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In sechs Schritten zur richtigen Vorsorge

Vorbei sind also die Zeiten, als der Staat noch für eine anständige Rente sorgte. Ohne eine zusätzliche private Altersvorsorge wird die Rente für viele nicht ausreichen. Was aber ist die beste Strategie? Hier finden Sie Erklärungen, Tipps und Links dazu.

Was bedeutet die "Renteninformation"?

Alle paar Jahre verschickt die Deutsche Rentenversicherung das sogenannte Renteninformationsschreiben. Eingerahmt in einem Kasten stehen die interessanten Zahlen: wie hoch die gesetzliche Rente voraussichtlich ausfallen wird.

Drei Zahlen werden dort genannt:

  1. die Höhe der Rente, wenn man ab sofort aus gesundheitlichen Gründen erwerbsgemindert wäre, also wegen Krankheit oder Behinderung weniger als drei Stunden täglich arbeiten könnte,
  2. der bereits erworbene Anspruch, also die künftige Rente, wenn man ab sofort keine Beiträge mehr leisten würde,
  3. eine Prognose der Rente, wenn man weiter Beiträge wie in den vergangenen fünf Jahren zahlt.

Diese letzte Zahl ist die wichtigste, die Ihnen eine ungefähre Vorstellung von Ihrer künftigen Rente gibt. Die Prognose geht davon aus, dass es keine Rentenerhöhungen mehr gibt und dass Sie keine Einkommenssteigerungen erzielen, also künftig nicht höhere Beiträge zahlen. So ist dies eine konservative Schätzung, aber zur Vorsicht sollte man nur mit diesem Wert kalkulieren. 

In dem Schreiben finden sich unter der Überschrift "Rentenanpassung" noch weitere, optimistischere Prognosen, die von einer jährlichen Steigerung von einem oder zwei Prozent ausgehen. Diese Hochrechnungen lassen sich aber nicht halten, wenn es - wie so oft - Nullrunden gibt. Stellen Sie sich also lieber auf die zurückhaltenden Schätzungen ein.

Welche Unwägbarkeiten sollte man beachten?

Wer sich heute seine gesetzliche Rente in der Zukunft errechnet, sollte beachten, dass es ein paar Unwägbarkeiten gibt. Zum einen wird jedes Jahr der Rentenwert neu festgelegt. Er lässt sich zwar grob prognostizieren. Aber für den exakten Wert ist entscheidend, wie sich zum einen die Bruttolöhne entwickeln und zum anderen, wie sich das Verhältnis von Rentnern zu Beitragszahlern entwickelt. Diese und noch weitere Faktoren gehen in die sogenannte Rentenanpassungsformel ein, aus der sich jedes Jahr aufs Neue der Rentenwert errechnet. Es ist auch möglich, dass die Politik diese Formel ändern wird, wie in der Vergangenheit schon mehrfach geschehen.

Außerdem muss man die Inflation beachten: Von 1000 Euro kann man sich in 30 Jahren wegen der allgemeinen Preissteigerung (bei einer Inflationsrate von zwei Prozent) nur rund halb so viel leisten wie heute.

Besteuerung: Und schließlich werden die Renten in Zukunft auch immer stärker besteuert. Im Gegenzug verringert sich die Steuerbelastung während der Berufszeit. 2005 begann die Besteuerung von 50 Prozent der Renteneinkünfte, seitdem steigt der Anteil jährlich um zwei Prozent, ab 2021 um ein Prozent, bis 2040 die Rente zu 100 Prozent besteuert wird. Das ist die aktuelle Gesetzeslage. Wie hoch für den einzelnen Rentner die steuerliche Belastung in weiter Zukunft aussehen wird, kann derzeit niemand seriös vorhersagen.

Sechs Schritte zur richtigen Vorsorge

Vorbei sind also die Zeiten, als der Staat noch für eine anständige Rente sorgte. Ohne eine zusätzliche private Altersvorsorge wird die Rente für viele nicht ausreichen. Was aber ist die beste Strategie?

Um den eigenen Rentenbetrag zu steigern, können Arbeitnehmer und Selbständige frühzeitig weitere Sparanlagen tätigen. Es gibt solche, die gefördert werden, andere wiederum sind sinnvolle Spareinlagen, weil sie wertsteigernder sind, als zum Beispiel ein Sparbuch (private Rentenversicherung, Lebensversicherung, Eigenheim u. m.)


Gehen Sie einfach die folgenden sechs Schritte durch. Mit den ersten drei Schritten sind Sie schon auf der sicheren Seite für Ihre neue Rente, die letzten drei Schritte sind die Kür.

Schritt 1: Die gesetzliche Rente richtig einschätzen

Hintergrund:  Jeder abhängig Beschäftigte zahlt automatisch in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Den Beitrag von derzeit 18,7 Prozent des Bruttoeinkommens teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Versicherungspflichtige Selbstständige und freiwillig Versicherte zahlen ihre Beiträge in der Regel allein.
Wer aber glaubt, dass die staatliche Rente wie ein privater Sparvertrag funktioniert, irrt gewaltig. Das eingezahlte Geld wird keineswegs angespart, um es mit Verzinsung im Rentenalter auszahlen zu können. Das 1957 eingeführte System funktioniert nach dem Umlageverfahren. Das bedeutet: Die aktuell eingenommenen Beiträge werden sofort wieder an die heutigen Rentner ausgezahlt. Einzahler müssen darauf hoffen, dass die folgende Generation in der Lage ist, ihre Rente zu bezahlen – daher der Name des Abkommens "Generationenvertrag". Doch schon heute genügen die Gelder der Jungen nicht mehr, um den Bedarf der Alten zu decken. Die Staatskasse und damit der Steuerzahler schießt zu. Wie hoch die Rente für die heute Beschäftigten in Zukunft sein wird, ist deshalb nicht genau kalkulierbar.

Schritt 1: Die gesetzliche Rente richtig berechnen

Berechnung: Eine ungefähre Vorstellung verschafft die jährliche Renteninformation, die nach dieser Formel berechnet wird. (Rentenrechner der Deutschen Rentenversicherung
Millionen Arbeitnehmer erhalten sie regelmäßig per Post von der Deutschen Rentenversicherung. Fest steht, dass das Rentenniveau deutlich sinkt. Die Bundesregierung rechnet bis zum Jahr 2027 mit einem Absacken von heute 48,7 Prozent des Nettoeinkommens vor Steuer auf 45,4 Prozent. Bis 2030 ist sogar ein Absinken auf 43 Prozent möglich. Zumindest diese Lücke muss man schließen, wenn man leben will wie ein heutiger Rentner.
Noch nicht eingerechnet ist dabei die Geldentwertung (Inflation). Von einer heute in Aussicht gestellten Rente in Höhe von 800 Euro bleiben bei einer geschätzten durchschnittlichen Inflationsrate von rund zwei Prozent nach zehn Jahren noch 653 Euro an Kaufkraft übrig, nach 20 Jahren kann man nur noch Waren im heutigen Wert von 534 Euro kaufen. Das ist zwar auch Geld, aber sicher zu wenig, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu erhalten. Um den zu erreichen, sind mindestens zwei weitere Schritte nötig.

Weitere Informationen zur gesetzlichen Rente und wie sich Ihre späteren Ansprüche berechnen

Rentenrechner der Deutschen Rentenversicherung

Schritt 2: Eine Betriebsrente sichern

Jeder Arbeitnehmer in Deutschland hat einen rechtlichen Anspruch auf eine betriebliche Altersversorgung. Immer weniger Unternehmen zahlen eine solche Betriebsrente (Fachausdruck: Direktzusage) aber komplett selbst. Die Firmen sind gesetzlich verpflichtet, ihren Beschäftigten mindestens einen externen Anbieter von Betriebsrenten zu vermitteln. Dazu zählen Pensionskassen und -fonds, Unterstützungskassen sowie (Direkt-)Versicherungen. Bei solchen Anbietern können Arbeitnehmer und Arbeitgeber flexibel einzahlen. Vorteil: Die Kosten für solche betrieblich organisierten Sparverträge sind meist niedriger als bei einem privaten Abschluss, die Rendite ist deshalb höher. Weil der Arbeitgeber das Geld direkt aus dem Bruttogehalt überweist, hat das zudem Vorteile bei der Steuer und den Sozialabgaben.

Mehr Informationen zur Betriebsrente (kurz: bAV)

Finanztip: Direktversicherungen im Betrieb

Schritt 3: Die Riester-Rente abschließen

Jeder Arbeitnehmer kann einen staatlich geförderten Riester-Sparvertrag abschließen. Die Riester-Rente wurde 2002 eingeführt und ist nach dem damaligen Arbeitsminister Walter Riester (SPD) benannt. Das Argument, man habe für Riester-Sparen nicht genug Geld übrig, zieht kaum. Denn der so genannte Sockelbetrag, den Sparer selbst aufbringen müssen, beträgt im Minimum nur fünf Euro pro Monat (60 Euro pro Jahr). Achtung: Finanzberater reden oft von einem "Mindestbeitrag", derzeit in Höhe von vier Prozent des Einkommens, also deutlich mehr als der 5-Euro-Sockelbetrag. Wer den "Mindestbeitrag" zahlt, bekommt die maximale Förderung. Doch das ist kein Muss. Lassen Sie sich also davon nicht verwirren! Sie allein bestimmen die Höhe Ihrer Riester-Sparrate. Auch wenn Sie Ihre Rate niedriger wählen als den Mindestbeitrag, profitieren Sie von allen Vorteilen des Riester-Sparens. Als eine Art Entschädigung und Anreiz zugleich fördert der Staat den Einstieg erheblich, per Geldzuschuss und Steuervergünstigung. Wie viel Zusatzrente genau herauskommen kann, hängt von Form und Anbieter ab. Was für wen taugt, lässt sich, abgesehen von der Risikobereitschaft, am ehesten am Einstiegsalter des Sparers festmachen.

Zur Wahl stehen drei Riester-Arten:
(1) Riester-Fondssparen - geeignet für alle unter 40 Jahren
(2) Riester-Rentenversicherung - für 40- bis 45-Jährige
(3) Riester-Banksparen - für Mitte 40 und älter

Die wichtigsten Fakten zur Riester-Rente auf einen Blick

Finanztip: Beratung zur Riester-Rente

Finanztip: Vergleich von Riester, betrieblicher und privater Altersvorsorge

Alternative für Selbstständige und Freiberufler: Rürup-Rente

Selbstständige und Freiberufler dürfen in der Regel keine geförderte Riester-Rente abschließen. Das ist nur in Ausnahmefällen möglich, zum Beispiel, wenn sie mit einem/r "Riesterberechtigten" verheiratet sind.
Seit 2005 gibt es für diese Gruppe aber die sogenannte Basis- oder auch Rürup-Rente (nach ihrem Erfinder, dem Wirtschaftswissenschaftler Bert Rürup). Sie bringt deutlich höhere Steuervorteile als das Riestern: 2014 durften Rürup-Sparer bis zu 15.600 Euro (Verheiratete: 31.200 Euro) jährlich steuerlich gefördert anlegen. Bis 2025 soll dieser Betrag auf 20.000 Euro (Verheiratete: 40.000 Euro) steigen.

Mehr Informationen zur Basis-Rente

Schritt 4: Über Wohneigentum nachdenken

Studien zeigen: Immobilienbesitzer sind im Alter durchschnittlich wohlhabender als Mieter. Außerdem denken die meisten Deutschen beim Stichwort Alterssicherung ohnehin an selbst genutztes Wohneigentum. Und das zu Recht. Experten gehen davon aus, dass sich gut gelegene und gepflegte Wohnimmobilien in wirtschaftlich wachsenden Regionen noch auf Jahrzehnte als wertstabil oder wertsteigernd erweisen. Auch die an allen anderen Sparformen nagende Geldentwertung (Inflation) kann dem Wohnimmobilienwert weniger anhaben. Wichtigstes Kriterium in ist die Lage!

Prüfen Sie, ob sich der Umstieg von Miete auf Eigentum lohnt. So kann sich die Investition rechnen: Mietfreies Wohnen im Alter spart einem Single etwa 530 Euro im Monat, ein Zwei-Personen-Haushalt muss 632 Euro weniger für Wohnen aufwenden, schätzt der Baufinanzierer LBS. Aber Vorsicht: Nicht jeder Mensch ist ein "Immobilien-Typ". Wer sich darüber unschlüssig ist, den Aufwand drumherum als zu groß empfindet oder einfach völlige Ortsungebundenheit will, sollte vom Eigenheim die Finger lassen. Es gibt noch weitere Vorsorgemöglichkeiten.

Schritt 5: Prüfen, ob eine Lebensversicherung sinnvoll ist

Eine Kapital bildende Lebensversicherung kann auch für die Alterssicherung sinnvoll sein. Kein anderer Sparvertrag schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: finanzielle Absicherung von Angehörigen (und/oder größeren Krediten) im Todesfall und garantiert verzinste Kapitalauszahlung im Erlebensfall. Wegen des niedrigen Zinsniveaus am Kapitalmarkt sinkt aber auch die Garantieverzinsung: Nach dem Willen der Bundesregierung sollen Lebensversicherer ihren Kunden ab Anfang 2015 für Neuverträge nur noch 1,25 Prozent Verzinsung auf den Sparanteil zusagen dürfen. Derzeit sind es noch 1,75 Prozent.

Ausführliche Informationen zu Lebensversicherungen für die Alterssicherung

Schritt 6: Noch Geld übrig? Dann mit Fonds an die Börse!

Altersvorsorge und Börse - das passt für viele Sparer nicht zusammen. Ein Fehler, denn trotz der zeitweise heftigen Kursschwankungen bieten Aktien, Zinspapiere und auch Immobilienfonds-Anteile langfristig attraktive Renditechancen. Davon können auch Vorsorgesparer profitieren. Seit 1998 bieten Banken und Sparkassen auf Altersvorsorge spezialisierte Investmentfonds an, die sogenannten AS-Fonds. Das Kürzel "AS" steht für Altersvorsorge-Sondervermögen. Weil die Fonds zur Absicherung im Ruhestand gedacht sind, müssen sie sehr strenge gesetzliche Regelungen erfüllen. Da der Gesetzgeber sich nie zu einer Förderung der AS-Fonds hat durchringen können, ist die Nachfrage der Kunden und die Zahl der AS-Fonds allerdings gering. Seit Inkrafttreten des Kapitalanlagegesetzbuchs im Juli 2013 dürfen keine neuen AS-Fonds mehr aufgelegt werden. Bestehende Fonds haben aber Bestandsschutz.

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