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Virus-App fordert Lösegeld fürs Smartphone

Von jetzt auf gleich hatte sie keinen Zugriff mehr auf ihr Smartphone. Einfach gesperrt. Dazu eine Nachricht, dass das Gerät nur gegen die Zahlung eines Bußgelds wieder benutzbar wird. Julia Hagel war völlig perplex, geriet in Panik. Was steckt hinter diesem perfiden Virus und wie wird man ihn los?

  Vorsicht, Falle! Die offiziell wirkende, aber gefälschte Meldung fordert eine Überweisung von 100 Euro für die Freischaltung des gekaperten Handys.

Vorsicht, Falle! Die offiziell wirkende, aber gefälschte Meldung fordert eine Überweisung von 100 Euro für die Freischaltung des gekaperten Handys.


Von jetzt auf gleich hatte sie keinen Zugriff mehr auf ihr Smartphone. Einfach gesperrt. Dazu eine Nachricht, dass das Gerät nur gegen die Zahlung eines Bußgelds wieder freigeschaltet wird. Julia Hagel war völlig perplex, geriet in Panik. Mir wurde nur noch eine Seite angezeigt, die mit 'Deutschland Polizei' und einer Aktennummer begann. In einem langen Text beschuldigte man mich gegen verschiedene Artikel des Strafgesetzbuches der Bundesrepublik Deutschland verstoßen haben. Mir wurden auch die jeweiligen Strafen genannt, die diese Verstöße nach sich ziehen, und netterweise ein minimales Bußgeld von 100 Euro. Die soll ich in 48 Stunden überweisen, schrieb die 18-jährige Schülerin in einer E-Mail an die stern TV-Redaktion. Die Schülerin war sich keiner Schuld bewusst. Was sie nicht ahnte: Hinter dem vermeintlich offiziellen Sperrbildschirm der Polizei steckt ein Smartphone-spezifischer Trojaner. Ein Handy-Virus. Der am häufigsten verbreitete ist dieser so genannte BKS-Trojaner. 

Die lange Nachricht, die die Schülerin auf ihrem Bildschirm sah, enthielt ihren Namen, ihre IP-Adresse, ihre engsten Kontakte und etliche Artikel des Strafgesetzbuches, gegen die Julia Hagel verstoßen haben soll. Etwa das Urheberrecht verletzt oder Spammails verschickt zu haben. "Ich habe keinen Moment daran gedacht, dass es Betrüger sind", sagt Julia Hagel. "Das kann nur das BKA sein, dachte ich, mit diesen ganzen Artikeln, die da standen." Auch den Standort scheint der Absender zu kennen. Außerdem wird in vielen Fällen damit gedroht, Telefonate aufzuzeichnen oder Daten zu verschlüsseln.

Julia Hagel ist kein Einzelfall, weiß IT-Sicherheitsexperte Tobias Schrödel: "Erpresser-Software, die Daten verschlüsselt und erst gegen Bezahlung wieder freigibt, gibt es schon länger, primär auf PCs. Seit einigen Monaten ist zu beobachten, dass das Ganze auch auf Smartphones überschwappt. Solche Trojaner verstecken sich hinter irgendwelchen Apps. Aber die große Welle wird erst noch erwartet. Ich glaube das wird die Plage des nächsten Jahres." Apple- Nutzer sind von dieser Art Virus übrigens nicht betroffen, die Trojaner nisten sich ausschließlich auf Android-Geräten ein.

Trojaner versteckt sich in "normalen" Apps

Julia Hagel müsste sich mit ihrem Smartphone eigentlich gut auskennen. Man könnte auch sagen: Die Schülerin ist eine Heavy-Userin. Nachrichten schreiben, Spiele spielen, Videos schauen, Social Media – bis zu 300 Apps habe sie sich schon heruntergeladen, mehr als die Hälfte aber nur kurz genutzt und dann wieder gelöscht. Doch genau darin liegt offenbar eine Gefahr, erklärt Tobias Schrödel: "Der Virus versteckt sich in scheinbar normalen Apps, also in einem Update für ein neues Spiel, ein neues Level oder auch in einem entsprechenden Videoplayer. Das ist völlig unterschiedlich. Die Verbrecher fälschen Apps, die man kennt und denen man vertraut – und die enthalten dann eine Virus-App, die sich von selbst installiert." Die befallenen Apps stammen jedoch nicht aus den offiziellen App-Stores wie Google Play, sondern zumeist von fremden Tauschbörsen oder App-Portalen.

Die Forderung von 100 Euro sei bewusst in einem bezahlbaren Rahmen belassen: "Das ist die Masche der Betrüger. Denn wenn sie viele Leute haben, die 100 Euro zahlen, dann habe sie viel Geld eingenommen." Die Trojaner sind der Polizei bereits bekannt. Leider tappen viele User wegen der vermeintlich offiziellen Erscheinung des Sperrbildschirms in die Falle, sagt Frank Federau vom Landeskriminalamt Niedersachsen. "Der BKA-Trojaner ist am weitesten verbreitet. Aber die Täter sind kreativ. Da kann jede Behörde drüber stehen, die reagieren da schnell."

Trotz des genannten Ultimatums sollte man den Betrag jedoch auf keinen Fall überweisen. „Werden Sie erpresst, dann bezahlen Sie auf keinen Fall! Dadurch wird Ihr Handy  nicht repariert. Wir raten: Gehen Sie zur Polizei", so Federau.

Das hat auch Wolfgang Aulich gemacht. Der 72-Jährige hatte den Trojaner plötzlich auf seinem Tablet, und das trotz Antivirenprogramm. Er glaubt, sich den Virus beim Installieren eines Flugsimulators eingefangen zu haben. Plötzlich reagierte auch sein Gerät auf nichts mehr. Stattdessen ein Sperrbildschirm mit diversen Beschuldigungen: "Man habe meinen Computer gesperrt, weil man mir nachweisen kann, dass ich pornografisches Material verbreitet habe, Musik auch und auch staatliche Geheimnisse", so der Rentner.

Im abgesicherten Modus die Virus-App selbst entfernen

Julia Hagel konnte ihr Handy eigenständig reparieren, da sie im Internet eine Anleitung fand, wie sie es über den so genannten "abgesicherten Modus" starten und die Virus-App entfernen konnte. Und das natürlich ohne den verlangten Betrag zu bezahlen.

Wie man sein Handy oder Tablet von der perfiden Erpressungs-App befreit, erklärte IT-Experte Tobias Schrödel auch bei stern TV noch einmal Schritt-für -Schritt (siehe Kasten). Außerdem sein Tipp: "Jedem Smartphonebesitzer – und das gilt auch für Tablets – kann ich nur raten, regelmäßig ein Back-up zu machen. Das heißt: Seine Fotos, Kontakte, Daten, Mails und Apps zum Beispiel auf dem PC, einer Festplatte oder in einer Cloud zu speichern und zu synchronisieren. Das hat den Vorteil, dass – egal was mit dem Handy passiert – man notfalls auf Werkseinstellungen zurückgehen und alle Daten neu aufspielen kann. Das kann im Notfall immer eine Lösung sein." 


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