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Der mysteriöse Fall des getöteten Ehepaars Klock

17 Messerstiche und zwei Schüsse aus einer Pistole. So wurde das Ehepaar Klock vor einem Jahr von zwei Männern getötet. Das Urteil, das in diesem Prozess fiel, ist durchaus umstritten: Die beiden Täter wurden freigesprochen. Für die Kinder der Klocks ist das ein Justizskandal, wie sie bei stern TV berichteten.

  Die Opfer Harry und Siglinde Klock.

Die Opfer Harry und Siglinde Klock.

"Ich kann immer noch nicht verstehen, was da passiert ist. Wir haben unsere Eltern verloren und die sind frei“, sagt Nicole Rondinelli. Ihre Eltern, das sind Harry und Siglinde Klock. Das Ehepaar wurde vor einem Jahr auf einem Grundstück im Maintal nahe Dörnigheim getötet.

  Sohn Stefan Klock und Tochter Nicole Rondinelli des getöteten Ehepaars Klock empfinden den Freispruch der mutmaßlichen Mörder als Skandal.

Sohn Stefan Klock und Tochter Nicole Rondinelli des getöteten Ehepaars Klock empfinden den Freispruch der mutmaßlichen Mörder als Skandal.

Für Tochter Nicole Rondinelli und ihren Bruder Stefan Klock ist das Urteil noch immer ein unbeschreiblicher Skandal. Das Landgericht Hanau hatte die beiden mutmaßlichen Täter frei gesprochen, obwohl sie zugegeben hatten, Harry Klock damals mit 17 Messerstichen und seine Frau Siglinde mit zwei Pistolenschüssen getötet zu haben. Doch sie beriefen sich auf Notwehr. Den Gerichtssaal verließen sie als freie Männer. Damit endete im August ein Prozess, wie es ihn in der deutschen Rechtsgeschichte selten gegeben hat.

Der Verdacht fiel schnell auf die Untermieter

Das Ehepaar Klock wurde auf einem kleinen Hof nahe Dörnigheim bei Frankfurt getötet. Die Familie hatte die "Main River Ranch" lange Jahre gemietet, gab dort Reitunterricht. Auch für Nicole Rondinelli war es in ihrer Kindheit ein vertrauter Ort. Heute meidet sie ihn, um das Geschehene nicht vor Augen zu haben.

2011 hatte ihre Familie die Ranch an Klaus Dieter B. und seinen Sohn Claus-Pierre untervermietet. Sie lebten in der Wohnung dort, versorgten die Tiere der Klocks. Nach einem anfänglich guten Verhältnis untereinander, sei es immer schwieriger geworden, da die Miete nicht regelmäßig bezahlt worden sei, so Nicole Rondinelli. Am 6. Juni letzten Jahres fuhr das Ehepaar Klock zu der Ranch, um die ausbleibende Miete zu holen. Danach verlor sich ihre Spur. "Ich wusste von meinem Vater, dass sie nur die Hälfte der Miete bezahlt hatten und sie ihm gesagt haben, dass er am Freitag den Rest bekommen würde", erzählt die Tochter. Sie sorgte sich und fuhr am nächsten Tag mit ihrem Bruder zu der Ranch, wo sie den Untermietern begegneten. "Der Alte hat mich sofort abgefangen und in ein Gespräch verwickelt. Ich habe ihn gefragt 'Wann hast du meine Eltern das letzte Mal gesehen?', und er hat gesagt 'Ich weiß nicht, wo die hin sind'. Als Nicole Rondinelli auch noch Blutspuren entdeckte, war sie gänzlich in Sorge und verständigte die Polizei, die weitere Blutspuren fand. Der Verdacht fiel schnell auf die Untermieter. Zwei Tage nach der Tat wurden sie verhaftet – und schwiegen. Tagelang suchten Taucher den nahegelegenen Main ab. Nach vier Monaten schließlich verrieten Klaus Dieter B. und Claus-Pierre B., wo die Klocks waren: vergraben unter einem Misthaufen auf der "Main River Ranch". Weiter äußerten sie sich nicht.

Notwehr im Blutrausch

Zum Prozessbeginn legten sie Aufzeichnungen über den Tathergang vor. In 450 meist handgeschriebenen Seiten hatte Claus-Pierre B. beschrieben, was sich an dem fraglichen Tag abgespielt haben soll, sprach darin von Notwehr: Ich hatte Todesangst (…) war wie in einem “Blutrausch“. Mein Vater hat mich dann aber von weiteren Stichen abgehalten. Er sagte, lass ihn (…) er ist doch tot.
Die beiden Männer sagten vor Gericht aus, es habe Streit zwischen ihnen und den Klocks gegeben. Harry Klock sei mit einem Messer auf Claus Pierre B. losgegangen. Dieser habe ihm das Messer weggenommen – und in Panik damit zugestochen. Die Gerichtsmediziner zählten später 17 Stiche. Siglinde Klock habe daraufhin Claus-Pierre B. mit einem Beil angegriffen, so der Bericht des Täters. Sein Vater sei dazugekommen, habe versucht, sie wegzustoßen. Als das nicht half, habe er eine Pistole aus dem Haus geholt und von hinten auf Siglinde Klock geschossen. Zwei Mal.

Der Rechtsanwalt der Familie Klock, Markus Roscher-Meinel, hält diese Version für unglaubwürdig: "Wer ist denn so fahrlässig, möchte seinem Sohn helfen, geht aber erstmal in aller Seelenruhe weg und holt eine Pistole", so der Anwalt. "Ein Mann wird doch wohl in der Lage sein, eine Frau, die auf seinen Sohn losgeht, wegzureißen. Da ist etwas konstruiert worden, das merkt man. Und das treibt einem schon die Wutesröte ins Gesicht."

"Dann kam das Drama"

Für die Kinder des Ehepaars Klock ist der Gerichtsprozess schwer. Sie hingen an ihren Eltern. Nicole Rondinelli war früher oft mit ihrem Vater ausgeritten. Die Familie fuhr regelmäßig gemeinsam in den Urlaub nach Mallorca, ihrer Lieblingsinsel. Nun trafen die Geschwister erstmals die Männer wieder, die ihre Eltern getötet haben. "Es war die Hölle. Aber man hat gedacht, es geht jetzt langsam zu Ende und die gerechte Strafe wird ausgesprochen. Und wir können etwas beruhigter leben. Aber dann kam das Drama", so Stefan Klock.

In den Aufzeichnungen spricht Claus-Pierre B. von jahrelangem Druck, dem sie durch ihre Vermieter ausgesetzt gewesen sein sollen: Da uns das Geld so langsam ausging und Herr Klock ständig Druck gemacht hat, mußten wir wieder von Bekannten Geld leihen. Das asoziale Gesindel hat an uns am meisten verdient. Und die reißen noch die Fresse auf!

Er berichtet von angeblichen Demütigungen und Übergriffen – auch vor der Tat: Auf einmal kommt Herr Klock auf mich zu, und er griff nach meinem linken Arm und drehte ihn um. Herr Klock hat meinen Kopf in eine Wassertonne gedrückt. Ich hatte panische Angst und ich war dem Ertrinken nahe. Für den Sohn der Klocks klingt das "erstunken und erlogen", wie er sagt: "Da dachte ich: Das ist ja der Wahnsinn, was da gelogen wird! Sie hätten jederzeit ausziehen können, wenn sie da wirklich so behandelt worden wären, von meinen Eltern."

Ohrenzeugin widerspricht

Für Nicole Rondinelli und Stefan Klock steht fest: Ihre Eltern wurden nicht in Notwehr getötet. Dafür könnte die Aussage einer Nachbarin sprechen, die zur Tatzeit nichts gehört habe – außer zwei Schüssen. Die Angeklagten wiederum behaupteten, es habe einen lautstarken Streit gegeben mit Schreierei und Hundegebell. Bei einem Ortstermin prüften die Ermittler, ob Hundegebell bis zum Nachbarhof zu hören ist. Der Rechtsanwalt der Familie ist der Überzeugung, dass selbst Stimmen aus hundert Meter Entfernung zu hören gewesen sein mussten. Die Ohrenzeugin habe keine Kampfhandlungen oder Hunde gehört, so Markus Roscher-Meinel. "Allein diese Zeugin hat den Vortrag der Täter widerlegt."

Nach 15 Prozesstagen erging dennoch das Urteil: Freispruch für die Angeklagten. Der Richter begründet es damit: "Wenn wir jemanden verurteilen, müssen wir einen Sachverhalt zweifelsfrei feststellen. (…) Wir als Gesellschaft müssen es eher hinnehmen, dass jemand fälschlicherweise nicht in Haft kommt, als dass er fälschlicherweise verurteilt wird."

Für die Geschwister ist das Urteil nicht nachzuvollziehen. Nicole Rondinelli und Stefan Klock wollen als Nebenkläger in Revision gehen. Wie ihre Eltern immer alles für sie getan hätten, würden sie nun das Gleiche für ihre Eltern tun, sagen sie.

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