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Warum musste Joey an jenem Tag sterben?

Der 21-jährige Joey K. wollte während eines Supermarktüberfalls Ende 2014 einer Kassiererin helfen. Dabei wurde er vom Räuber Marek K. erschossen. Nun ist das Urteil gegen den Mörder gefallen. Den Angehörigen von Joey hilft das leider wenig.

  Anteilnahme nach dem Supermarkt-Überfall in Hannover am 04.12.2014, bei dem Joey K. vom Täter erschossen wurde.

Anteilnahme nach dem Supermarkt-Überfall in Hannover am 04.12.2014, bei dem Joey K. vom Täter erschossen wurde.

Monique Mohnhaupt kann noch immer nicht begreifen, dass ihr Freund Joey sterben musste, weil er helfen wollte. "Mir bleibt er als Held in Erinnerung.“ Der 21-Jährige war im Dezember 2014 in Hannover vom Täter erschossen worden, als er Zeuge eines Überfalls auf einen Supermarkt wurde und sich zwischen den Räuber und eine Kassiererin stellte.

Das Handy klingelte beim Opfer

Es war der 4. Dezember 2014. Joey Karsten wollte nach der Arbeit einkaufen gehen. Er betrat den Supermarkt, zu dem er fast täglich ging, kurz vor Ladenschluss – und bemerkt offenbar den Überfall. Im Eingangsbereich trafen er und der Räuber aufeinander. Dann fielen die Schüsse. Einer davon traf den 21-jährigen Joey in den Kopf. Er starb noch am Tatort.

Seine Freundin hatte zu Hause auf ihn gewartet. Sie und Joey hatten nur 300  Meter vom Supermarkt entfernt eine gemeinsame Wohnung. Kurz zuvor hatte er sich noch bei seiner Freundin gemeldet: "Er hat mir eine Nachricht geschrieben, dass er Getränke einkaufen geht", erzählte die damals 21-Jährige. "Und dann rief meine Mutter an, weil sie schon erfahren hatte, dass in diesem Supermarkt jemand erschossen und jemand schwer verletzt wurde. Sie fragte mich, ob wir beide zu Hause sind." Joey war nicht zu Hause. Und er würde auch nicht wiederkommen. 

Moniques Mutter Daniela fuhr als erste Angehörige zum Tatort, wollte sich Gewissheit verschaffen. Sie erzählt: "Ich habe der Kripo dann die Lage beschrieben: dass ich meinen Schwiegersohn seit zwei Stunden vermisse. Dann habe ich eine Personenbeschreibung abgegeben – was er anhatte. Und die Handynummer. Nach zehn Minuten kam die Kripo zurück und ich sollte mitgehen ins Lager des Supermarktes. Da hat mir der Beamte erklärt, dass aufgrund meiner Beschreibung von Joey und aufgrund der Handynummer – sie hatten die gewählt und dann hatte es bei der Leiche geklingelt – dass sie zu 90 Prozent davon ausgehen, dass es sich um Joey handelt", so Daniela Mohnhaupt. "Ich weiß nicht mehr wie, ich habe es dann irgendwie meiner Tochter gesagt… Es war grausam!"

Täter macht mit Überfällen weiter

Joey Karsten wollte die Kassiererin beschützen – wohl kein Zufall, wie seine Schwester Annika sagt: "Er war ein guter Mensch. Und nicht leichtsinnig. Sondern er wollte helfen. Ungerechtigkeiten konnte er nicht leiden. Da ist er schon immer dazwischen gegangen. Auch wenn er selber dafür einstecken musste."      

Am 17. Januar 2015 wurde Joey in seiner Heimat Fürstenwalde an der Spree bei Berlin beerdigt. Kaum zu glauben: Zur gleichen Zeit machte sein Mörder unbeirrt weiter. In insgesamt 22 Städten schlug der Täter zu und machte dabei eine Beute von rund 30.000 Euro.

Immer wieder veröffentlichte die Polizei das Phantombild und Überwachungs-Videos seiner Raubzüge, die deutschlandweit für Aufmerksamkeit sorgten.

Unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Hannover untersuchte eine Sonder-Kommission namens "Discounter" die Supermarkt-Überfälle. Nach einem halben Jahr Fahndung wurde der Täter gefasst: Der 42-jährige Pole Marek K. konnte auf einem Rasthof in der Nähe von Dresden festgenommen werden, als er in seinem Auto schlief. Seine Handydaten hatten ihn verraten.

Lebenslängliche Haftstrafe für Marek K.

Am 16. Dezember 2015 begann der Prozess gegen Marek K.. Joey Karsten wäre an diesem Tag 23 Jahre alt geworden. Obwohl ein halbes Jahr für den Prozess angesetzt war, fiel nach zwei Monaten heute, am 17. Januar, das Urteil gegen Marek K.. Er muss lebenslang in Haft, kann damit frühestens nach 21 Jahren freikommen. Das Landgericht Hannover stellte eine besondere Schwere der Schuld fest. "Der hätte ihn doch leben lassen können, der hätte ihn nicht erschießen müssen!", sagt Joeys Mutter Cornelia Karsten. "Und das verstehe ich eben nicht".

Für sie und die Freundin Monique bedeutet das Urteil ein Stück weit Gerechtigkeit. Doch zurück bleibt die Trauer. Die lebenslängliche Haftstrafe für Marek K. bringt Joey nicht zurück. "Der weiß gar nicht was er angerichtet hat", so Cornelia Karsten. "Immer wieder kommt der Gedanke: Der kommt nie wieder zurück! Nie wieder kann man ihn in den Arm nehmen, nie wieder hört man das Lachen!" 

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