthalten keine verbotenen Weichmacher oder krebserregende Stoffe. Der Magnetisierstab hingegen enttäuscht. Bei magnetisiertem Wasser halten Schnittblumen nicht länger als bei gewöhnlichem Leitungswasser. Der Orangen-Reiniger von der Putzmittelparty überzeugt beim Putztest. Wegen des unverhältnismäßigen Preises und dem zu niedrigen PH-Wert urteilt der TÜV mit "bedingt empfehlenswert". Auch das Luxus-Reinigungstuch kann sich gegen ein Billig-Produkt aus dem Drogeriemarkt nicht ganz durchsetzen.

So werden Sie zum Kaufen verführt Vieles von dem, was wir kaufen, brauchen wir eigentlich nicht. Trotzdem zücken wir unsere Geldbörse. Vielfacher Grund: Gute Verkäufer verführen uns regelrecht zum Kauf. Lesen Sie hier mehr über die gängigsten Verkäufertricks.

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