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5. Mai 2009, 20:53 Uhr

Händchen halten ist nicht mehr

Es gibt wieder Gruppenfotos, Nettigkeiten und gemeinsame Papiere - zum Beispiel jenes für ein soziales Europa, das am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Trotzdem ist die alte Liebe zwischen Gewerkschaften und SPD tot. Eine Wahlempfehlung mag DGB-Chef Sommer jedenfalls nicht herausgeben. Von Jens König

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Lächeln bitte: Der SPD-Europapolitiker Martin Schulz (links), SPD-Vizevorsitzende Andrea Nahles, Verdi-Chef Frank Bsirske und Bundesarbeitsminister Olaf Scholz am Dienstag in Berlin© Tim Brakemeier/DPA

Das Bild hat Symbolcharakter. Gewerkschaftsführer und Spitzensozis stehen in der DGB-Zentrale in Berlins Mitte einträchtig nebeneinander. DGB-Vorsitzender Michael Sommer, Verdi-Chef Frank Bsirske, SPD-Arbeitsminister Olaf Scholz, SPD-Vize Andrea Nahles und der SPD-Spitzenkandidat für die Europawahl, Martin Schulz, präsentieren an diesem Dienstag ein gemeinsames Positionspapier für ein soziales Europa. Wenn sie sich auf der Pressekonferenz gegenseitig das Wort erteilen, sprechen sie sich mit Vornamen an ("Olaf, du bist dran"). Fehlt nur noch, dass sie Händchen halten.

Zwischen der SPD und den Gewerkschaften entwickelt sich wieder so etwas wie Zuneigung. Es vergeht ja kaum eine Woche, in der sich die beiden Großorganisationen nicht zu verstehen geben, wie sehr sie einander schätzen und brauchen. Auf der 1. Mai-Kundgebung des DGB in Ludwigshafen wurde SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier als "langjähriges Gewerkschaftsmitglied", als "einer von uns" vorgestellt. Im Gegenzug bot Steinmeier den Gewerkschaften eine verstärkte Zusammenarbeit an. Nach jedem zweiten Satz sagte er "liebe Kolleginnen und Kollegen". Ein paar Tage zuvor hatte sich SPD-Chef Franz Müntefering mit über 200 Betriebsräten in Potsdam getroffen und ihnen "ganz hervorragende Arbeit" in Zeiten der Krise attestiert.

Es geht nicht ohne

Und jetzt das gemeinsame Papier von DGB und SPD. Gleich im ersten Satz heißt es: "Die SPD und der DGB mit seinen Mitgliedergewerkschaften treten gemeinsam für sozialen Fortschritt in Europa ein." Die Sozialdemokraten und die Gewerkschaften wollen den sozialen Grundrechten den Vorrang vor den wirtschaftlichen Grundfreiheiten des europäischen Binnenmarkts einräumen. Die neue EU-Kommission wird nur dann mit der Unterstützung der SPD und der deutschen Gewerkschaften rechnen können, wenn sie sich zu dieser Klarstellung zugunsten der sozialen Grundrechte bekennt. Als der DGB-Chef die Kernpunkte des Papiers erläutert, nickt Andrea Nahles die ganze Zeit mit dem Kopf.

Aber die alte Liebe zwischen Genossen, die das gleiche Parteibuch in der Tasche tragen und gemeinsam durch dick und dünn gehen, ist das nicht mehr. Kann es wohl auch nicht sein. Zu tief sitzt bei den Gewerkschaften die Enttäuschung über die SPD-Politik der vergangenen Jahre: Agenda 2010, Hartz IV, Rente mit 67. Als Steinmeier am 1. Mai in Ludwigshafen redete, hielten ihm drei Gewerkschafter ein Plakat entgegen. "SPD = Rentenlüge" stand darauf zu lesen. Doch trotz dieser unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten haben sich die alten Partner aneinander wieder genähert. Der eine kann nicht ohne den anderen, schließlich tragen sie eine alte, gemeinsame Geschichte mit sich herum.

Von Beck zu Müntefering

Der frühere SPD-Chef Kurt Beck hat diese Annäherung seit 2007 bewusst vorangetrieben. Er gab ihr im Herbst 2008 ein Symbol: die längere Zahlung des Arbeitslosengeldes I. Becks Nachfolger Müntefering, geistiger Vater der Rente mit 67, hat diesen Kurs fortgesetzt - zur Überraschung der meisten Gewerkschafter. Plötzlich waren Mindestlohn und Reichensteuer in der SPD wieder angesagt. Und jetzt kommt die Finanz- und Wirtschaftskrise hinzu. Die alten Konflikte verblassen. Arbeitsplätze müssen gerettet werden, und das geht nach Überzeugung von SPD und DGB gemeinsam immer noch am besten. "Sozialdemokratie und Gewerkschaften miteinander - das ist die Lehre, die wir aus diesem Desaster ziehen müssen", sagt Steinmeier heute. "Die Betriebsräte, die oft 20 Jahre im Unternehmen sind, kennen sich besser aus im Betrieb als die Manager, die dort auf der Durchreise auftauchen", sagt Müntefering. Kurzarbeit, Konjunkturprogramm, Rettung von Opel - die gemeinsamen Interessen von SPD und Gewerkschaften in der Krise sind offensichtlich. Die Sozialdemokraten ziehen mit einem linken Programm in den Bundestagswahlkampf: Reichensteuer, Börsenumsatzsteuer, starker Staat. Da dürfte es vielen Gewerkschaftern leichter fallen als 2005, SPD zu wählen. Und trotzdem: Heiraten werden die beiden nicht mehr. Zu vieles steht zwischen ihnen. Die Gewerkschaften wollen eine Vermögenssteuer - lehnt Steinmeier ab. Ein 100 Milliarden Euro schweres drittes Konjunkturpaket - ist Finanzminister Peer Steinbrück dagegen. Keine Schuldenbremse im Grundgesetz - mit der SPD nicht zu machen.

DGB-Chef Sommer, grimmig

DGB-Chef Sommer wird am Dienstag gefragt, ob die Gewerkschaften angesichts der wachsenden Zuneigung nicht langsam mal wieder eine Wahlempfehlung für die SPD abgeben wollen. Sommer guckt grimmig. "Wir geben Empfehlungen für eine bestimmte Politik", sagt er "nicht für bestimmte Parteien."

Von Jens König
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
REINI2 (07.05.2009, 22:22 Uhr)
Betrüger.... wo man hinschaut!!
Lain (7.5.2009, 12:25 Uhr) Wo ist das Problem?
Sagte ich was von Verstaatlichung von allen Banken, oder Entlassung von Angestellten??
Banken die PLEITE sind werden vom Steuerzahler gerettet!! FÜR WEN??
Angeblich für das „System“! Welches System? DAS System, dass die Menschen ausbeutet??
Darauf kann ich verzichten!! Diese Banken mit ihren Vorständen würde ich ANKLAGEN!
Wegen Betrugs und Veruntreuung! WARUM geschieht das Nicht??
Weil unsere Politiker mitsamt der Wirtschaft die VERBRECHER sind!!
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Wie kann man auf die Linken schimpfen, wenn csucdufdpspd alles getan haben um diesen Betrug zu ermöglichen?!
Hier sitzen die Verantwortlichen, die mit den Fingern auf andere zeigen, aber selbst die VERURSACHER SIND!
Lain... rede es dir ruhig ein, dass dies alles ein „Unglück“ war, für das keiner etwas kann.
Die Verursacher sitzen auf der Regierungsbank, und du bist nicht fähig dies zu erkennen!
Die Gehirnwäsche der Medien war sehr erfolgreich bei dir! Solltest mal dein Gehirn einschalten.... falls da noch etwas ist... ;-)))
Lain (07.05.2009, 12:25 Uhr)
Zum Thema Dummheit...
..die wird wohl bei Ihnen offensichtlich...natürlich habe die mesten banken mist gebaut und hätten eigentlich keine hilfe verdient, da sie an ihren problemen selbst schuld sind...aber: im bankgewerbe arbeiten 420.000 menschen. sollen die alle arbeitslos werden? sind die nicht auch teil des von ihnen genannten "volkes"? hinzu kommt. wenn es keine banken mehr gibt, werden keine kredite mehr vergeben, sprich firmen können keine investitionenmehr tätigen, es kommt zu einem einbruch, gegen den die momentane wirtschaftskriese ein kindergarten ist, die darauf gründet das die banken ihre kreditvergabe erschwert, aber nicht eingestellt haben... des weiteren bleibt noch zusagen, dass das politprogramm von frau merkel eine neuverschuldung bis 2011 gestoppt hätte, wäre die wirtschaftskriese nicht dazwischen gekommen, daran trägt aber wohl kaum sie und die aktuelle regierung die schuld....aber wozu nachdenken wenn man einfach demagogische parolen nachbrüllen kann die einem vorgelegt werden.....
REINI2 (06.05.2009, 18:06 Uhr)
Dummheit und das Weltall, sind grenzenlos!
Lain (6.5.2009, 10:39 Uhr) ..der DEPP bist wohl eher du!
Lafontaine wollte Geld um dem VOLK zu helfen... er wurde von solch Asozialen, wie du einer bist ausgelacht!
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Den Banken schiebt man HUNDERTE VON MILLIARDEN HINTEN REIN...... wo bitteschön kommt dieses Geld her??
Da wird das VOLK schon wieder AUSGEPLÜNDERT... und solche Lain- Schwachmatiker kapieren es immer noch nicht!
Anscheinen gehörst du auch zu den Abzockern, sonst würdest du nicht so einen SCHWACHSINN schreiben!
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Lafontaine hat schon vor 10 Jahren vor diesem Raubtierkapitalismus gewarnt.... und wurde ausgelacht!
Die Rechnung der Neoliberalen ist allerdings aufgegangen: Die haben uns ausgeplündert und WIR ALLE zahlen für ihre GIER UND DUMMHEIT!
Natürlich, sind die Linken die Einzigen, die noch nicht von der Wirtschaft GEKAUFT worden sind!
Als Arbeitnehmer kann man nur diese Partei wählen, denn ALLE ANDEREN haben uns belogen und BETROGEN!!
knilch_59 (06.05.2009, 11:17 Uhr)
@Lain – auch reingefallen …
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Ich gebe Ihnen ja in Bezug auf Lafontaine recht, aber in Bezug auf die Wahrhaftigkeit der Wahlkampfaussagen und die Finanzierbarkeit von Versprechen steht er im Vergleich zu den anderen Poltikern noch ziemlich gut da:
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Frau Dr. Merkel hat als Bilanz von nur 4 Jahren vorzuweisen: Staatsverschuldung + 450 Mia, Beschleunigung der Staatsverschuldung um 30%. Arbeitslosigkeit unverändert – mit zunehmender Tendenz, Um das zu erreichen, wurde die Mehrwertsteuer um 3%-Punkte erhöht. Man könnte auch wirklich zynisch sagen, dass es noch keine Regierung geschafft hat, umfassender ihre Inkompetenz zu beweisen als die derzeitige Große Koalition. Also – kommen Sie mir nicht mit angeblichen Fehlern von anderen, die sollten auch mal eine Chance haben.
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Den Gewerkschaften ist dabei nur Vorsicht anzuraten: es ist völlig richtig, mit allen Parteien zu sprechen, aber den Schulterschluss hat derzeit keine Partei verdient!
Lain (06.05.2009, 10:41 Uhr)
zur Linken bleibt noch zu sagen:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,622979,00.html
Lain (06.05.2009, 10:39 Uhr)
ich finde es so lustig...
wie einige Deppen hier die Linke anpreisen....Lafontaine ist ein LÜGNER seine Programme gehen rechnerisch nicht auf! Was er umverteilen will um den Menschen angeblich zu helfen ist an Kapital einfach nicht vorhanden. Das wurde oft genug nachgerechnet und jeder der sich auch tatsächlich mal mit der Materie befasst, statt einfach nur blind versprechungen zu vertrauen sieht das es echt nicht hinhauen kann... Lafontaines einziges bestreben ist es die SPD in misskredit zu bringen, wie ein kleines Kind im Sandkasten das anderen die Burg zertritt weil die es nicht haben mitspielen lassen...wer darauf reinfällt ist einfach nur DUMM!
knilch_59 (06.05.2009, 10:27 Uhr)
@DasBertl – reingefallen!
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Was ist schlimmer: SPD+CDU in Regierungsverantwortung und CDU/FDP-Politik bekommen, oder CDU/FDP in Regierungsverantwortung und CDU/FDP-Politik bekommen?
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Wenn Du ein totes Pferd reitest, steig ab! Die Sozialdemokratie ist tot, ein langer, qualvoller Abschied, zelebriert von Folterknechten aus den eigenen Reihen namens Schröder, Clement, Müntefering, Steinmeier. Ein hohler Baum, von innen zerfressen, aber eben tot. Das einzige, was darin noch lebt, sind Schädlinge und Maden. Und wie es denen gelingt, immer noch den Anschein zu erwecken, dass da noch Baum ist, ist schleierhaft, faszinierende Mimikry.
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Diese SPD muss weg, um Platz zu machen für die Sozialdemokratie. So will es die Natur, so ist das Naturgesetz. Und wir sollten uns hüten die Maden zu hegen in der Hoffnung, dass die den Baum wieder hochpäppeln!
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Man kann den Gewerkschaften nur raten, sich nicht an Reanimationsversuchen der Todgeweihten zu beteiligen. Das ist inhuman und letztlich selbstzerstörerisch. Noch 144 Tage und der Rest von heute, dann sind Steinmeier, Müntefering und Steinbrück Geschichte.
nightmare_online (06.05.2009, 10:24 Uhr)
@Doc_D
Was Neoliberale wollen, hat mit Freiheit schlicht nicht das geringste zu run. Was diese Leute wollen, zeigt sich überdeutlich in folgendem Zitat:
"Individuelle Freiheit kann es nur in einer Marktwirtschaft ohne Sozialstaat geben."
(Milton Friedman)
Mehr gibts zum Thema nicht zu sagen.
DasBertl (06.05.2009, 09:57 Uhr)
Warum SPD?
Ganz einfach: Wenn die Stimmen nicht zur SPD gehen, haben wir, mitten in der Krise, Merkel und Schwesterwelle. Ich wähl da doch lieber das kleinere Übel. Doch leider werden SPD und Linke auch in der nächsten Legislaturperiode nicht zusammen arbeiten (gleiches gilt für Grüne und Linke). Und so ist es jetzt schon schwer genug. Wer nicht SPD oder die Grünen wählt, wählt eigentlich Merkel und Westerwelle. Genau deswegen gibt es noch so viele "Volldeppen" die die SPD noch wählen.
Weil sie DAS verstanden haben.
Wer nicht CDU/FDP will, muss sein Kreuz bei SPD/Grüne machen! Die Linke bekommt wohl selbst bei 30% der Stimmen keine Regierung zusammen. Denn es koaliert eben noch immer keiner mit ihr...
terrax (06.05.2009, 07:53 Uhr)
Ich verstehe nicht...
welche Volldeppen die Partei noch wählen, denn auch Steinmeier und Müntefehring haben Schröders Agenda als Chefingenieure mitkonstruiert. Die Rentenformel für zukünftige Generationen wurde dahingehend geändert, daß diese weniger Rente erhalten, dann hat man den Sparerfreibetrag, welchen hauptsächlich der kleine Mann in Anspruch nimmt gekürzt und die SPD hat mit dafür gesorgt, daß die Leute bis 67 arbeiten müssen. Naja und dann halt noch HARZIV! Tolle SOZIALE Partei... Wobei die FDP möchte die Rente ja am liebsten noch weiter senken... Das beste ist: Auswandern aus der EU. Oder halt hierbleiben und arbeiten für lau bis ins hohe Alter... Und dann Rente beziehen die dann vielleicht noch nicht einmal mehr 2% vom Eingezahlten beträgt...
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