4. August 2009, 12:22 Uhr

Der Schreiber-Faktor

Karlheinz Schreiber, Schlüsselfigur des CDU-Parteispenden-Skandals, wartet in Augsburg auf seinen Prozess. Wird er neue Enthüllungen liefern? Mischt er gar den Wahlkampf zugunsten der SPD auf? stern-Reporter Oliver Schröm hat vier Antworten auf vier Fragen.

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Was hat er noch im Köcher? Karlheinz Schreiber nach seinem Haftprüfungstermin. Er bleibt in Untersuchungshaft©

? Karlheinz Schreiber ist nach Deutschland ausgeliefert worden. Er droht der Union mit einem "Riesenzirkus". Was hat er denn noch im Säckel, das Angela Merkel und Wolfgang Schäuble gefährlich werden könnte?

Nichts, aber auch gar nichts. Und die Kanzlerin muss Schreiber am allerwenigsten fürchten. Zur Erinnerung: Es war Angela Merkel, die auf dem Höhepunkt der Parteispendenaffäre in einem Beitrag für die "FAZ" mit den Altvorderen der CDU abrechnete und dabei so Schwergewichte wie Altkanzler Helmut Kohl auf die Bretter schickte. Helmut Kohl gab dann seinen Ehrenvorsitz ab und Wolfgang Schäuble, der von Schreiber eine 100.000-Mark-Spende erhalten hatte, war das Amt des Partei- und Fraktionsvorsitzenden los.

?? Also ist die CDU-Parteispendenaffäre mausetot, weil schon alles gesagt und verhandelt wurde?

Leider ist noch nicht alles gesagt. Insbesondere Helmut Kohl schweigt sich noch immer über die Millionen-Spender aus, denen er angeblich seine Ehrenwort gegeben hat, nie und nimmer ihre Namen zu verraten. Und die Hintergründe der Leuna-Affäre liegen noch immer im Dunkeln. Aber zu diesen Themen kann Schreiber vermutlich nichts Erhellendes beitragen.

??? Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) hat noch vergangene Woche darauf gedrängt, Schreiber auszuliefern. Lässt sich der Mann denn irgendwie als SPD-Wahlhelfer verkuddelmuddeln?

Falls die SPD hoffte, mit Schreiber im Wahlkampf punkten zu können, würde dies nur zeigen, wie verzweifelt man in der SPD-Parteizentrale sein muss. Schreiber hat nichts zu bieten, womit die SPD die Unionsparteien in Bredouille bringen könnte. 2002 hatte Schreiber vollmundig angekündigt, Edmund Stoiber die Kanzlerkandidatur verhageln zu wollen. Gewichtige Zeugen, so Schreiber damals, würde er aufbieten. Die Folge: Heerscharen von Journalisten pilgerten nach Kanada, um dort erfahren zu müssen, dass die einzige Zeugin, die für Schreiber gegen Stoiber aussagt, die Ehefrau des Waffenlobbyisten ist: Bärbel Schreiber.

???? Schreiber muss nun vor Gericht. Werfen wir einen Blick in die Glaskugel: Wie geht der Prozess vermutlich aus?

Schreiber ist schon ein Schlawiner und Wichtigtuer, der die große Bühne liebt. Aber mit seinen 75 Jahren ist er mittlerweile auch ein alter Mann, der wohl keine große Lust hat, den Rest seiner Tage wegen Steuerhinterziehung und Betrugs hinter Schwedischen Gardinen verbringen zu müssen. Also werden seine Anwälte einen Deal mit der Justiz anstreben. Und solche Deals finden bekanntlich hinter verschlossenen Türen von Amtszimmern statt - und nicht auf der großen Bühne. Das Sommerloch und der Wahlkampf müssen also mit anderen Themen bestritten werden.

Oliver Schröm ist Reporter im Berliner Hauptstadtbüro des stern. Über den CDU-Parteispenden-Skandal hat er zusammen mit John Goetz und Conny Neumann das Buch "Allein gegen Kohl, Kiep & Co. Die Geschichte einer unerwünschten Ermittlung" (Ch. Links Verlag) geschrieben.

 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
Tucek (06.08.2009, 17:45 Uhr)
Wenn Sie ein Buch darüber schrieben
ist fraglich, wieso Sie die Leser nicht darüber aufklären, dass Schreiber in Punkto Maßmann und Hastert behauptet, der SPD gespendet zu haben. Und wer jetzt seine Anwälte sind, wäre doch auch interessant gewesen zu wissen. Oder wollen die ungenannt bleiben???
Putinki (04.08.2009, 16:54 Uhr)
Show-Prozeß
Der Staatsanwalt wetzt seine Messer. Schreiber wird den Prozeß genießen und alle seine "Fans" in die Verzweiflung treiben. Er hat längst Schweigegeld bekommen und wird sich nach dem Prozeß irgendwo als Rentner einen schönen Lebensabend gönnen. In Deutschland wird es ganz sicher nicht sein. Dort muß er auf seine Rente Steuern zahlen, wegen der "mehr Gerechtigkeit" Sache.
bR4iNST0RM (04.08.2009, 16:18 Uhr)
Hmmm...
Dieses ganze Tauziehen, wer nun mit wem, wo und wie viel, ob nun CDU/SCU, SPD etc. pp.!
Das ist alles nicht so wichtig! Viel Wichtiger ist es, sachlich, unparteiisch und völlig frei von Vorurteilen oder Verschwörungen diese, wie es scheint, sehr verzwickte Angelegenheit auf zu arbeiten. Allem vorausgesetzt: der Status Quo bleib! Und der sitzt zur Zeit einfach nur rum und wartet, was kommt.
Bei dem Artikel ist mir aufgefallen, dass dieser tendenziös ist. Hier wird mit Nachdruck daran festgehalten, dass der Schreiber nichts an Informationen in petto habe, welche dem Politzirkus „gefährlich“ werden könne und großspurig geschrieben „Zur Erinnerung: Es war Angela Merkel, die auf dem Höhepunkt der Parteispendenaffäre in einem Beitrag für die "FAZ" mit den Altvorderen der CDU abrechnete und dabei so Schwergewichte wie Altkanzler Helmut Kohl auf die Bretter schickte.“ Das hat sie, die Merkel, ganz bestimmt total uneigennützig und aus Loyalität gegenüber der Partei und somit dem Volk getan… na klar!
Gegenfrage und vielleicht die Fünfte im Bund der vier Fragezeichen: warum wird dann erst nach den Wahlen aufgearbeitet, wenn kein Politiker etwas zu befürchten hat?!
Was mehr als klar sein dürfte: der Status Quo, der Schreiber, ist nur auf seinen Vorteil bedacht. Das beweist seine „Karriere“ und das momentane Aussitzen der Situation…es sei denn, ich täusche mich, und er möchte tatsächlich mit sich selbst, und damit zwangsläufig auch mit den Schuldigen reinen Tisch machen! (das währe dann auch Egoistisch aber wenigstens Nützlich!)
laeppe (04.08.2009, 16:04 Uhr)
Naiv
zu glauben wir werden korrekt informiert. Siehe verschwundene Festplatte von Max Strauss und der wusste im voraus welchen Schritt die
Staatsanwaltschaft vorhat. Übrigens kam ein "unbeugsamer" Staatsanwalt ums Leben.
testsieger2006 (04.08.2009, 15:10 Uhr)
schade!
Ich hatte gehofft, die verzweifelten Wahlkampfstrategen der SPD würden jetzt versuchen das Thema auszuschlachten und dabei die SPD noch mehr demontieren. Scheint doch noch einer mit IQ über 100 in der Partei was zu sagen zu haben.
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Wäre ich jetzt einer der Verschwörungstheoretiker(allesamt links) hier im Forum, käme ich natürlich sofort auf den Gedanken, die SPD stecke selbst noch viel tiefer drin als die CDU.(siehe Kommentare zum Dienstwagenklau der Ulla,der angeblich von der CDU in Auftrag gegeben wurde).
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Naja, was nicht ist kann ja noch werden: ich setze meine Hoffnung auf Taktiktalente wie Nahles etc.
pitiplatsch (04.08.2009, 15:10 Uhr)
Was soll den der Quark
mit der SPD ich will wissen wer bestochen wurde mit wieviel DM. Sonst garnichts die SPD verliert ihre Wahl so oder so, das hat nichts mit denjenigen zu tun die ihre Taschen meterweit aufgehalten haben. Diese sogenannten Politiker CDU CSU oder sonst ne Partei ist mir völlig Wurst. Diese schmierigen Typen gehören entlarvt auf Schadensersat verklagt und dann in den Knast vorneweg der Altkanzler Kohl und fertig.
flixx (04.08.2009, 14:45 Uhr)
Mal gucken
So nen Quatsch das Angie nichts zu befürchten hat schließlich hat Sie den Schäubilanti als Innenminister in Ihrer Regierung. Aber jeder kann ja mal lügen, aber nur solange er in der richtigen Partei ist und sogar Minister kann man dann noch werden und niemand störts vor allem nicht Kohls Mädchen, sie hatte ja beim ehemaligen Freund Schäuble was gutzumachen......
Tempelhofer (04.08.2009, 14:40 Uhr)
@ Stern-Redaktion
Ich kann mich dieser Analyse nur anschließen. Wenn die SPD zu direkt versucht, dieses Thema auszuschlachten, werden sich die Wähler noch mehr von ihr abwenden. Dieser Wahlkampf wird durch Argumente entschieden, und durch persönliche Integrität, aber nicht durch die Enthüllungen eines Herrn Schreibers. Angela Merkel wird durch das Aufwärmen der alten Geschichten nur gestärkt werden.
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