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Raser bekommen erstmals lebenslange Haftstrafen – wegen Mordes

Es war ein illegales Autorennen mit tödlichem Ausgang für einen Unbeteiligten: Im Prozess gegen die beiden Verantwortlichen verhängten die Richter erstmals eine lebenslange Haftstrafe - wegen Mordes. Ist dieses Urteil gerechtfertigt? Diese Debatte führte stern TV bereits vor Monaten.

Bei dem illegalen Autorennen auf dem Kudamm am 01.02.2016 in Berlin kam ein unbeteiligter Fahrer ums Leben gekommen, mehrere Personen wurden schwer verletzt. 

Bei dem illegalen Autorennen auf dem Kudamm am 01.02.2016 in Berlin kam ein unbeteiligter Fahrer ums Leben gekommen, mehrere Personen wurden schwer verletzt. 

Es ist gut ein Jahr her, als sich Marvin N. und Hamdi H. ein illegales Straßenrennen auf dem Kurfürstendamm in Berlin lieferten. Dabei überfuhren sie mehrere rote Ampeln - mit tödlichen Folgen. Das Opfer: Der 69-jährige Michael W., der mit seinem Wagen bei Grün aus einer Nebenstraße kam. Einer der Sportwagenfahrer raste ungebremst mit 160 km/h ihn hinein. Der Rentner hatte keine Chance. 

Jetzt sollen die jungen Männer wegen Mordes nach dem Landgericht in Berlin lebenslang ins Gefängnis. Das Urteil sorgt für Schlagzeilen, denn noch nie wurden Raser in Deutschland so hart bestraft. 

Für Maximilian W., den Sohn des Opfers und Nebenkläger in dem Prozess, ist das ein gerechtes Urteil. "Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Diese Signalwirkung war mir wichtig", so der 36-Jährige nach der Urteilsverkündung. 

Deutschlandweit kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen durch illegale Straßenrennen. Oft mit fatalen Folgen: Am 14. April 2015 verlor ein Raser bei einem Rennen in Köln die Kontrolle über seinen Wagen und tötete eine 19-jährige Studentin. Am 10. Juli 2015 starb – ebenfalls in Köln – ein Fahrradfahrer, wieder durch ein Straßenrennen. Und am 19. Mai 2016 wurde in Hagen ein sechsjähriger Junge lebensgefährlich verletzt. Alle waren Zufallsopfer, nichtsahnend unterwegs. Doch abschreckende Konsequenzen haben derartige Unfälle für die Raser nicht. Bisher fielen die Strafen für Raserei eher milde aus: Zu schnelles Fahren wird lediglich als Ordnungswidrigkeit eingestuft und mit Geldbußen und vorübergehendem Führerscheinentzug bestraft. Das bemängelt auch Hauptkommissar Rainer Fuchs von der Kölner Polizei. Mit der Projektgruppe "Rennen" gehen er und seine Kollegen seit knapp zwei Jahren gezielt gegen Raser und illegale Straßenrennen vor. Allerdings lassen sich diese Autorennen schwer nachweisen, da das Kräftemessen oft spontan entsteht unter sich völlig Unbekannten. Und laut Ermittlungsleiter Rainer Fuchs sind die meisten vollkommen uneinsichtig, was sie da tun: "Es sind junge, unerfahrene Fahrer, mit Autos von mehreren Hundert PS. Junge Männer, die sich selbst überschätzen – auf der Straße ist das Sprengstoff ohne Ende."

Die Beamten setzen deshalb darauf, die Wagen dieser Rennkavaliere wegen unerlaubter Umbauten stillzulegen: Felgen, Auspuff oder Karosserie – wer auffällt, wird angehalten. Sind diese Änderungen nicht im Fahrzeugschein eingetragen, erlischt die Betriebserlaubnis und die Polizei kann die Wagen abschleppen und zum TÜV bringen lassen. Für die Fahrer ist das mit großem Zeitaufwand und hohen Kosten verbunden. Einen anderen Angang haben die Behörden bislang nicht. Deshalb forderte Rainer Fuchs bereits im November bei stern TV härtere Strafen: Wer billigend in Kauf nimmt, Unbeteiligte zu verletzen oder zu töten, solle mit Gefängnisstrafe rechnen müssen.

Tote bei illegalen Autorennen – wird das künftig generell "Mord"?

Müssen Raser nach diesem Urteil künftig mit härteren Strafen rechnen, womöglich wegen Mordes? Die Verteidigung der Berliner Unfallverursacher hat angekündigt, gegen das Urteil in Revision zu gehen – vor dem Bundesgerichtshof. Die Fachanwältin für Strafrecht und Verkehrsexpertin Gesine Reisert bezweifelt, dass der Widerspruch erfolgreich sein wird: "Es wird für die Verteidigung schwer werden, gegen die Annahme des bedingten Vorsatzes anzukämpfen. Denn das Berliner Landgericht hat festgestellt, dass die beiden Fahrer mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit von bis zu 160 km/h durch die Innenstadt gerast sind. Wenn sich das auf Gutachten stützt, wird das Urteil sehr schwer anzugreifen sein", so die Verkehrsjuristin. "Anders sieht es nach meiner Einschätzung für die lebenslange Fahrerlaubnissperre aus. Da ist das Gericht wohl etwas zu weit gegangen. Es kann ja nicht ausgeschlossen werden, dass sich die jungen Männer zum Besseren wandeln."

Dennoch seien in diesem Fall nicht alle Merkmale für Mord seien klar gegeben, meint die Fachanwältin: Zwar handele es sich bei den Autos um ein "gemeingefährliches Mittel" als Mordmerkmal, anders liege es jedoch, den Tätern "bedingten Vorsatz" und "niedere Beweggründe" eindeutig nachzuweisen, Gesine Reisert: "Generell ist jeder Fall ein Einzelfall, und die Messlatte für Mord ist enorm hoch. Meistens wird es in Fällen der Raserei wohl "Totschlag" sein. Aber das reicht ja auch schon für eine ausreichend hohe Bestrafung, finde ich."

Beim Bundesrat und der Bundesregierung gibt es Pläne, die Teilnahme an illegalen Autorennen generell unter Strafe zu stellen. Doch: Es bleibt die Schwierigkeit, den Beteiligten das Rennen und die Teilnahme eindeutig nachzuweisen: Landesweit gibt es zu wenige Polizisten, die an Ort und Stelle eingreifen könnten, um die Raser anzuhalten. Und dann nutzen die schärfsten Gesetze nichts.


Kommentare (6)

  • GreenLantern2017
    GreenLantern2017
    Ich hoffe dass das Urteil vor dem BGH bestand hat!!
    Schließlich sind es ja nur 15 Jahre und mit guter Führung ist der Täter sowieso nach 8-9 Jahren wieder raus. Viel wichtiger aber finde ich, dass dem Raser LEBENSLANG DER FÜHRERSCHEIN ENTZOGEN WIRD!!! Denn das wiegt für so jemand dem ein Menschenleben egal ist, schwerer als die Gefängnisstrafe. Dann ist er abgemeldet in der Raser-Szene.
    Ich möchte noch anmerken, dass mir genau dasselbe passiert war, wie 'AUTO3' beschrieben hat: Auch auf der Autobahn genötigt..auch abgedrängt und ebenfalls bis auf ca. 60 kmh ausgebremst...nur dass es damals ein Porsche-Fahrer auf der A5 war. Gruß aus Karlsruhe
  • auto3
    auto3
    ich bin 43 habe 2 kinder und eine Frau. Mein Job ist der Außendienst, jeden Tag erlebe ich kurioses auf der Straße, gerade Heute wieder in einer 120er Zone auf der Autobahn bedrängte mich auf der Überhohlspur ein Mercedes mit Lichthupe und teilweisem Auffahren so das man die Scheinwerfer noch nicht einmal mehr sehen konnte. Mein Tempo betrug übrigens knapp 130 kmh. Als ich eine Reihe von Fahrzeugen überhohlt hatte und wieder rechts einscherte, fuhr der Mercedes neben mich und drängte mich absichtlich immer weiter abbremsend mehr nach rechts bis fast kurz vor die Leitplanke.........abbremsen mußte ich bis auf 60 kmh.......ich find das Urteil absolut gerecht und hoffe das solche "möchte gern" Autofahrer definitiv aus dem Verkehr gezogen werden ...denn meistens trifft es bei Unfällen immer die Unschuldigen. Von Begrenzungen der PS Zahl von Fahzeug und Alter einer Person halte ich nicht viel, weil Rasen kann man schließlich auch mit 70 PS und 170 kmh durch die Stadt.... macht also wenig Sinn ....das einzige was Hilft: Führerschein weg und hinter Gitter!!! ein klares " Ja" zum Urteil...... Grüße aus Thüringen
  • Sven-Engel
    Sven-Engel
    Das Urteil ist gerecht keine Frage!!!
    Genau wegen so Leuten wird uns aus der Tuning Szene der Spaß an den Autos genommen... weil es ja mittlerweile schon so weit geht das jeder der sein Auto tunt (auf legalem Wege) dierekt als Raser abgestempelt wird. Und das stimmt halt einfach nicht! Natürlich gibt es wie überall halt auch schwarze Schafe, aber genau die machen alles kaputt Spaß an einer Leidenschaft zu haben.
  • Justina214
    Justina214
    Ich finde das Urteil auch mehr als richtig und gerecht. Ich denke es ist auch wichtig mal ein Exempel zu statuieren. Bei der starken Zunahme von Rasern in den letzten Jahren weiß man als Fußgänger ja gar nicht mehr wo man sicher ist. Das einzige Problem, das ich sehe ist, dass jeder Raser dann als Versuchstäter strafbar wäre, wenn ein genereller bedingter Vorsatz unterstellt wird auch wenn nichts passiert.
  • Carolin Bo
    Carolin Bo
    Ich finde das Urteil völlig gerechtfertigt! Auch wenn es nur 15 Jahre bedeutet...diese beiden sollten nur noch Rollatorrennen über den Gefängnisflur fahren!

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