Jule Aßmann, 12 Jahre alt, ist ein Wunderkind der Leichtathletik: Sie läuft so leichtfüßig und schnell, dass sie selbst durchtrainierte Erwachsene abhängt. stern TV ließ Jule nun gegen einen würdigen Gegner antreten: Olympia-Medaillen-Gewinner Frank Busemann.

Sie läuft und läuft und läuft: Jule Aßmann aus Großhansdorf© stern-TV
Sie kann so charmant lächeln, auch wenn das Laufband im stern TV-Studio ein Tempo von 16 Stundenkilometern verlangt - eine Geschwindigkeit, die den Normalbürger rasch gnadenlos überfordern würde. Doch auf dem zweiten Laufband neben Jule Aßmann läuft ja auch kein Normalbürger: sondern Frank Busemann, Zehnkämpfer, Hobbymarathonläufer und Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele von Atlanta 1996. Die Frage, um die es im Studio geht: Wer hält den Stress auf dem Band besser durch, Jule oder Frank Busemann? Moderator Günther Jauch, die Schweißperlen auf Busemanns Stirn beobachtend, hat schon eine Vorahnung: "Wenn ich so in die Gesichter sehe ... hmmm. Eines sieht entspannt aus."
Jule Aßmann, 12, lebt mit ihrer Familie in Großhansdorf bei Hamburg, ein hübsches, eher zurückhaltendes Mädchen, das auf dem Gymnasium lieber Mathe als Deutsch lernt. Vor vier Jahren, beim Familienurlaub im Schwarzwald, lief sie das erste Mal bei einem Bergrennen mit, einfach so, aus Lust und Laune. "Es ist schön, sich zu bewegen und nicht immer auf dem Stuhl zu sitzen", sagt sie bei stern TV. Seitdem trainiert Jule mit ihrem Vater, einem Sportlehrer, und ihrer Schwester Jenni - allerdings nicht mehr als fünf Stunden pro Woche, um ihren kindlichen Körper zu schonen.
Trotzdem hat Jule schon Spitzenleistungen gezeigt: In Schleswig Holstein hält sie mit 18,17 Minuten den Rekord über 5000 Meter in der Klasse der Mädchen bis 15 Jahre. Doch auch die meisten männlichen Teilnehmer laufen ihr bei solchen Rennen hinterher, manche mit langen Gesichtern, andere voller Bewunderung für ihr schier unglaubliches Tempo. Jule ist ein Wunderkind der Leichtathletik.
Medizinisch betreut wird sie von der Sporthochschule Köln. Die Untersuchungen zeigen, dass Jule eine kerngesundes Herz hat, das um 50 Prozent leistungsfähiger ist als bei anderen Kindern ihrer Konstitution. Außerdem ist sie ungewöhnlich belastbar: Erst ab einem Tempo von 14,5 Stundenkilometern übersäuern ihre Muskeln. Doch den größten Vorteil erzielt sie durch ihren geschmeidigen Laufstil. Im Gegensatz zu anderen Läufern trampelt sie nicht, sie "rollt" kräftesparend vorwärts - ihre Beinmuskulatur setzt sie intuitiv so effizient wie möglich ein. "National und international gibt es nicht viele Mädchen, die so laufen können wie Jule!", sagt Professor Joachim Mester von der Sporthochschule Köln bei stern TV.
Doch ihr Talent garantiert Jule Aßmann keine offizielle Anerkennung. Weil sie noch so jung ist, darf sie nicht bei Meisterschaften des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) starten. Sie taucht auch nicht in den DLV-Bestenlisten auf und kann nicht an den DLV-Förderprogrammen teilnehmen. DLV-kompatible Leichtathletik fängt erst in einem Alter von 14 Jahren an. Vater Holger Aßmann ist darüber "not amused": "Besonders gute Athleten müssten besonders gefördert werden. Aber der Verband pocht auf seine Regeln. Das ist nicht hilfreich", klagt er gegenüber der Presse. Der DLV hält dagegen, in Jules Alter solle es noch nicht um Leistung und Titel gehen sondern erstmal um den Spaß. Ansonsten drohe ein "Drop-Out", so Joachim Flöthe, Sprecher des Leichtathletik-Verbandes Schleswig-Holsten: "Die Leute sind sehr früh sehr erfolgreich, hören dann aber auch sehr schnell wieder auf."
Jule scheinen solche Erwägungen im Moment nicht zu beschäftigen. Sie läuft eben einfach gerne, und ins Ziel zu kommen, sei einfach "immer schön", sagt sie zu Günther Jauch. Auf die Siegerehrung hingegen könnte sie auch verzichten: "Manchmal ist mir das ein bisschen peinlich, weil so viele Leute gucken."
Bei stern TV haben Millionen zugeschaut und gesehen, wie Jule auf dem Laufband ihren "Gegner" Frank Busemann locker schlug. Mitarbeiter der Sporthochschule Köln haben Jule und Busemann während des zwölfminütigen Tests drei Mal Blutproben abgenommen, um Laktatmessungen vorzunehmen, die zeigen, wie stark der Körper schon übersäuert ist. Das Ergebnis war eindeutig. Frank Busemann wäre kurz nach den zwölf Minuten ohnehin k.o. gewesen - Jule hätte noch eine halbe Stunde weiterlaufen können.