Weitere Negativnachricht für die Genossen: Im Münchner Norden - einem der vier Wahlkreise in der bayerischen Landeshauptstadt - verlor die SPD ihr einziges Direktmandat in Bayern, das Axel Berg bei der Bundestagswahl vor vier Jahren errungen hatte. Der CSU-Kandidat Johannes Singhammer brachte es auf 36,5 Prozent der Erststimmen, Berg musste sich mit 35,5 Prozent knapp geschlagen geben.
Auch für Peer Steinbrück verlief der Wahlabend enttäuschend: Sein Amt als Bundesfinanzminister wird er abgeben müssen, und auch beim Kampf um ein Direktmandat war dem SPD-Politiker kein Glück beschieden. Im Wahlkreis Mettmann-Süd unterlag Steinbrück klar gegen die CDU-Bundestagsabgeordnete Michaela Noll. Auf der NRW-Landesliste ist er aber mit Platz drei abgesichert und wird wohl in den Bundestag einziehen.
Die Piratenpartei hat bei der Bundestagswahl in Berlin mit 3,35 Prozent der Stimmen einen Achtungserfolg erzielt. Die auf Internetthemen spezialisierte Gruppierung war besonders im Osten der Stadt stark. Dort erreichten die Piraten in ihrem ersten Anlauf bei einer Bundestagswahl 4,1 Prozent der Stimmen, im Westen waren es 2,9 Prozent. Bei der Europawahl im Juni hatten die Piraten in Berlin 1,4 Prozent erreicht. Bundesweit waren es am Sonntag etwa 2 Prozent
Nach einer neuen ARD-Hochrechnung zeichnet sich eine noch deutlichere Mehrheit für eine schwarz-gelbe Regierungsmehrheit im Bundestag ab. Insgesamt werde es im kommenden Parlament wahrscheinlich 24 Überhangmandate geben, hieß es bei der ARD. Diese kämen ausschließlich der Union zugute. Die Union würde demzufolge mit 238 Sitzen im Bundestag vertreten sein. Die SPD erreicht der Hochrechnung zufolge 148 Sitze, die FDP 93, die Linke 76 und die Grünen 67 Sitze. Die Mehrheit im Bundestag läge bei 312 Sitzen. Union und FDP kämen bislang auf 331 Sitze und damit auf eine deutliche Mehrheit. Überhangmandate entstehen, wenn eine Partei in einem Bundesland über die Erststimme mehr Sitze gewinnt als ihr nach dem Zweitstimmen-Ergebnis zustehen.
Ausgerechnet: Die bisherige SPD- Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hat ihr Direktmandat in Aachen gegen Klinikärzte-Präsident Rudolf Henke (CDU) verloren. Schmidt unterlag am Sonntag nach Angaben der Stadt mit knapp 30 Prozent der Stimmen klar gegen den Vorsitzenden des Marburger Bundes, der auf 39,5 Prozent kam. Abgesichert auf Platz vier der NRW- Landesliste, muss Schmidt aber wohl nicht um den Einzug in den Bundestag fürchten. Für den NRW-Landtagsabgeordneten Henke war der Kampf um das Direktmandat in Aachen die einzige Chance auf ein Bundestagsmandat. Schmidt verlor im Vergleich zur Bundestagswahl 2005 mehr als zehn Prozentpunkte.
Der Parteivorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, wird nicht im neuen Bundestag vertreten sein. Özdemir gewann den Wahlkreis Stuttgart I nicht. Er ist auch nicht auf einer Landesliste abgesichert. Der CDU-Bewerber Stefan Kaufmann verteidigte den Wahlkreis mit 34,4 Prozent der Erststimmen. Özdemir erhielt nur 29,9 Prozent.
Hiobsbotschaft für die Grünen in Brandenburg: Sie müssen nach dem Zwischenergebnis mit 4,6 Prozent um die nach ersten Hochrechnungen sicher geglaubte Rückkehr ins Parlament bangen.
Einen Sieger gibt es in der arg gebeutelten CSU: Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist erneut direkt in den Bundestag gewählt worden. Und wie: Der Franke holte in Kulmbach 68,1 Prozent der Erststimmen - gut 8 Punkte mehr als bei letzten Bundestagswahl 2005. SPD-Herausforderer Claus Heinrich Stenglein erzielte 14,7 Prozent. In dem oberfränkischen Wahlkreis verlor die CSU mit minus 2,3 Punkten zudem deutlich weniger Zweitstimmen als im bayernweiten Durchschnitt.
Nach Einschätzung von IG-Metall-Chef Berthold Huber ist das Wahlergebnis der SPD auf eine zu große Distanz der Partei zu den Bürgern zurückzuführen. Zudem sei die «schlechte Wahlbeteiligung als Zeichen des Protests» zu werten, sagte Huber im ZDF. Die Sozialdemokraten müssten wieder "näher ran an die Leute". Mit Blick auf eine künftige Bundesregierung unter Führung von Angela Merkel sagte er: Sie habe "einen fairen Kurs" gegenüber den Arbeitnehmern und den Gewerkschaften eingeschlagen: "Ich hoffe, das bleibt so." Die traditionell SPD-nahen Gewerkschaften hatten in diesem Jahr eine Wahlempfehlung an ihre Mitglieder verweigert.
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat ein Direktmandat bei der Bundestagswahl verpasst. Sie musste sich am Sonntag in ihrem Wahlkreis Hannover II der früheren Bundesministerin Edelgard Bulmahn (SPD) geschlagen geben. Bulmahn lag nach der Auszählung von 469 von 478 Bezirken mit 39,7 Prozent der Stimmen klar vorne. Von der Leyen kam auf 31,9 Prozent der Stimmen. Sie zieht aber als Nummer eins der CDU-Landesliste in den Bundestag ein. Von der Leyen hatte sich zum ersten Mal um ein Direktmandat beworben.
Nach dem desaströsen Abschneiden bei der Bundestagswahl ist in der SPD-Führung ein Machtkampf über den künftigen Parteivorsitzenden ausgebrochen. Wie die Deutsche Presse- Agentur aus Parteikreisen erfuhr, drängten führende Sozialdemokraten aus allen Flügeln bei internen Beratungen am Sonntag auf eine Neubesetzung. Parteichef Franz Müntefering bekräftigte dagegen seine Bereitschaft, weiter im Amt zu bleiben. Vertreter des SPD-"Netzwerks" von jüngeren Abgeordneten forderten, dass Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier neben dem Fraktionsvorsitz auch die SPD-Führung übernimmt. Dem Vernehmen nach warb der bisherige Umweltminister Sigmar Gabriel bei den Beratungen im hermetisch abgeriegelten Flügel der SPD-Zentrale für eine "Paketlösung" für die gesamte neue Führung. Die Parteilinke erklärte, derzeit sei ein von allen getragener mehrheitsfähiger neuer Kandidat für den SPD-Vorsitz nicht in Sicht.
Auseinandersetzungen erwartet: Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin kündigt in der "Elefantenrunde" Widerstand gegen die Steuersenkungspläne von CSU und FDP an.
Erster Zoff in der "Elefantenrunde": CSU-Mann Peter Ramsauer spricht von "Leihstimmen" für die FDP, die seine Partei in Bayern so geschwächt hätten. FDP-Chef Guido Westerwelle gibt contra: Stimmen verliehen nur die Bürger und keine Partei.
Die Linke hat ihre drei Direktmandate in Berlin verteidigt. Der Fraktionschef im Bundestag, Gregor Gysi (Treptow- Köpenick) sowie Petra Pau (Marzahn-Hellersdorf) und Gesine Lötzsch (Lichtenberg) erhielten in ihren Wahlkreisen im Osten der Hauptstadt erneut die Mehrheit, sagte Berlins stellvertretende Landeswahlleiterin, Ulrike Rockmann, am Sonntag der dpa. Genaue Ergebnisse nannte sie noch nicht. Die Linke war in Berlin nach einer ersten Hochrechnung mit einem Zweitstimmenresultat von 21,6 Prozent zweitstärkste Kraft nach der CDU geworden. Bundesweit erzielte sie nach einer ARD-Hochrechnung 12,5 Prozent.
Auch der Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele kann erneut mit einem Direktmandat in Berlin rechnen. Nach Auszählung von 52 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg liege er mit 47 Prozent vorn, sagte Rockmann. Damit sei es «so gut wie sicher», dass der 70-Jährige das Direktmandat zum dritten Mal in Folge gewinne.
Auftakt zur so genannten Elefantenrunde, dem Gipfeltreffen der Parteichefs: SPD-Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier gratuliert dem Siegerduo Merkel/Westerwelle. Er glaubt weiter an das Prinzip Volkspartei. Dazu soll die SPD gehören. Merkel zeigte sich "zufrieden" mit dem Wahlergebnis, trotz der Verluste der Union. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer zeigte sich dagegen enttäuscht.
Wenn das Ergebnis der Bundestagswahl im Heimatort von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier bundesweit gelten würde, wäre die Welt für die Sozialdemokraten in Ordnung. Von den 778 Wahlberechtigten gaben in Brakelsiek am Sonntag 511 ihre Stimme ab. 64,2 Prozent stimmten für die SPD, nur 16,3 Prozent für die CDU. Weit abgeschlagen blieben die kleineren Parteien. "Das ist in Ordnung", sagte Steinmeiers Mutter Ursula.
Der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck kann trotz leichter SPD-Verluste weiterregieren. Die Sozialdemokraten erreichten am Sonntag laut ersten Hochrechnungen 30,8 bis 31,2 Prozent, nach 31,9 Prozent vor fünf Jahren. Die SPD fiel damit auf ihren tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung, blieb aber stärkste Kraft. Die zweitplazierten Linken erreichten 27,9 bis 29,2 Prozent (2004: 28,0 Prozent). Platzecks bisheriger Koalitionspartner - die CDU - verbesserte sich auf 20,6 bis 21,3 Prozent (2004: 19,4 Prozent). Auf seinen künftigen Koalitionspartner legte sich Platzeck am Wahlabend noch nicht fest. Er wolle diejenigen Parteien zu Sondierungsgesprächen einladen, mit denen eine stabile Mehrheit möglich sei.
Die Beteiligung bei der Bundestagswahl 2009 ist so niedrig wie niemals zuvor. Nach einer Hochrechnung der ARD gingen am Sonntag nur 72,5 Prozent der Wahlberechtigten zur Wahl. Bereits 2005 war mit 77,7 Prozent der bis dahin niedrigste Stand seit der ersten Bundestagswahl 1949 erreicht worden. 2002 betrug die Wahlbeteiligung 79,1 Prozent. Schon der vom Bundeswahlleiter am Nachmittag verkündete Zwischenstand deutete einen sehr niedrigen Wert an. Bis 14 Uhr waren nur 36,1 Prozent der rund 62,2 Millionen Wahlberechtigten zur Urne gegangen. 2005 waren es um diese Zeit immerhin 41,9 Prozent gewesen
Harte Töne gab es von den Genossen schon zuhauf, doch so hart wie die nordrhein-westfälische Parteivorsitzenden Hannelore Kraft formulierte es kaum jemand. Die SPD sei "am Tiefpunkt angelangt". In einer Telefonkonferenz mit Journalisten sprach Kraft am Sonntagabend von einer "katastrophalen Niederlage". Der Preis für die Große Koalition in Berlin sei fast ausschließlich von der SPD bezahlt worden.
Unterschied zum Bund: Die CDU in Schleswig-Holstein bleibt laut der ersten ARD-Hochrechnung stärkste Kraft, könnte aber nur über Überhangmandate mit der FDP regieren. Beide Parteien erreichten laut der ersten ARD-Hochrechnung zusammen 46,6 Prozent. Die CDU von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen kommt auf 31,0 Prozent, verliert damit 9,2 Prozentpunkte im Vergleich zu 2005. Die FDP klettert um 9 Punkte auf 15,6 Prozent. Die SPD verliert dramatisch und kommt nur noch auf 25,5 Prozent nach 38,7 im Jahr 2005. Die Grünen steigen auf 11,9 Prozent, die Linke erreicht 6,6 und der SSW 4,0 Prozent.
Die schwarz-gelben Spitzen haben schnell Kontakt aufgenommen. Sie habe bereits mit FDP-Chef Guido Westerwelle telefoniert, sagt Kanzlerin Angela Merkel dem ZDF. "Wir haben noch keine ganz konkreten Pläne gemacht. Sie können aber davon ausgehen, dass wir morgen schon über den Zeitplan sprechen. Denn das Land muss ja weiter regiert werden."
Westerwelle lässt sich für das beste FDP-Ergebnis überhaupt feiern: Der Wahlgewinner und FDP-Chef tritt vor die Parteifreunde. "Guido" hallt es druch das Thomas-Dehler-Haus und "So sehn Sieger aus". Westerwelle spricht von einem "herausragenden" Ergebnis und will für ein "faires Steuersystem und besser Bildungschancen kämpfen".
Bundeskanzlerin Angela Merkel tritt vor die Öffentlichkeit. Sie feiert die absehbare schwarz-gelbe Mehrheit. "Wir haben was Tolles geschafft. Wir haben geschafft, unser Wahlziel zu erreichen", sagt die CDU-Vorsitzende. Sie will die "Bundeskanzlerin aller Deutschen" sein, heute Abend aber erst einmal "ausgelassen feiern".
Allzu große Töne dürfte sich die CSU beim anstehenden Koaltions- und Ministerpostenpoker nicht erlauben dürfen: Sie ist in Bayern weit unter der Marke von 50 Prozent geblieben. Nach der ersten Hochrechnung des Bayerischen Rundfunks schafften die Christsozialen 41,0 Prozent. Die SPD schnitt ebenfalls schwach ab und landete bei 16,7 Prozent. Deutliche Gewinne verbuchten FDP mit 15,8 und Grüne mit 11,1 Prozent. Die Linke schaffte mit 6,7 Prozent den Sprung über fünf Prozent. CSU-Chef Horst Seehofer räumte ein, dass das Wahlergebnis enttäuschend ist.
SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier will nach der schweren Niederlage der Sozialdemokraten Oppositionsführer werden. Dies kündigte der Außenminister am Sonntagabend in Berlin an. "Ich habe diese Verantwortung als Spitzenkandidat gern getragen, und deshalb sage ich gerade an diesem bitteren Abend: Ich werde aus der Verantwortung nicht fliehen."
Zuvor hatte Steinmeier seine Niederlage eingestanden: Er sprach wie andere Genossen vor ihm von einem "bitteren Tag für die deutsche Sozialdemokratie" und einer "bitteren Niederlage". Die SPD fuhr mit ihm ihr schlechtestes Ergebnis seit Gründung der Bundesrepublik 1949 ein. Schwarz-Gelb habe eine Mehrheit räumte Steinmeier unter Pfiffen der Genossen ein. Er sieht Analysebedarf: "Das Ergebnis ist auch sicher so, dass wir darüber nicht ohne weiteres zur Tagesordnung übergehen können."
Kaum sind die Ergebnisse draußen, folgen die Reaktionen. Bei der SPD sitzt der Schmerz tief. Björn Böhning, Sprecher des linken Parteiflügels, sprach in der ARD von einem "ganz schlimmen Tag für die Sozialdemokratie". Die SPD müsse eine Grundsatzdiskussion führen. "Ein ’Weiter so’ kann es nicht geben." Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit forderte einen Verjüngungsprozess. Der scheidende Fraktionschef Peter Struck sprach von einer "schweren Stunde".
Union und FDP haben nach den ersten Hochrechnungen von ARD und ZDF eine Mehrheit der Sitze im neuen Bundestag. CDU und CSU erreichten nach Berechnungen von Infratest-Dimap (ARD) 33,4 Prozent (minus 1,8), laut Forschungsgruppe Wahlen (ZDF) 33,5 Prozent (minus 1,7). Für die FDP errechnete die ARD 14,8 Prozent (plus 5,0), das ZDF sah die Liberalen bei 14,6 (plus 4,8). Für die SPD wurden zwischen 22,7 und 23,3 Prozent errechnet, das schlechteste Ergebnis der Nachkriegszeit für die Sozialdemokraten. Die Grünen landen laut Hochrechnungen zwischen 10,2 und 10,6 Prozent, die Linke zwischen 12,5 und 12,9 Prozent.
Die erste Hochrechnung auf RTL hat die Prognosen bestätigt: Schwarz-Gelb kommt danach auf 305 Bundestagssitze - 300 reichen CDU und FDP zur Mehrheit. Die Ergebnisse im Einzelnen: CDU/CSU 33,6 Prozent, SDP 23,4 Prozent, FDP 14,4 Prozent, Linke 12,3 Prozent und Grüne 10,4 Prozent. Ähnlich sehen die Ergebnisse bei ARD und ZDF aus. In der ARD-Hochrechnung kommt die SPD allerdings sogar nur auf 22,7 Prozent.
Zahlen zur Landtagswahl in Brandenburg: Die SPD kommt nach den Prognosen von ARD und ZDF in ihrer seit der Wiedervereinigung 1990 ununterbrochen regierten ostdeutschen Hochburg auf 30 bis 31,5 Prozent (2004: 31,9). Die Linke erreicht nach den vor Schließung der Wahllokale erhobenen Prognosen 27,5 bis 30 Prozent (28,0), die CDU klettert auf 20,5 bis 21,5 Prozent. Mit übereinstimmend 8 Prozent (3,3) schafft die FDP nach 15 Jahren und drei vergeblichen Anläufen die Rückkehr in den Potsdamer Landtag. Auch die ebenso lange nicht mehr im Parlament vertretenen Grünen würden mit jeweils 5,5 Prozent (3,6) ins Parlament einziehen. Die rechtsextreme DVU wurde nach zwei Wahlperioden im Landtag mit 1 Prozent (ARD) abgewählt.
Die CDU ist laut Prognosen von ARD und ZDF trotz massiver Verluste stärkste Kraft in Schleswig-Holstein geblieben. Bei der vorgezogenen Landtagswahl kam die Partei von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen am Sonntag auf 31,0 bis 31,5 Prozent, nach 40,2 Prozent im Jahr 2005. Die SPD verliert dramatisch und kommt nur noch auf 25,5 bis 26,5 Prozent nach 38,7 Prozent 2005. Die FDP legt nach beiden Sendern auf 15,5 Prozent (2005: 6,6), die Grünen gewinnen ebenfalls hinzu und kommen laut ARD und ZDF übereinstimmend auf 12,0 Prozent (6,2). Die Linke schafft laut Prognose mit 6,5 Prozent erstmals den Einzug in den Landtag. Der von der Fünf-Prozent-Klausel befreite Südschleswigsche Wählerverband (SSW) erreicht 4,0 beziehungsweise 3 Prozent.
Die Prognosen sind draußen - und sie ergeben eine knappe Führung für Schwarz-Gelb: Die Union nach den Prognosen von ARD und ZDF wie auch von RTL mit 33,5 Prozent stärkste Kraft. Die FDP konnte sich noch stärker als erwartet auf etwa 14,5 bis 15 Prozent verbessern. Danach könnte es knapp für ein schwarz-gelbes Bündnis reichen. Die SPD erzielte mit 22,5 bis 23,5 Prozent voraussichtlich das schlechteste Ergebnis seit Gründung der Bundesrepublik. Die Linke kann mit einem zweistelligen Ergebnis um die 12,5 bis 13,0 Prozent rechnen. Die Grünen werden ebenfalls zweistellig, verfehlen aber voraussichtlich mit 10 bis 10,5 Prozent ihr Ziel, drittstärkste Kraft zu werden. Die Prognosen der Umfrageinstitute lagen in den vergangenen Jahren nahe an den ersten Hochrechnungen.
In Baden-Württemberg gaben bis zum späten Nachmittag teils erheblich weniger Wähler ihre Stimmen ab als bei der bisher schlechtesten Beteiligung vor vier Jahren. In den größeren Kommunen ging die Zahl der direkt abgegebenen und per Post eingesandten Stimmen teilweise um mehrere Prozentpunkte zurück, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa ergab. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen hatten zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale erst 62,6 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Vier Jahre zuvor waren es zu dem Zeitpunkt bereits 71 Prozent gewesen.
Drei Wahlbriefe aus Wiesbaden und Köln für die Bundestagswahl sind am Wahltag Hunderte Kilometer entfernt in Thüringen aufgetaucht. Wahlvorstände fanden die roten Briefumschläge im Briefkasten der Gemeinde Geisa im Wartburgkreis. "Wie die da reingekommen sind, ist schon verwunderlich", sagte die zuständige Kreiswahlleiterin, Regina Spieß. Damit die Stimmen bei der Auszählung berücksichtigt werden konnten, brachte am Sonntag ein Fahrer die Briefe mit einem Auto des Landratsamtes nach Köln und Wiesbaden. Falsche Stimmzettel gab es in Frankfurt/Main: Dort wurden sechs Wahlbezirke mit Hunderten Stimmzetteln beliefert, die eigentlich für Hanau bestimmt waren. Ähnliches geschah in Berlin.
Auf der Internetplattform Twitter kursieren kurz vor Schließung der Wahllokale detaillierte Prognosen über das Abstimmungsergebnis der Bundestagswahl. Einzelne Twitter-Nutzer behaupten, sich auf renommierte Umfrageinstitute zu beziehen und aus Wählerbefragungen zu zitieren. Die angeblichen Ergebnisse werden teilweise bis auf die zweite Stelle hinter dem Komma genannt. Die bei Twitter verbreiteten Zahlen weichen allerdings sehr stark voneinander ab. Es ist in Deutschland verboten, die Ergebnisse von Wählerbefragungen am Wahltag vor Schließung der Wahllokale um 18 Uhr zu veröffentlichen.
Eine Panne in mehreren Wahllokalen in Berlin bleibt nach Einschätzung des Landeswahlleiters voraussichtlich ohne Folgen. "Es sind heute früh in drei oder vier Wahllokalen falsche Stimmzettel ausgegeben worden. Allerdings sind davon wohl weniger als zehn Stimmzettel betroffen und dabei nur die Erststimmen für den Wahlkreis", sagte Geert Baasen, Geschäftsstellenleiter des Berliner Landeswahlleiters. Die Zweitstimmen seien gültig.
Auch in Frankfurt am Main kam es zu einer Panne. In sechs Wahlbezirken seien Stimmzettel in den Unterlagen gewesen, "die nicht nach Frankfurt gehörten", erklärte das städtische Wahlamt am Sonntag.
Bis zum frühen Nachmittag verlief die Wahl nur schleppend. Bis 14 Uhr hatten 36,1 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, wie Bundeswahlleiter Roderich Egeler mitteilte. 2005 lag die Wahlbeteiligung zu dieser Zeit bei 41,9 Prozent. Bei den Landtagswahlen in Brandenburg und Schleswig-Holstein zeichnete sich dagegen eine höhere Wahlbeteiligung als beim letzten Urnengang ab.
Umweltschützer vom BUND haben vor dem Wahllokal von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für den Ausstieg aus der Atomkraft protestiert. Wie die Organisation mitteilte, stellten die Teilnehmer in Berlin-Mitte eine rund zwei Meter hohe sogenannte Atom-Ausstiegsuhr auf, um gegen die Laufzeitverlängerungen für die Atomkraftwerke zu demonstrieren.
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Sonntagmittag ihre Stimme zur 17. Bundestagswahl in Berlin abgeben. Gegen 13.30 Uhr kam die CDU-Cjefin bei strahlendem Sonnenschein und spätsommerlichen Temperaturen zu Fuß in die Mensa in der Humboldt- Universität in Mitte. Begleitet von Ehemann Joachim Sauer warf sie anschließend ihren Stimmzettel in die Wahlurne - allerdings war sie beinahe zu schnell für die Fotografen. Protestrufe ließen sie aber stoppen, das Blatt mit den Fingerspitzen festhalten und pflichtgemäß in die Kameras lächeln.