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Fragen & Antworten

Das sollten Sie beim Girokonto und Bankwechsel beachten

Fragen und Antworten: Hermann-Josef Tenhagen vom Verbraucherportal Finanztip erklärt, was Sie beim Girokonto und einem eventuellen Bankenwechsel beachten sollten.

Das Girokonto ist das beliebteste Sparkonto der Deutschen. Was halten Sie davon?

H.-J. Tenhagen: Das Girokonto ist super, aber nicht als Sparkonto. Ich würde jedem ein ordentliches Girokonto empfehlen und noch ein Tagesgeldkonto dazu, wo man auch Zinsen aufs Ersparte bekommt. Das sind momentan in Deutschland leider nur etwa ein Prozent. Allerdings muss man dazu sagen, dass viele Banken die Gebühren für Girokonten gerade erhöhen. Sie suchen neue Einnahmequellen, weil sich das Verleihen von Geld nicht mehr lohnt.

Warum werben die Banken dann mit Prämien fürs Girokonto?

Die Banken haben immer ein Interesse, neue Kunden zu gewinnen – insbesondere Direkt-Banken. Also solche, ohne Filialen. Direktbanken haben sehr hohe Start-Kosten, etwa die Ausgaben für die ganze Internettechnologie und IT-Struktur. Wenn man die Kosten auf mehr Kunden verteilen kann, rechnet sich das. Jeder weitere Kunde kostet die Bank praktisch nichts an Arbeit und trägt einen Teil der Infrastrukturkosten. Macht die Bank mit diesem Kunden in Zukunft dann noch weitere Geschäfte, ist das ein lohnendes Modell. Deswegen werben vor allem Direktbanken um neue Kunden. Früher war das anders. Da haben die Institute versucht, neue Kunden vor allem über das Tagesgeldkonto zu werben, indem man zwischen 1,5 und 3 Prozent mehr Zinsen als bei der Konkurrenz angeboten hat. Mittlerweile hat sich das Giro-Prämienmodell etabliert. Die Prämien sind sehr stark gestiegen und  im Moment das Hauptwerbeinstrument. Das ist auch nicht rückläufig. Und: Die Banken, die mit Prämien werben, zahlen sie auch. 

Der stern TV-Kontowechsel-Marathon hat nicht in allen Fällen geklappt. Was war der Grund und was muss man beachten, um von Prämien oder Zusatzgarantien zu profitieren?

Um eine Prämie zu erhalten, muss das Konto regelmäßig genutzt werden. Die Banken wollen vermeiden, was der stern TV-Reporter in seinem Test gemacht hat: Nämlich, dass die Leute einfach fünf zusätzliche Konten aufmachen, jeweils den Hunderter kassieren und sich auf dem Konto sonst nichts tut. Die Bank hat kein Geld zu verschenken, das ist nicht in ihrem Sinne. Deshalb gibt es häufig noch zusätzlich Geld, wenn man neben der Kontoeröffnung auch sein Gehaltskonto daraus macht, also regelmäßige Zahlungen eingehen oder Beträge abgehen.

Die Wüstenrot-Bank hat das sehr deutlich definiert, wie sich im stern TV-Test gezeigt hat: Also das neue Konto muss das Gehaltskonto sein, und es ist eine aktive Kontonutzung mit mindestens sieben Abhebungen, Buchungen oder Überweisungen pro Monat vorgeschrieben. Denn nur die Nutzung des Kontos verheißt der Bank auf mittlere oder lange Sicht ein Geschäft, bei dem sie das Geld wieder reinholen könnte, dass sie vorher zur Kundenwerbung eingesetzt hat. In diesem Fall würde ich den Tipp geben: Will ein Kunde zu Wüstenrot, dann sollte er die angebotene Prämie auch mitnehmen. Aber nur wegen der Prämie würde ich bei Wüstenrot nicht einfach ein Konto eröffnen.

Und, das muss man wissen: Zu so einer Werbemaßnahme gehört auch immer eine Schufa-Auskunft über den Kunden. Wenn jemand – wie in dem stern TV-Reporter-Test – parallel fünf Girokonten inklusive Dispokredit eröffnet, ist das nun mal nicht besonders vertrauenserweckend. Es könnte ja jemand sein, der fünf Konten aufmacht, den Disporahmen ausreizt und dann einfach verschwunden ist. Das Nachfassen der Bank ist also naheliegend.

Und wie findet man das richtige Girokonto für sich?

Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder: Ich bin mit meiner Bank zufrieden und suche mir bei meiner Bank das günstigste Konto. Das ist gar nicht so einfach. Die verschiedenen Kontomodelle sind oft schwer zu durchschauen. Ich würde meinem Bankberater sagen: "Rechnen Sie mir aus, welches Ihrer Kontomodelle im letzten Jahr das günstigste für mich gewesen wäre."

Die zweite Möglichkeit: Wenn man unzufrieden mit seiner Bank ist und ein anderes und vor allem kostenloses Girokonto sucht, dann empfehlen wir bei "Finanztip" derzeit drei fast komplett kostenlose für Leute, die Onlinebanking machen. Das ist insbesondere für diejenigen interessant, die keine Überweisungen mit Beleg oder am Automaten machen. Dann lassen sich auch schon mal 50 oder 100 Euro pro Jahr an Gebühren sparen.

Welche Kosten – auch versteckte Kosten – fallen neben der Kontoführungsgebühr an?

Zunächst sollte man klären: Gibt es grundsätzlich monatliche Kontoführungsgebühren oder nicht. Die sollte man sich fürs Jahr ausrechnen. Und dann nachfragen, ob einzelne Überweisungen oder die Inanspruchnahme von Bankdienstleistungen etwas kosten; ob die Kreditkarte oder ob die Bankkarte etwas kosten; und vor allen Dingen die Auslandsgebühren für Währungsumrechnungen und Abhebungen oder für Überweisungen überprüfen. Über die wird nämlich von Bankseite nicht sehr häufig und gerne gesprochen.

Was halten Sie vom Online-Banking?

Ich halte Onlinebanking für etwas sehr Bequemes, auch für vernünftig. Man sollte es aber auch umsichtig nutzen. Allerdings könnte es noch bequemer für die Kunden sein – man versteht einfach nicht, warum es online teilweise so lange dauert 50 Euro an einen Freund zu überweisen, wenn es andererseits möglich ist, eine Million Euro in Nullkommanix um den Globus zu schicken... Da gibt es von Bankenseite auch für normale Kunden noch Verbesserungsbedarf. Ein generelles Sicherheitsproblem sehe ich aber nicht.

Stichwort Kontowechsel: Seit dem 18. September sind alle Banken dazu verpflichtet, ihren Kunden beim Wechsel zu einer anderen Bank zu helfen. Was beinhaltet das?

Ein Kontowechsel war für Verbraucher immer schwierig: fristgerechte Kündigung, Neueröffnung, neue Kontonummer … Viele haben Sorge, dass ihnen bei einem Kontowechsel eventuell Lastschriften oder Daueraufträge durch die Lappen gehen und sie dann jede Menge Ärger am Hals haben. Deshalb wechseln viele Kunden lieber nicht. Das soll jetzt europaweit – für jedermann – ganz einfach werden. Neuerdings muss die neue Bank Versicherungen, Telefonanbieter oder den Stromversorger über die neue Kontoverbindung informieren. Macht die Bank dabei einen Fehler, haftet sie auch dafür. So einen komfortablen Wechselservice haben zwar einige Banken schon zuvor angeboten, jetzt ist er aber verpflichtend. Menschen, die mit ihrer aktuellen Bank nicht zufrieden sind, können darüber jetzt recht bequem zu einer anderen Bank wechseln. 

Was genau macht der Kontowechselservice? Was sollte man dabei beachten?

Bei der gesetzlichen Wechselhilfe muss die alte Bank sämtliche Transaktionen der letzten 13 Monate an die neue Bank übertragen. Das stellt sicher, dass nichts verloren geht. Hierzu muss der Kunde seine neue Bank ermächtigen. Die Banken haben dann 12 Geschäftstage Zeit, die Daten zu bearbeiten. Meist verschicken sie die per Post oder Fax. Schneller geht es mit dem digitalen Wechselservice. Hier loggen sich die die Kunden mit dem alten Konto über das Tool ein und der Service liest alle verfügbaren Daueraufträge und regelmäßige Zahlungen aus. Das geht oft sehr schnell und ist vergleichsweise komfortabel. Allerdings sind hier die 13 Monate nicht Standard. Der Kunde sollte deshalb alle Transaktionen nochmals überprüfen.
Ausführliche Informationen,wie der Kontowechselservice funktioniert, hat Finanztip hier zusammengefasst.

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