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Interview Tom Jones
"Da hatte ich die Pistole im Gesicht"
© DPA
Gut gebrüllt, Tiger: Tom Jones in klassischer Pose
Von Ingo Scheel
Der Tiger kehrt zurück. Mit dem erstklassigen Soulalbum "24 Hours" schafft Tom Jones ein erneutes Comeback. Im stern.de-Interview spricht die Entertainment-Legende aus Wales über Bono, Amy Winehouse und bewaffnete Musik-Produzenten.
Mr. Jones, es heißt, die Beatles hätten beim Besuch im Palast der britischen Queen auf der Toilette einen Joint geraucht. Sie wurden ebenfalls jüngst zum Ritter geschlagen - haben auch Sie eine verruchte Story parat?
Nein, nicht wirklich. Ich muss zugeben, dass ich sehr nervös gewesen bin. Zum Ritter geschlagen zu werden ist eine ziemlich große Sache für mich. Und die Prozedur ist dieselbe wie vor hunderten von Jahren. Man kniet nieder, die Queen legt dieses riesige Schwert auf meine Schultern. Links, rechts, links. Ein großer Moment.
Und die Einladung kommt einfach so per Post?
Ja, tatsächlich. Zweimal im Jahr gibt es eine Honor's List mit verschiedenen Ehrungen. Du wirst eingeladen und sollst Feedback geben, ob du annimmst. Und natürlich habe ich angenommen!
Nachdem nun das letzte Album den autobiografischen Titel "Mr. Jones" trug, hat man den Eindruck, dass es erst jetzt auf "24 Hours" wirklich authentisch wird. Hatten Sie das Gefühl, den Leuten den wahren Tom Jones zeigen zu müssen?
Ich wollte auf jeden Fall etwas anderes machen, das stand für mich fest. Das letzte Album mit Wyclef Jean kam aus der HipHop-Ecke, da ging es mehr um Beats als um Storys. Als ich dann bei meinem neuen Label S-Curve unterschrieb, spielten sie mir neues Material vor, aber es war nichts wirklich Aufregendes dabei. Außer "The Hitter", ein Song von Bruce Springsteen, der jetzt auch auf dem Album gelandet ist. Aber alles andere? Ich mochte nichts davon. Der Gedanke war dann, dass ich meine Ideen zu Sounds und Themen für die Platte selbst entwickeln sollte.
Hier kommt U2-Sänger Bono ins Spiel - wie war das genau an jenem Abend in einem Club
in Dublin?
Bono und ich saßen zusammen, und er meinte, er würde gern einen Song für mich schreiben. Keinen U2-Song, sondern einen echten Tom-Jones-Song. Also erzählte ich ihm aus meinem Leben, und er schrieb einen Song ("Sugar Daddy", Anm. d. Red.). Das gefiel mir so gut, dass ich dachte: 'Hey, das könnte auch mit anderen Künstlern funktionieren.'
Hat Bono da nur einen Knopf gedrückt oder einen ganz neuen Aspekt aufgetan?
Mir ist das damals gar nicht so bewusst gewesen. Heute, im Rückblick auf diesen Abend, kann ich sagen, dass es die Initialzündung für das neue Album gewesen ist.
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem britischen Duo Future Cut, den Produzenten des neuen Albums?
Mir gefiel ihre Zusammenarbeit mit Lily Allen. Als sie mich dann in Los Angeles besuchten, sagten sie, sie wollen ein typisches Tom-Jones-Album machen. Das war genau das, was ich wollte. Die Bläser auf der ersten Single "If He Should Ever Leave You" zum Beispiel sind aus einem alten Song von mir. Als Future Cut mir von der Idee erzählten, das zu sampeln, wusste ich: Die Jungs sind auf dem richtigen Weg.
Haben Sie mit Bono auch im Studio an dem Track "Sugar Daddy" gearbeitet?
Ja, aber er war nicht vor Ort. Er ist halt viel unterwegs, wie wir alle wissen.
So kam es, dass wir übers Telefon an dem Song gearbeitet haben. Er hat mir ständig Nachrichten auf meiner Mailbox hinterlassen. Hey, ich mag diese Stelle, und ich mag
jenen Part. Bono ist ein großartiger Typ, ein echter Charakter.
Was ist das Besondere am Springsteen-Song "The Hitter"?
Ich mag die Geschichte dieses Boxers. Ich liebe einfach Songs, die eine Story erzählen. Und Springsteen macht es so direkt in seinem Text, dass du das Bild förmlich sehen kannst.
Gibt es für Sie den einen Song, von dem sie sagen: Das ist es - genau das wollte ich auf der neuen Platte erreichen?
Das ist schwer. Es sind so viele verschiedene Klangfarben vorhanden. Wenn es um die Balladen geht, dann mag ich "Seasons" wirklich sehr gern. Ich war gerade in Vegas und habe ein paar neue Songs ins Programm eingestreut. Als ich "Seasons" gesungen habe, war es fast andächtig still im Publikum. Du hättest eine Stecknadel fallen hören können.
Artikel vom 02. Dezember 2008
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