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Was ein US-Soldat im Irak erlebte

Ethan McCord wurde 2007 als Soldat in den Irak geschickt. Für den US-Soldaten erfüllte sich ein Traum: Schon als Kind wollte er für Freiheit und Demokratie kämpfen. Doch der Einsatz veränderte ihn.

Es war der 12. Juli 2007, der das Leben von Ethan McCord nachhaltig veränderte: An diesem Tag rettete der US-Soldat zwar zwei irakischen Kindern das Leben. Doch es ist auch der Tag, der sich wegen eines Angriffs aus amerikanischen Kampfhubschraubern für immer in McCords Gedächtnis gebrannt hat - es sind Bilder, die durch die Veröffentlichung von geheimem Videomaterial auf der Internetplattform Wikileaks um die Welt gingen.

Schmutziger Krieg

Ethan McCord, der schon als Kind davon geträumt hatte, im Krieg für sein Land zu kämpfen, war seit Februar 2007 im Irak stationiert: als Soldat der amerikanischen Infanterie - einer Einheit, die für den direkten Kampf am Boden ausgebildet wird. "Als ich in die Armee gekommen bin, habe ich nicht gedacht, dass ich unschuldige Menschen töten muss", sagt er heute. "Ich bin in den Irak gegangen, um den Menschen dort Freiheit und Demokratie zu bringen."

Doch die Realität vor Ort war eine ganz andere: Ständig gab es Angriffe, ständig sah McCord Tote und Verletzte: "Krieg ist schmutzig", sagt er. "Es ist sehr hart, ein Teil davon zu sein, die Vernichtung von Menschen zu sehen, selbst daran kaputt zu gehen." Um diese Realität zu dokumentieren, hat McCord mit seiner Kamera dokumentiert, was er erlebt hat. Auch das, was am 12. Juli 2007 passiert ist.

Soldaten hielten Kameras für Waffen

An diesem Tag war Ethan McCord mit seiner Truppe in einem Vorort von Bagdad unterwegs, als sie plötzlich laute Schüsse aus den Kampfhubschraubern hörten, die über der Stadt kreisten. "Wir konnten hören, wie die Apache-Hubschrauber feuerten", erzählt McCord rückblickend. "Das war so laut, als ob es den Himmel aufreißen würde. Wir wussten nicht, was los war, weil wir den Funkverkehr nicht mitbekamen."

12 Zivilisten und zwei Reporter starben durch den Angriff aus der Luft. Die Soldaten im Helikopter feuerten auf eine Gruppe Menschen, die sie für Aufständische hielten - und von denen sie glaubten, dass sie bewaffnet waren. Doch das, was die Amerikaner für Waffen hielten, waren Kameras, wie sich später herausstellte.

"Es hat mir fast das Herz zerissen"

Der Einzige, der den US-Angriff zunächst überlebte, war der 40-jährige Familienvater Said Chmagh. Er blieb allerdings schwer verletzt auf der Straße liegen. Und als sich ein Kleinbus näherte und der Fahrer ausstieg, um dem Schwerverletzten zu helfen, passierte das, was Experten später als Kriegsverbrechen bezeichneten: Die Soldaten im Hubschrauber schossen wieder. Sie zielten auf den Schwerverletzten, seinen Helfer und den Bus, in dem auch zwei Kinder sitzen.

Ethan McCord und seine Truppe bekamen erst danach den Befehl, zum Tatort zu kommen. "Ich war einer von sechs oder sieben, die dafür abgestellt wurden", sagt McCord. Und: "Als ich die Kreuzung erreichte, sah ich drei Männer auf dem Bürgersteig liegen. Und ein paar Meter weiter den Kleinbus. Dann hörte ich ein Kind weinen und lief sofort zur Beifahrertür."

Im Wageninnern entdeckt Ethan McCord einen Mann und zwei Kinder: "Es hat mir fast das Herz zerrissen", sagt McCord. "Ich dachte, der Vater und der Junge seien tot. Nur das Mädchen hat geschrien." McCord brachte die vierjährige Duaa sofort zu einem der Truppenfahrzeuge, damit es das Kind in ein Krankenhaus bringt. Nur um Fotos zu machen, rannte er dann noch einmal zum Wagen zurück. Doch: "Als ich das Wageninnere fotografierte, sah ich plötzlich, dass der Junge im Fußraum sich bewegte." Auch ihn konnte McCord noch retten.

Trotz dieser Erlebnisse, die McCord nicht mehr vergessen kann, machte der Soldat zunächst weiter, blieb im Irak. Erst als er wenige Wochen später - Anfang November 2007 - selbst bei einem Attentat schwer verletzt wurde, kehrte er zurück in seine Heimat. Er sagt: "Das Leben dieser beiden Kinder hat sich für immer verändert. Weil ihr Vater starb. Und weil sie so schwer verletzt wurden. Ich hoffe bloß, dass sie es irgendwie schaffen, den Amerikanern zu vergeben. Und dass sie nicht für den Rest ihres Lebens alle Amerikaner hassen." Heute ist Ethan McCord kein Soldat mehr. Er ist nur noch Vater.

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