Für die Union ist die Wiederwahl Horst Köhlers ein Triumph - zumal Konkurrentin Gesine Schwan, SPD, nicht einmal alle Stimmen aus dem eigenen Lager bekam. Andererseits ist klar, dass Köhler nun Konsequenzen aus Krise anmahnen wird. Ein stern.de-Interview mit Unions-Fraktionschef Volker Kauder.

"Wir schaffen das!": Volker Kauder, Chef der Unionsfraktion© Axel Schmidt/ddp
Zu allererst bedeutet es einen schönen Tag für unser Land, für die Menschen in unserem Land, die diesen Präsidenten ja wieder haben wollten. Für die CDU/CSU steckt darüber hinaus eine klare Botschaft: die bürgerliche Mitte kann es schaffen bei der Bundestagswahl. Denn Horst Köhler ist der Präsident der Union, der FDP und der Freien Wähler.
Darauf kann man nur mit einem eindeutigen und uneingeschränkten Ja antworten.
Betrachtet man die politischen Erklärungen und Reden von Horst Köhler in den vergangenen vier Jahren, dann war er zwar ein deutlicher Kritiker von vielen politischen Entscheidungen der Großen Koalition. Aber er hat sich immer mehr als ein Präsident der Bürger denn als Präsident einer bestimmten politischen Richtung verstanden. Und das ist genau richtig. Dass er zum bürgerlichen Lager gehört, dass er CDU-Mitglied ist, ist ja kein Geheimnis.
Die SPD hatte sich ein Ziel gesetzt, hat es aber bei weitem nicht erreicht, nicht einmal alle ihre Stimmen zusammen gebracht. Diese Niederlage müsste Anlass für die SPD sein, dass sie noch einmal darüber nachdenkt, ob das, was sie für die Bundestagswahl vorbereitet hat, alles so richtig und überzeugend ist.
Der Bundespräsident hat schon in seinen beiden letzten Reden deutlich gezeigt, dass er auf der einen Seite eine klare Analyse der Krise erwartet, dass er auch eindeutige Konsequenzen erwartet auf der Basis der falsch gelaufenen Entwicklung. Zugleich hat er aber den politisch Handelnden die Überzeugung vermittelt: Wir schaffen das! Daran immer wieder zu erinnern wird auch in den nächsten ein, zwei Jahren seine Aufgabe sein.
Der Präsident weiß, dass er eine politische Lage beschreiben, dass er die große Linie skizzieren und vorgeben kann. Aber er wird sich, da bin ich mir ganz sicher, nicht ins politische Tagesgeschäft einmischen. Das wäre auch nicht gut. Aber ich glaube, wenn wir im Herbst eine Koalition aus CDU/CSU und FDP bekommen, dann wird er mit den Entscheidungen, die im wirtschafts- und finanzpolitischen Bereich fallen, ohnehin zufrieden sein.
Selbstverständlich. Der Präsident muss aber auch wissen, dass wir als frei gewählte Abgeordnete unsere Positionen ebenfalls vertreten. Deshalb ist es gut, wenn jede Seite sich in dem Bereich politisch artikuliert, der für sie auch vorgesehen ist: Wir für die Tagespolitik, der Bundespräsident für Perspektiven.