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27. Juli 2009, 15:09 Uhr

Ulla Schmidts peinlicher Wahlkampf-Unfall

Es ist ein Fall besonderer politischer Naivität: Ulla Schmidts Ausflug mit dem Dienstwagen nach Spanien. Sie reiht sich damit ein in die lange Reihe von Selbstbedienern im Staatsamt. Der Wahlkampfauftakt der SPD sollte diese Woche eigentlich anders aussehen - Frank-Walter Steinmeier dürfte das Grauen gepackt haben. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

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Ein Fall von politischem Selbstmord: Gesundheitsministerin Ulla Schmidt wollte auch in Spanien nicht auf ihren Dienstwagen verzichten© Miguel Villagran/DPA

Armer Frank-Walter Steinmeier. Da will er diese Woche in Sachen Beliebtheit die Aufholjagd auf Angela Merkel starten. Will in den nächsten Tagen ein Steinmeier-Team präsentieren. Will endlich mal vorführen, dass seine Partei auch tüchtige politische Frauen in ihren Reihen hat. Und da kommt die SPD-Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und setzt ihm einen "dicken Klops" vor die Nase, wie die CDU sich freut. Dieser Dienstwagen-Skandal wird ihn auf seiner Wahlkampf-Sommerreise mit ungutem Geruch begleiten.

Dass die Ärzteschaft besonders scharfzüngig über die Ministerin herfällt, dürfte Ulla Schmidt einigermaßen locker aushalten. Ihre gepanzerte Dienstlimousine hat bei ihren Fahrten zu den vergangenen Ärztetagen gewiss gute sicherheitstechnische Dienste geleistet. Und nicht sehr überzeugend klingt es, wenn die Ärzte eine Art Betrug am Steuerzahler wittern, weil Schmidt sich ihren Dienstwagen in den Urlaub nach Spanien hat nachfahren lassen. Wie sich manche Ärzte von der Pharmaindustrie sponsern lassen, ist ja bestens bekannt.

5000 Kilometer durch Europa

Wofür Ulla Schmidt zu Recht harsche Kritik, vor allem aus den Reihen der SPD, verdient, ist die politische Naivität, mit der sie ihrem Kanzlerkandidaten einen Stein des Anstoßes für den Wahlkampf in den Weg geschleudert hat. Um vor deutschen Rentnern in Spanien Wahlkampf machen zu können, musste ihr Fahrer 5000 Kilometer durch Europa düsen. Die Benzinrechnung für die Panzerlimousine dürfte bei gut einem Tausender liegen. Vom umweltverschmutzenden CO2-Ausstoß gar nicht zu reden, denn ihre Dienstwagen sind seit längerem als besonders "schmutzig" bekannt. Und weg ist die Limousine jetzt auch noch.

Wie schon so viele Spitzenpolitiker vor ihr hat auch Ulla Schmidt damit die Vorbehalte der Normalbürger gegen "die da oben" aufs nachdrücklichste bestätigt. Wahrscheinlich wird es ihr gelingen, durch listige Auslegung der Dienstwagen-Vorschriften sich halbwegs korrekt aus der Affäre herauszuwinden. Zur Sauberfrau wird sie damit nicht.

Wieder einmal ist das Ansehen der Politik durch einen völlig überflüssigen Dienstwagen-Deal beschädigt worden. Selbstverständlich hätte auch die deutsche Botschaft in Madrid ihr einen angemessenen Daimler zur Verfügung stellen können. Der dortige deutsche Botschafter fährt bestimmt keinen Kleinwagen. Aber diese Dienstfahrt lief genau so wie in früheren Fällen. Man hat sich im strengen juristischen Sinn nichts zuschulden kommen lassen. Auch Ulla Schmidt ist ihrem eigenen politischen moralisierenden Pathos nicht gerecht geworden, mit dem sie sich gerne den Bürgern präsentiert. Glaubwürdigkeit von Politikern hängt eng mit dem persönlichen Beispiel, das man gibt, zusammen.

Selbstbedienung im Staatsamt

Da sollte sich die CDU jetzt nicht allzu sehr aufblasen. Sonst muss sie daran erinnert werden, dass die CDU-Politikerin Rita Süssmuth sich einst eindeutig schlechter per Dienstwagen ins Gespräch gebracht hat. Als Sauberfrau der Politik hat auch sie sich verkauft, bis aufflog, dass sie gerne ihren Ehegatten mit ihrem Dienstwagen herumkurven ließ. Die Selbstbedienung im Staatsamt ist eindeutig überparteilich verbreitet. Im Fall Schmidt können sich die Kritiker damit trösten, dass sie nach der Bundestagswahl mit großer Sicherheit in einen privaten Kleinwagen umsteigen muss.

Wie will ein Steinmeier auch mit solchen Frauen an seiner Seite die Wahl gewinnen.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
KOMMENTARE (10 von 57)
 
mid63 (28.07.2009, 01:33 Uhr)
Dienstliche Termine
Der Besuch von Deutschen Rentner in Spanien ist wichtig und dienstlich angebracht für unsere werte Ulla. Der Besuch des letzten Ärztetags aber nicht:
http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/berufspolitik/?sid=548177
Begründet wurde es mit einem Treffen der G7-Gesundheitsminister zur Schweinegrippe. Merkwürdig nur, dass sich dort diverse ihrer G7-Ministerkollegen von ihren Staatssekretären vertreten ließen. So wichtig war diese Veranstaltung offensichtlich doch nicht - aber bequemer für unser Aachener Sensibelchen!
lazarus06 (28.07.2009, 00:43 Uhr)
Und das sagt das Merkel....unglaublich aber wahr
Merkel geißelt Eigennutz und Maßlosigkeit
zuletzt aktualisiert: 22.07.2009 - 02:30
München (ddp). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fordert die Rückbesinnung auf Werte in der Gesellschaft. Nur so könne man die aktuellen Herausforderungen meistern, sagte Merkel in der Katholischen Akademie Bayern. Sie geißelte das "eigennützige Streben nach Geld" zum Schaden anderer Menschen. Die Wirtschaftskrise sei ein Beispiel für eine "tiefe Maßlosigkeit" und für "Gier". Das "Gefühl des Zusammenhalts" müsse gestärkt werden. Merkel betonte, sie versuche, sich vom christlichen Menschenbild leiten zu lassen.
Quelle: Rheinische Post
Da kann man nicht mal mehr drueber lachen.
Corazito3333 (28.07.2009, 00:31 Uhr)
aber wen wählen wir???
die linken???? die haben noch am wenigsten "dreck am stecken"
alfonsho (27.07.2009, 21:33 Uhr)
Ulla Schmidt es reicht
Ministerin Ulla Schmidt. Es reicht; geifern Sie ruhig und glauben Sie weiter, dass alles in Ordnung und rechtens ist. Im September sind Bundestagswahlen und dann heißt es für Sie Dienstwagen ade und ade Bundesgesundheitsministerin. Auf Sie verzichte ich gerne. Der SPD haben Sie einen Bärendienst erwiesen. Ganz toll.
Corazito3333 (27.07.2009, 21:11 Uhr)
SirDidimus????? respekt wofür????
Diese Typen haben doch nichts positives auf die Reihe gekriegt, sondern nur abkassiert. Zumwinkel, Schickedant, der schlaue Wendelin, die liebe Ulla.....etc. sind doch nur Abkassierer absolut skrupellos!!!
balzheimer (27.07.2009, 18:43 Uhr)
Zum Piepen
Der Kommentar ist nicht sonderlich ernst zu nehmen. Zeigt er doch, dass der Schreiber wenig bis gar nichts verstanden hat, sondern lediglich Interessen verfolgt (s. hierzu Hinweis aus die Ärzte). Da hätte er auch gleich seine eigene Zunft anprangern können - die erhalten nämlich ganz legal in vielen Fällen sogenannte Journalistenrabattierungen (z. B. beim Kauf eines Neuwagens je nach Händler in etwa 15 - 25 % Nachlass). Wie wird in solchen Fällen die unabhängige Meinung von der Journalistenzunft beeinflußt?
muzza (27.07.2009, 17:51 Uhr)
Das Lumpenproletariat wetzt die Messer
Wie gut dass unsere Qualitätsmedien zu diesem Thema verschweigen, dass beinahe der gesamte Absatz an Luxusfahrzeugen in der BRD, dem Land der sprudelnden Geldquelle, als Dienst/Firmenfahrzeug steuerlich subventioniert wird. Dem Land der Klima-Kanzlerette, dem einzigen Land Europas in dem CO²-Ausstoß belohnt wird. 2008 zum Beispiel der Luxus-Geländewagen Audi Q7 mit 39.800 € Förderung, der Porsche Cayenne Turbo S mit bis zu 74.400 € Förderung. Da fragt sich der Würdeträger des [B]eschränkt-[R]esultatlos-[D]irigierbar-Gütesiegels zurecht: "Hööh? Wasn nu los?".
Hartwig.Lein (27.07.2009, 16:38 Uhr)
Geruch nach Korruption
Man hat diese Gestalten einfach nur noch SATT SATT SATT
hraban (27.07.2009, 16:20 Uhr)
@JackSparrow
Ach!? Unsere Regierung ist ein Privatunternehmen? Na, dann brauch ich erst recht nicht wählen zu gehen. Privatunternehmen wählen/bestimmen ihren Vorstand ja in der Regel selbst. Hab ich leider nicht gewusst. Dachte bisher immer, die Damen und Herren werden von uns als sogenannte "Volksvertreter" bestimmt/gewählt und mit unseren Steuergeldern bezahlt. Nun gut, zusätzliche Kohle kommt schon noch woanders her. Aber psst! Nicht weitersagen! Wollen doch das Wort "korrupt" oder "Bestechung" nicht in den Mund nehmen. Deutschland ist doch keine Bananen-Republiblik, oder etwa doch...?
lazarus06 (27.07.2009, 15:46 Uhr)
@String-Theoretiker ..... Leider wird da gar nichts helfen ;-)
Es wird kaum ein legales demokratisches Mittel geben,was die Damen und Herren dazu veranlasst eine Politik zu betreiben die die Menschen in den Vordergrund stellt und nicht die wachsenden Renditen derer die weitaus mehr haben als sie jemals ausgeben können. Wie der momentane Zustand der " Rezession " zeigt ging es den Superreichen nie besser als jetzt,Gerwerkschaften entmachtet,ein gerechter Lohn in weiter Ferne,dank H4 als Druckmittel machen selbst bestausgebildete Fachkräfte jeden Job zum Hungerlohn..es sei denn sie gehen ins Ausland und selbst da wird es dank Globalisierung eng.Kaufen können sie zum Spottpreis um so ihr Vermögen zu mehren,Steuern brauchen fast keine mehr zu zahlen den völlig legal können sie ihren Firmensitz in's Billigsteuerland verlegen und ihre Gewinne da versteuern ... von wegen Steueroasen trocken legen..LACH.Die Liste lässt sich verlängern..und nun die Frage : WARUM ZUM TEUFEL SOLL JEMAND EIN INTERESSE, AUSSER DER NORMALBEVÖLKERUNG,DARAN HABEN DIESE FÜR DAS KAPITAL SO TRAUMHAFTEN ZUSTÄNDE ZU ÄNDERN ??? Wahl hin oder her.... Übrigends haben sie schon einmal drüber nachgedacht warum alle Ministerien die absolut keine Aussicht auf Erfolg und Besserung oder nur unbeliebte Sparmaßnahmen durchsetzen und erklären müssen von SPD'ler besetzt sind ?? Viel Spass beim nachdenken ....
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