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27. Juli 2009, 19:24 Uhr
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Schmidts Mercedes war nicht versichert

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt wehrt sich gegen die massive Kritik an der Nutzung ihres Dienstwagens im Urlaub - und erntet dafür beißenden Spott. Zu allem Überfluss kam nun auch noch heraus, dass der in Spanien geklaute 100.000-Euro-Mercedes gegen Diebstahl nicht versichert war.

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Ulla Schmidt als unfreiwilliger Testimonial: Mietwagenwerbung von Sixt© Sixt

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hat die Nutzung ihres Dienstwagens auch im Urlaub in Spanien gegen massive Kritik verteidigt. Der politische Gegner hat allerdings nur Hohn und Spott für die SPD-Politikerin übrig. Die Ministerin habe wohl das Prinzip der Abwrackprämie für Altautos nicht richtig verstanden, lästerte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt am Montag. "Muss sie sich noch mal erklären lassen." Denn dass Schmidt den Mercedes S-Klasse samt Fahrer für gerade einmal zwei dienstliche Termine nach Spanien beordert hatte, war am Wochenende nur deshalb bekanntgeworden, weil Diebe das Auto gestohlen hatten. Schmidts Fahrer waren nahe Alicante im Schlaf der Schlüssel entwendet worden.

Ex-Kabinettskollege und CSU-Chef Horst Seehofer feixte: "Das ist schon ein Pech." Denn nicht nur für die Ministerin, auch für die SPD kommt diese Dienstwagen-Affäre mitten im Bundestagswahlkampf denkbar ungelegen. Die Sozialdemokraten, in Umfragen unverändert hinter der Union herhinken, würden in dieser Woche gern mit einer Wahlkampf-Offensive ihres Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier die Schlagzeilen beherrschen.

Die SPD-Spitze gab der Ministerin nach einer Debatte im Präsidium, zu der Schmidt per Telefon zugeschaltet war, Rückendeckung. Die Ministerin handle nach Recht und Gesetz, sagte Generalsekretär Hubertus Heil.

Vor der Bundespressekonferenz rechtfertigte Schmidts Sprecherin Dagmar Kaiser die Angelegenheit mit dem Dienstwagen-Privileg für Regierungsmitglieder. "Es ist alles korrekt, und es ist alles von den Richtlinien gedeckt. Es gibt überhaupt kein Wackeln", sagte sie. Die Ministerin selbst meldete sich erstmals in der "Aachener Zeitung" zu Wort. "Der Dienstwagen steht mir, auch aus Sicherheitsgründen, jederzeit zur Verfügung", sagte sie der Online-Ausgabe ihrer Heimatzeitung. Private Fahrten rechne sie ab. Es habe in ihren acht Jahren als Ministerin nie Beanstandungen gegeben. Die ganze Debatte jetzt sei "Theater im Sommerloch".

Sprecher der anderen Ministerien sahen sich in der Bundespressekonferenz genötigt klarzustellen, dass die Dienstwagen dort gar nicht oder nur äußerst selten im Urlaub genutzt würden. Es sei denn, das Fahrzeug sei aus Sicherheitsgründen wie bei Kanzlerin, Außen-, Innen- und Verteidigungsminister vorgeschrieben. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm gab sich betont zurückhaltend. Jedes Ministerium entscheide im Rahmen der Richtlinien eigenverantwortlich, wie Dienstwagen genutzt würden.

Erstaunen löste das Gesundheitsministerium mit der Rechnung aus, es sei günstiger, den Wagen samt Fahrer von Berlin ins 2500 Kilometer entfernte Denia bei Alicante zu holen, als dort einen Leihwagen zu mieten. Wenn man für Hin- und Rückfahrt bei einem Verbrauch von 7,7 Litern pro 100 Kilometer 500 Euro für Sprit veranschlage, entspreche dies bereits der Miete für einen vergleichbaren Leihwagen pro Tag, rechnete Sprecherin Kaiser vor. Darin sind allerdings die Unterkunftskosten für Schmidts Fahrer - für den die Fahrt eine Dienstreise ist - sowie dessen mitgereisten 15-jährigen Sohn nicht eingerechnet. Die Mitreise des jungen Mannes, der derzeit Ferien hat, habe Schmidt aus "Fürsorgegründen" ermöglicht, sagte Kaiser.

Freilich treibt die Gesundheitsministerin auch das Ansehen der Bundesregierung um. Es sei selbstverständlich, dass sie bei offiziellen Terminen im Urlaub mit Dienstwagen vorfahre. Schließlich repräsentiere sie "die Regierung unseres Landes", sagte sie der "Aachener Zeitung".

Zum Einsatz kam der Mercedes nur für die Fahrt zum örtlichen Bürgermeister. Für den Vortrag zur Gesundheitsversorgung vor deutschen Residenten am Montagabend wurde nun nach dem Diebstahl ein Leihwagen beschafft. Auf ein Ersatzfahrzeug aus Berlin sei kurzfristig verzichtet worden, sagte die Sprecherin. Im Übrigen wolle Schmidt dem Bundestag alles offenlegen. FDP-Chef Guido Westerwelle mahnte, dies sei dringend geboten. Die Erklärungsversuche des Ministeriums würden die Fragezeichen eher noch größer machen.

Weder teil- noch vollkaskoversichert

Den Steuerzahlern kommt die Dienstreise wohl teuer zu stehen. Denn der Dienstwagen war nicht gegen Diebstahl versichert, wie Schmidts Sprecherin einräumte. Es sei "gängige Praxis", die Fahrzeuge weder Teil- noch Vollkasko zu versichern, sagte Kaiser. Aufgrund der Vielzahl der Fahrzeuge im Bundesbesitz sei dies kostengünstiger. Sie bestätigte damit eine Meldung der "Aktuellen Stunde" des WDR-Fernsehens. Der Wiederbeschaffungswert liege bei 100.000 Euro, hieß es.

Autovermieter nutzten Schmidts Malheur prompt zur Eigenwerbung. "Mit dem Dienstwagen in Urlaub? Es gibt Sixt doch auch in Alicante", warb zum Beispiel Deutschlands größter Autovermieter auf seiner Internetseite mit einem Foto der Volksvertreterin: "Inklusive Diebstahlversicherung." Ein Chauffeur könne mitgebucht werden.

Dienstwagen: Was erlaubt ist Wie Bundesminister mit ihren Dienstwagen im In- und Ausland fahren dürfen, wird in der Richtlinie für die Nutzung von Dienstkraftfahrzeugen der Bundesverwaltung von 2001 geregelt. Gemäß Paragraf 14, Absatz 1, bekommen Mitglieder der Bundesregierung Dienstwagen zur alleinigen und uneingeschränkten Nutzung zugeteilt. Damit wurde ein Kabinettsbeschluss von 1975 ersetzt, wonach ein Minister immer im Dienst ist. Privatfahrten werden geregelt in Paragraf 8, Absatz 1, des Einkommensteuergesetzes. Sie können pauschal abgesetzt oder mit Hilfe eines Fahrtenbuches belegt werden. AP

Reuters/AP/DPA
KOMMENTARE (10 von 62)
 
htzlr1 (28.07.2009, 15:11 Uhr)
Ulla Schmidt Dienstreise in Spanien
Dümmer und dreister gehts nimmer - könnte man sagen! Werbewirksam laden ein in Spanien niedergelassener deutscher Rechtsanwalt, eine Steuerberaterin sowie eine Vertreterin einer spanischen Krankenversiherung zu einer Info-Veranstaltung in ein 2000-Se3elen-Nest in der Nähe von Denia ein. Als Zugpferd und Glanznummer wird Frau Bundesministerin Ulla Schmidt, Gast und Freundin einer der Modaratoren angekündigt. Nachdem tags zuvor der Dienstwagen der Ministerin geklaut wurde, wittert jeder soghleich den Skandal, so daß letztendlich das Dorf und der kleine Gemeindesaal dem ansturm der "Interesseten" kaum noch standhält. Es werden Fragen laut, ob sie, die Frau Ministerin, auch ein Honorar für ihr werbewirksames Erscheinen von den Moderatoren erhält. Ach ja, ein weiterer "wichtiger" Termin sei noch ein Gespräch mit dem Bürgermeister von Denia gewesen. Frau Bundesministerin ist offenbar entgangen, daß Denia gar keinen Bürgermeister hat - sondern "nur" eine Bürgermeisterin. Was mag es da wohl für einen bundespolitisch beutsamen Gesprächsbedarf gegeben haben? Übrigens hätte Frau Bundesminister die Wegstrecke zum Rathaus von ihrem Domizil ohne weiteres zu Fuß bewältigen können. Dafür eine gepanzerte Luxuskarosse von Berlin nach Denia samt Chaufeur nebst Anhang zu beordern - dazu gehört allerdings Chuzpe!
Elli59 (28.07.2009, 13:18 Uhr)
Wozu die ganze Aufregung...
Das ist heutzutage "Normalität", dass man Dienstwagen auch privat nutzen darf - selbst für Urlaubsreisen. Warum macht man so ein großes Theater. Nur weil es eine Politikerin ist....? Die ist auch nur ein Mensch- warum ihr etwas ankreiden was tausende von Bürgern ebenfalls machen - mit Erlaubnis!
Wir haben ganz andere Probleme als einen alltäglichen Autodiebstahl in südlichen Urlaubsgefilden.
picaro (28.07.2009, 09:48 Uhr)
Unglaublich!!!
Es ist einfach nur unglaublich, mit welcher Arroganz und Dreistigkeit ein derartiges Fehlverhalten auch noch rechtfertigt wird. Wie weit entfernt muss man eigentlich von den Menschen sein, die einem ein solches Leben ermöglichen? Für wie unantastbar hält sich (nicht nur) Frau Schmidt? Es sind zwar NUR 10.000 Euro (exklusive Auto), die dem Volk gestohlen wurden, aber Frau Schmidt und der Dienstwagen sind ohnehin nur die ganz kleine Spitze eines riesigen Eisberges. Der Brotpreis in Deutschland ist eindeutig zu niedrig.......
AttaTroll (28.07.2009, 09:16 Uhr)
@ Heinerich
LOL. Besser hätte man es nicht auf den Punkt bringen können :-)
Jocx (28.07.2009, 07:12 Uhr)
da stimmt doch was nicht
Der 15-jährige Herr Sohn sollte aus "Fürsorgegründen" mit dem Auto nachkommen.
Das ist doch unsinnig.
Aber was mich am meisten stört ist die Aussage "Dem Fahrer wurde im Schlaf der Schlüssel entwendet". Wer glaubt denn sowas? Schläft der Fahrer bei offener Hotelzimmertür oder wie? Wurde Anzeige wegen Einbruchs gestellt. Was sagt das Hotel dazu? Gibt es Zeugen? Wird ermittelt?
Oh Mann Ulla! Es ist wohl (leider) dein gutes Recht die Steuergelder zu verpulvern aber dann stehe wenigstens dazu und erfinde keine seltsamen Ausreden
Heinerich (28.07.2009, 03:53 Uhr)
Für die paar Tage die diese
Lusche noch in der Regierung ist braucht sie keinen teuren Dienstwagen, den kann sie sich mit ihrem Kollegen Gabriel teilen, der ist genau so unwichtig wie sie. Ausserdem wäre es für die Bürger besser wenn sie weiterhin in Urlaub bleiben würde, da könnte sie in den paar Tagen die ihr noch verbleiben wenigsten keinen weiteren Blödsinn mehr anrichten.
aretana (28.07.2009, 03:09 Uhr)
Es geht hier nicht um eine Neiddebatte!
Es geht darum, dass wir Bürger uns nicht mehr wahrgenommen fühlen. Wir werden sowohl von der Politik als auch von der Presse übelst angelogen oder uns wird die Wahrheit verschwiegen. Wir als Bürger zahlen und zahlen, um Politikern und Managern ein Leben zu finanzieren, dass pekuniär jenseits aller Vorstellungen liegt. Was macht z.B. ein Herr Wedekind mit 50 mios? Gut, er hat freundlicherweise der Porschebelegschaft auch 50 Mios geschenkt. Selbst bei einem Zinssatz von nur 1% Zinsen hat dieser Mensch 41 000 und ein paar Zerquetschte monatlich zum Leben. Wie kann man dieses Geld ausgeben? Und das als Belohnung, dass er einen Konzern vor die Wand gefahren hat. Sicher hat er Porsche vor einigen Jahren hochgebracht, aber letztendlich zählt das Ergebnis. Und das sieht sehr schlecht aus.
Und jetzt der Zusammenhang mit dieser unsäglichen Sonderschullehrerin. Diese Frau hat genau wie Herr Wedekind die Realität verlassen. Sie hat einen Eid abgelegt, zum Wohl des Volkes zu arbeiten. Und was macht sie? Nur das eigene Wohl zählt.
Herr_Lich (28.07.2009, 03:03 Uhr)
Die ist sowas von überflüssig....
Auf die Idee, sich privat im Urlaub einen Mercedes zu mieten und damit dann nebenbei auch bei diesen beiden unbedeutenden Terminen vorzufahren, kommt Frau Minister Wichtig natürlich nicht. DAS wäre nämlich die wirtschaftlichste Alternative gewesen, Frau Ministerin. Als engagierter Mitarbeiter erledigt man eben ab und zu auch mal ein paar Kleinigkeiten für die Firma, wenn sie privat einigermaßen auf dem Weg liegen, ohne dafür dem Arbeitgeber irgend etwas zu berechnen.

Nicht so unsere Damen und Herren Politiker. Die lassen lieber für geschätzte 4000 EUR den Dienst-Benz ankarren und nutzen ihn dann auch privat, weil es so bequem ist. Warum sollten sie denn auch von sich aus irgend etwas leisten, was ihren Komfort einschränken würde? Schließlich sind die 4000 EUR rechtlich vollkommen korrekt zum Fenster hinausgeworfen worden. Mit dieser Einstellung gestalten diese Leute auch die Politik unseres Landes. Die sind so dermaßen satt und verwöhnt und abgehoben, daß mir jedes mal schlecht wird, wenn ich deren Gesichter sehen muß.
lazarus06 (28.07.2009, 01:32 Uhr)
Ich greif' mir an den Kopf......
Das glaub ich nicht...Das sind unsere Eliten,meine Hochachtung Frau Ministerin,welch grandiose Leistung,sie sind jeden Cent ihres Salaers inkl.ihrer ueberaus grosszuegigen Ruhegeldansprueche wert.Der Normalbuerger wahre nach einer solchen Leistung definitiv Arbeitslos und ruiniert,von den Schadensanspruechen will ich erst gar nicht reden. Wer wird den Wagen nun ersetzen ?
joerch (28.07.2009, 01:03 Uhr)
Deutschland, deine Probleme !
Die 1,5 Mio EUR Spende von Herrn Wedekind für mittellose Journalisten sind hier gut angelegt :-))
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