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News am 13.02.2012
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2. April 2008, 22:15 Uhr

Aus Nigeria auf den Straßenstrich

Mit großen Versprechungen werden sie aus Nigeria nach Europa gelockt, mit Hilfe der Voodoo-Religion gefügig gemacht und schließlich jahrelang zur Prostitution gezwungen: Allein im deutschsprachigen Raum sollen 40.000 Nigerianerinnen Opfer von Menschenhändlern sein.

Deckten Menschenhandel auf: Corinna Milborn, Joana Adesuwa Reiterer und Mary Kreutzer© Niko Formanek

"Auf den Spuren moderner Sklaverei von Afrika nach Europa" - so lautet der Untertitel des Buchs, das die Journalistinnen Mary Kreutzer und Corinna Milborn verfasst haben. Die beiden Autorinnen haben das perfide System einer Menschenhandels-Mafia aufgedeckt, der in ganz Europa etwa 100.000 Frauen zum Opfer gefallen sein sollen. Sie sind die "Ware Frau".

In Italien, den Niederlanden, Spanien, der Schweiz, Österreich, England und Deutschland arbeiten sie auf dem Straßenstrich. Pro Kunde bekommen sie 10 bis 20 Euro - und sie brauchen viele Kunden, um sich von ihren vermeintlichen "Schulden" freizukaufen: Bis zu 60.000 habe ihre Reise nach Europa gekostet, sagt man ihnen. Spurt eine von ihnen nicht, wird sie oder ihre Familie gnadenlos verfolgt. Die Frauen haben keine Wahl.

Mit Voodoo gefügig gemacht

Sie kommen aus Nigeria, dem mit 140 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Staat Afrikas. Große Armut, hohe Arbeitslosigkeit, schlechte Bildung und die Unterdrückung von Frauen gehören dort zum Alltag. Kein Wunder also, dass nicht wenige empfänglich sind für die Verlockungen des reichen Europas: Dabei sind es fast immer Verwandte und Freunde der Familie, die sie zur Reise drängen, ihnen Jobs als Kindermädchen oder Haushaltshilfe in Aussicht stellen. Dann könnten sie dort viel Geld verdienen und etwas davon nach Hause schicken, hoffen sie - manchmal wohl wissend, dass sie die Frauen in die Zwangsprostitution treiben.

Für den Transport nach Europa sorgen dann "Schlepper". Doch bevor sie die Reise antreten, müssen die Mädchen und jungen Frauen an einem Juju-Ritual (so heißt die nigerianische Voodoo-Variante) teilnehmen, das sie an die Menschenhändler binden soll: Dabei schwören sie, all seinen Anweisungen zu folgen und erst wieder zurückzukehren, wenn sie genug Geld verdient haben. Der Juju-Priester behält eine Haarsträhne, einen Fingernagel oder etwas Blut, um den Bann zu besiegeln. Brechen die Frauen ihren Schwur, drohen ihnen angeblich drakonische Strafen: Wahnsinn, Krankheit oder der Tod von Familienmitgliedern. Da die Juju-Religion in Nigeria in der Kultur verwurzelt ist und noch immer viele Anhänger hat, ist der Bann für die Frauen Gesetz.

Durch die Wüste nach Europa

Wenn sie "Glück" haben, steigen die noch immer hoffnungsfrohen Nigerianerinnen nun in ein Flugzeug nach Europa. Oft jedoch wählen ihre Schlepper den Landweg, der durch die Wüste bis Marokko und von dort aus nach Spanien führt. Corinna Milborn und Mary Kreutzer haben mit Betroffenen gesprochen, die so bis zu zwei Jahre lang unterwegs waren und währenddessen immer wieder vergewaltigt und misshandelt wurden. Auch Todesfälle sollen auf dieser Route an der Tagesordnung sein.

Angst vor Voodoo-Flüchen: Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie sich die Zwangsprostituierten gegenseitig kontrollieren

Buchtipp Mary Kreutzer und Corinna Milborn: Ware Frau. Auf den Spuren moderner Sklaverei von Afrika nach Europa. - Salzburg: Ecowin Verlag, 240 Seiten. ISBN: 978-3-902404-57-2

Internet Der Verein EXIT verfolgt das Ziel, Afrikanerinnen vor der Zwangsprostitution in Europa zu bewahren und sie bei der Integration zu unterstützen. Weitere Infos auf www.ngo-exit.com (teilweise auf englisch)

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