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Das Problem mit dem Nummernwechsel

Wenn eine Handynummer neu vergeben wird, kann sie bei WhatsApp noch mit dem Vorbesitzer der Nummer verknüpft sein. Chatverläufe und Kontakte werden weiter angezeigt. Das sollten Nutzer beachten.

  Ein Problem bei WhatsApp: Wer seinen Account nicht löscht, gibt ihn bei einem Nummernwechsel an den neuen Besitzer der Nummer möglicherweise weiter.

Ein Problem bei WhatsApp: Wer seinen Account nicht löscht, gibt ihn bei einem Nummernwechsel an den neuen Besitzer der Nummer möglicherweise weiter.

Dass Mobilfunkanbieter nach einer gewissen Zeit Rufnummern, die abgemeldet wurden, wieder neu vergeben, ist soweit bekannt. Man spricht dann von recycelten Nummern. Was passiert aber mit Diensten wie beispielsweise WhatsApp, bei denen ein Account über eine Rufnummer verifiziert wurde, wenn man seine Handynummer abgibt und eine andere bekommt?

Karin Gehrmann konnte sich darüber nur wundern: Im August hatte die 35-Jährige aus Bad Camberg ein neues Smartphone und auch eine neue Rufnummer bekommen. Auf ihrem alten Handy hatte sie WhatsApp deinstalliert und das Gerät auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt. "Damit dachten wir, dass alle Nachrichten gelöscht sind", sagt Karin Gehrmann. Doch dem war offenbar nicht so, denn stern TV bekam eine E-Mail von Thomas Grothe aus Berlin, der schrieb: (…) Nachdem ich die neue Nummer für WhatsApp aktiviert hatte, konnte ich fremde Chats lesen und Rufnummern von Leuten sehen, die ich nicht kenne. Wahrscheinlich gehören diese Kontakte der Person, die zuvor diese Rufnummer hatte.

stern TV ist der Sache nachgegangen. Thomas Grothes neue Handynummer ist die alte von Karin Gehrmann. Seitdem er sich mit dieser Nummer bei WhatsApp angemeldet hatte, kann er plötzlich alte Chats und Nachrichten von ihr lesen. Er sieht auch die Telefonnummern ihrer Kontakte, wann diese zuletzt online waren und kann Profilfotos aufrufen. Karin Gehrmann ist entsetzt: "Ich finde das schockierend, weil ja auch Freunde von mir betroffen sind, ihre Profilfotos auf einem wildfremden Handy. Oder auch das Gruppenprofilfoto von meinem Sohn!" Zum Glück waren es bei Karin Gehrmann unverfängliche Bilder und Nachrichten, die sie mit ihren Kontakten ausgetauscht hatte – und die Thomas Grothe jetzt lesen kann.

Offizielle Karenzzeit zwischen Nummern-Neuvergabe keine Garantie

IT-Sicherheitsexperte Tobias Schrödel ist das Problem mit dem Nummernwechsel bei WhatsApp nicht unbekannt. Er sagt: "Das kommt offenbar immer wieder vor. Mobilfunkanbieter vergeben alte Rufnummern neu. Und wenn dann WhatsApp nicht richtig gelöscht wurde, werden alte Chatverläufe sichtbar." Um das zu verhindern reiche es aber nicht, das Handy in den Auslieferungszustand zurückzusetzen oder die App zu löschen. Man müsse auch seinen Account löschen oder ihn mit einer anderen Rufnummer verknüpfen.

Der Messengerdienst hat zu diesem Zweck mit einem Update im Sommer die Funktion "Nummer ändern" eingeführt. Doch nur wenige wissen von der Funktion bei WhatsApp, so dass manch einer seinen WhatsApp-Account oder Inhalte daraus unwissentlich an den neuen Besitzer seiner bisherigen Rufnummer weitergibt. WhatsApp weiß um die Problematik, auf der Homepage heißt es: Wenn ein Account für 45 Tage inaktiv ist und dann auf einem anderen Gerät neu aktiviert wird, sehen wir das als Zeichen, dass die Nummer recycelt wurde. Zu diesem Zeitpunkt entfernen wir die alten Daten des an die Telefonnummer gebundenen Accounts, wie das Profilbild und den Status.

Das soll heißen: Wenn WhatsApp 45 Tage nicht benutzt und dann auf einem anderen Handy installiert wird, werden alle Daten gelöscht. Im Fall von Karin Gehrmann und Thomas Grothe kann das aber nicht stimmen: Karin Gehrmann hatte ihre Nummer zum 9. August 2014 gekündigt. Thomas Grothe wurde sie am 16. November 2014 neu zugewiesen – dazwischen liegen 99 Tage. Daten, wie die von Karin Gehrmann, hätten nach eigenen Angaben von WhatsApp längst gelöscht sein müssen.

Obwohl die App wegen ihrer Haltung zum Datenschutz immer wieder in die Schlagzeilen gerät, wird sie von mehr als 30 Millionen Menschen in Deutschland genutzt. Dass ein WhatsApp-Account vorerst mit derjenigen Rufnummer verknüpft bleibt, mit der er einst aktiviert wurde, ist bisher nur wenigen bewusst.

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