Ein Eigenheim trotz kleinen Budgets - davon träumen viele. Für Reiner R. und seine Mutter hätte sich der Traum fast erfüllt. Doch sie wurden hereingelegt und besitzen nun einen abbruchreifen Rohbau.

Bauruine statt Traumhaus: Das Haus von Reiner R. und seiner Mutter wurde nie fertig.© stern TV
Ihr Traumhaus aus Holz ist zur Bauruine geworden und gammelt seit sieben Jahren unfertig vor sich hin: Die Wände durchweicht, die Statik nicht tragfähig, Baumängel wo man hinsieht. Einziehen wird hier niemand. Dabei stecken in dem Rohbau bereits 200.000 Euro der Familie. Und jetzt sollen Reiner R. und seine Mutter noch mehr bezahlen – für den Abriss ihres Traumhauses.
Rückblick: In Niederkrüchten bei Mönchengladbach hatte die Familie 2002 ein günstiges Baugrundstück erstanden. Der Traum von einem Häuschen, gebaut nach den eigenen Vorstellungen, sollte endlich wahr werden. Die Idee: Ein Fertighaus in Holzbauweise. Um den Preisrahmen nicht zu sprengen, beauftragten die Bauherren eine polnische Firma mit dem Hausbau. Kurz darauf starb allerdings - völlig unerwartet - das Familienoberhaupt. Für Mutter und Sohn war das ein Schock. In ihrer Trauerphase ließen sie sich von der dubiosen Baufirma nach Strich und Faden abzocken: Sie zahlten ihr Traumhaus zum Großteil in Vorkasse.
Statt eines Fertighauses kamen jedoch lediglich Lastwagen mit losen Holzrahmen auf dem Baugrundstück an. Noch bevor die polnischen Bauarbeiter daraus ein vollständiges Gerüst montiert hatten, bezahlten Mutter und Sohn 89.000 Euro. Nachdem eine Art Rohbau zusammengezimmert war, passierte nichts mehr. Die Bauunternehmer haben sich mit dem Geld aus dem Staub gemacht - und hatten immer neue Ausreden für den Stillstand am Bau. Finanziell wird es für Reiner R. und seine Mutter immer enger. Um Miete zu sparen, ziehen die beiden in ein Mobilheim in Holland.
Seitdem rottet der Rohbau nun vor sich hin. Auch ein Verkauf des angefangenen Traumhauses ist nicht möglich: Ein Gutachter konnte nur noch den Abriss empfehlen, da Statik und Baumängel es unbewohnbar machen. Für Reiner R. und seine Mutter bricht eine Welt zusammen. In einem Strafverfahren wurde 2008 zumindest einer der polnischen Bauunternehmer wegen Betrugs zu 1200 Euro Strafe verurteilt. Ein winziger Triumph. Auf den Schulden und dem abrissreifen Haus bleibt die Familie trotzdem sitzen.
Ihr letzter Hoffnungsschimmer: Sie haben den deutschen Architekten verklagt, der für sie die Baupläne ins Polnische übersetzen ließ, die Bodenplatte baute und den Rohbau überwachte. Ein Verfahren, das sich bereits seit 2009 hinzieht. Dann das erlösende Urteil: Der Architekt muss für den entstandenen Schaden aufkommen, seine Versicherung soll 140.000 Euro Schadenersatz zahlen! "Um als Bauherr nicht abgezockt zu werden, muss man zwei wichtige Punkte beachten", sagt Michael Derix, Rechtsanwalt von Reiner R. "Den Bauvertrag genauestens prüfen lassen und für eine qualifizierte Bauüberwachung sorgen."
Die betrogenen Bauherren können ihr Albtraumhaus nun endlich nach und nach abreißen lassen. Dass ihr Traum vom Eigenheim ein solches Ende nehmen würde, hatte die Familie vor zehn Jahren nicht erwartet. "Andererseits sind wir froh, dass es jetzt abgebaut wird, damit man die Belastung nicht immer so vor Augen hat", sagt Reiner R. mit Blick auf sieben Jahre alten Rohbau. Eigentlich wollte er mit seinen beiden Eltern längst in seinem Traumhaus leben.