20. November 2012, 12:15 Uhr

Das Geld gibt es erst mit 107

Drehen Banken alten Menschen extra Anlagen mit langen Laufzeiten an? Wie im Fall Irmgard Greiner, die 87-jährig in einen geschlossenen Fonds investierte. Bevor sie wieder an ihr Geld kam, starb sie.

Irmgard Greiner ist seit über 60 Jahren Kundin der Commerzbank. Dort hat sie ihre Ersparnisse. 2007 - mit 87 Jahren - will die Rentnerin einen Teil davon noch einmal neu anlegen. Die Beraterin empfiehlt ihr einen geschlossenen Schiffsfonds für 40.000 Euro. Ihr sei dabei nicht bewusst gemacht worden, sagt die Frau, dass sie frühestens erst wieder 2027 an ihr Geld kommt. Immerhin wäre sie dann 107 Jahre alt.

Dann möchte Irmgard Greiner wieder an ihr Geld. Doch das liegt festangelegt in dem Fonds. Sie schreibt mehrere Briefe an die Bank - ohne Erfolg. "Beim Abschluss dieses Vertrages war ich bereits 87 Jahre alt und Ihrer Anlageberaterin war klar, dass ich die Fälligkeit des Betrages aufgrund meines Alters beim Abschluss nie erleben würde", schreibt die langjährige Commerzbank-Kundin damals. Auch Irmgard Greiners Anwältin Zuhal Wegmann empfindet das Verhalten der Bank als skrupellos: "Korrekt wäre im Fall von Frau Greiner gewesen, eine solche Anlage gar nicht erst zu empfehlen", sagt sie.

Die Commerzbank AG sieht das offenbar anders - und lehnt eine Rückzahlung ab. Die alte Dame versteht die Welt nicht mehr: "Ich habe angenommen, die Bankberater werden wohl nicht nur im Interesse der Bank, sondern auch im Interesse des Kunden beraten, damit sie die Kunden behalten", sagt sie vor einem Jahr im Gespräch mit stern TV. Die Seniorin fühlt sich betrogen und zieht 91-jährig vor Gericht. Sie klagt auf Schadensersatz. Doch Irmgard Greiner erlebte den ersten Tag der Gerichtsverhandlung nicht mehr, vorher verstarb die alte Frau. Ihre 40.000 Euro stecken nach wie vor in dem Fond. War das möglicherweise alles Kalkül?

 
 
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