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Superwahljahr 2009 - Berichte & Umfragen

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10. Juli 2009, 21:32 Uhr

Merkels Ex soll Steinmeier retten

Doch dass er 2005 so geschmeidig ins andere Lager gewechselt war, war ihm - wenngleich es nicht sein eigener Wunsch gewesen war - von vielen übel genommen worden. Nicht selten fiel in den Reihen der Sozialdemokraten das Wort "Verräter", wenn von ihm die Rede war. Er verkaufe die Kanzlerin besser, als er es müsste, warfen ihm viele vor.

Und in der Tat gelang es Steg, in kurzer Zeit ein ebenso vertrauensvolles Verhältnis zu Angela Merkel aufzubauen, wie er es zuvor zu Schröder hatte. Nur drei Tage nach Amtsantritt nämlich klingelte nachts sein Telefon. Das Lagezentrum wusste nicht, bei wem von den Neuen man sich sonst hätte melden sollen: Im Irak sei eine Deutsche entführt worden. Steg rief sofort Merkels Büroleiterin an, und riet ihr, die Kanzlerin zu informieren. Dass sie deshalb nicht am Morgen von Pressemeldungen über Susanne Osthoffs Geiselnahme kalt erwischt wurde, hat sie ihm gedankt. Von dem Moment an wusste sie wohl: Dem kann ich trauen.

Bereits Ostern 2006 hatte Steg dann erneut Gelegenheit, ihr feinfühlig Unangenehmes zu unterbreiten. Paparazzi hatten die Politikerin im Badeurlaub auf Ischia abgeschossen und dabei am Rande der "Aphroditen-Therme" jenen Moment erwischt, in dem der nasse Badeanzug zwar bereits unten, der trockene aber noch nicht oben ist.

Britische Boulevardzeitungen hatten die Bilder gedruckt. Steg, der in Berlin Stallwache hatte, musste sie nun so elegant darauf hinweisen, wie man das am Telefon eben kann. Als er erklärt hatte, was genau auf den Bilder zu sehen ist - und was nicht, sagte sie: "Und mein Mann sagt gleich: Warum gehste eigentlich nicht in die Umkleidekabine - wie jeder andere vernünftige Mensch?"

Das Dekolleté der Kanzlerin

Steg sprach, wo es was zu sagen gab und schwieg, wenn er nicht gefragt wurde. Vor allem schwieg er über Vertrauliches. Manche in Merkels Umfeld fürchten, er könne Steinmeier nun mit Details und eben jenem Vertraulichem versorgen und für den Wahlkampf fit machen. Er kenne schließlich alles, wisse um Stärken, Schwächen und Strategien im CDU-Lager. Er verstünde es sicher, verantwortungsvoll damit umzugehen, soll Merkel ihren Leuten gesagt haben, davon sei sie überzeugt.

Im vergangenen Jahr reiste sie mit Thomas Steg auf Einladung des norwegischen Königshauses nach Oslo, um dort das neue Opernhaus einzuweihen. Schon als sie aus dem Auto stieg, dachte ihr Sprecher: "Das gibt Diskussionen! Das gibt Erklärungsbedarf!" Die Kanzlerin verblüffte mit einem überaus appetitlichen Dekolleté. Einem, das in Regierungskreisen selten ist. Die Reaktion war enorm. "Schockierend", fanden manche Zeitungen. "Die Bundeskanzlerin ist ein bisschen erstaunt gewesen", kommentierte anderntags ihr Deuter die europaweite Dekolleté-Debatte. "Dass dieses Abendkleid, eine Neukomposition, ein Neuarrangement aus dem Bestand der Bundeskanzlerin, für eine solche Furore gesorgt hat, lag nicht in der Absicht der Bundeskanzlerin", so Steg.

Er konnte das sagen, ohne zu lachen, ohne auch nur ein einziges Mal zu lächeln. Er sprach, als habe er eine Spiegelstrich-Formulierung aus dem Lissabon-Vertrag zu erklären. Nur eine eigene Bewertung der Angelegenheit konnte er sich nicht verkneifen: Er hoffe, dass das norwegische Königshaus ein Nachsehen habe, weil die Abendgarderobe der königlichen Familie nicht so im Mittelpunkt gestanden habe. Merkel dagegen habe "sehr viel Anerkennung" für ihre Kleidung erfahren.

Thomas Steg, der als Dozent der Freien Universität Berlin Vorlesungen über den "Kampf um Aufmerksamkeit" hält, will nun erst einmal mit seinen Buddys aus Showgeschäft und Fernsehen über Mecklenburgs Seen schippern. Am Mittwoch dann gbit er ein letztes Gastspiel in der Bundespressekonferen - es wäre die 360., bei einer krummen Zahl wollte er es nicht belassen. Dann wird er den Kampf um die Aufmerksamkeit für Frank-Walter Steinmeier aufnehmen. Und Wahlkampf hin oder her: Wie üblich wird er vor dem Schlafengehen noch einmal bei Angela anrufen.

Denn daran ist Frau Steg nun mal seit vielen Jahren gewöhnt.

Von Ulrike Posche
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