Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

So hilft man richtig

Weil er sich schützend vor vier Kinder gestellt hat, kam Dominik Brunner vor einem Jahr selbst ums Leben. Der Fall machte fassungslos. Doch wie kann man helfen, ohne sich selbst zu gefährden?

Schauen Sie nicht weg. Mischen Sie sich ein, wenn jemand Ihre Hilfe braucht. Kurzum: Zeigen Sie Zivilcourage. Dieser Appell ist gut und richtig. Aber wie kann man helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen? Die Cottbuser Polizei etwa, die gezielt dafür wirbt, hinzusehen und zu helfen, gibt ihren Bürgern dafür wichtige Tipps. Lesen Sie hier, was im Notfall genau zu tun ist.

Helfen Sie, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen

Generell gilt: Greifen Sie ein, wenn jemand Ihre Hilfe braucht. Dabei sollte man gelassen und selbstbewusst auftreten, rät etwa die Cottbuser Polizei. Man solte die Täter nicht provozieren und sich nicht provzieren lassen. Auch körperliche Auseinandersetzungen sind auf jeden Fall zu vermeiden.

So vermeiden Sie Provokationen

Provozieren und duzen Sie die Täter nicht. Auch Beleidigungen und Drohungen sollten Sie vermeiden, denn das kann dazu führen, dass die Situation eskaliert. Versuchen Sie vielmehr, das Verhalten des Angreifers zu kritisieren, ohne ihn persönlich anzugreifen. Die sprachliche Distanz und deutlich sachliche Worte machen auch andere Zeugen und Helfer auf die Situation aufmerksam. Überhaupt ist es wichtig, andere Personen zur Hilfe aufzuforden.

Ruhe bewahren, Gespräch suchen

Versuchen Sie, entspannt zu wirken. Schnelle, hektische Bewegungen könnten bei den Tätern unkontrollierte Reaktionen hervorrufen. Suchen Sie das Gespräch mit dem Angreifer und blicken Sie ihn dabei ruhig und bestimmt an. Sprechen Sie dabei mit deutlicher und fester Stimme und hören Sie dem Täter konzentriert zu. Denn wenn Sie Unterwürfigkeit signalisieren, ermutigen Sie den Angreifer bloß.

So können Sie andere mobilisieren, auch zu helfen

Schauen Sie bei Straftaten nicht einfach weg. Machen Sie den ersten Schritt. Fordern Sie dann aber auch von anderen Hilfe ein, und zwar ganz konkret: Sprechen Sie dafür die Umstehenden möglichst direkt an. Beispiel: "Sie, in der roten Jacke, rufen Sie die Polizei!" Und immer gilt: Je mehr Hilfe Sie haben, desto sicherer ist die Situation auch für Sie.

Als Zeuge auftreten: Beobachten, merken, melden

Stellen Sie sich als Zeuge zur Verfügung. Merken Sie sich dafür den Tathergang. Prägen Sie sich auffällige Merkmale des Täters ein. Und merken Sie sich gegebenenfalls, in welche Richtung er geflüchtet ist. Bleiben Sie am Tatort, bis die Polizei eintrifft oder hinterlassen Sie Ihre Telefonnummer.

Hilfe per Notruf

Wenn Sie den Notruf alarmieren: Erklären Sie genau, was wo passiert ist. Und legen Sie nicht vorschnell auf, sondern warten Sie die möglichen Rückfragen ab. Signalisieren Sie Opfer und Täter dann, dass professionelle Hilfe unterwegs ist.

Ziehen Sie die Notbremse

Bei Gewalt im Zug oder der U-Bahn: Beim Halt der Bahn im nächsten Bahnhof Notbremse ziehen und so die Weiterfahrt verhindern. Jetzt haben Sie die Möglichkeit, professionelle Hilfe zu organisieren und andere Helfer auf die Gefahrensituation aufmerksam zu machen.

Wieso passiert es immer wieder, dass Leute nicht eingreifen?

"Viele Leute brauchen einen Anstoß, den zündenden Gedanken, jemanden, der vorgeht", sagt Otmar Finkler von der Polizei in Köln. Aber dann würden viele auch mitgehen und selbst helfen, so die Erfahrung des Beamten.

Was passiert, wenn ich nicht helfe?

Unterlassene Hilfeleistung ist strafbar - und kann sogar mit einer Gefängnisstrafe geahndet werden. Paragraf 323c des Strafgesetzbuches stellt klar: "Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer Plichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft." Laut Gesetz zählen zu "plötzlichen Unglücksfällen" auch "gemeingefährliche Straftaten" wie Vergewaltigung oder gefährliche Körperverletzung. Ohne sich selbst in Gefahr zu bringen, kann in der Regel jeder zumindest über den Polizeiruf 110 oder die Notfallnummer 112 der Feuerwehr Hilfe organisieren. Ruft zum Beispiel ein Ertrinkender um Hilfe, muss ein Nichtschwimmer nicht ins Wasser springen, ist aber verpflichtet, sich um andere Hilfe zu bemühen. In jedem Fall muss er ein im flachen Wasser treibendes Kind retten.

Kann ich lernen, mich in Notfällen richtig zu verhalten?

Es gibt an vielen Stellen Seminare und Workshops zum Thema Zivilcourage: Fragen Sie bei der Polizei nach, bei Betriebsgenossenschaften und sogar in Volkshochschulen. Weitere Informationen und Hilfe finden Sie auch unter: www.ees-selbstverteidigung.de

Weitere Themen

Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools