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Kandidaten der Wahlen 2009

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25. Mai 2009, 08:39 Uhr

Merkel und ihr Blutdruck

Die wichtigste Nachricht vom Randgeschehen der Wahl des Bundespräsidenten: Angela Merkel strebte in die Politik, weil ein Amtsarzt sie nicht für den bundesdeutschen öffentlichen Dienst geeignet hielt. Ob der Arzt dafür das Bundesverdienstkreuz erhalten hat? Von Hans Peter Schütz

 
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Da kann manches auch noch ein bisschen dynamischer werden: Angela Merkel, die vor vielen Jahren am Amtsarzt scheiterte© Carsten Rehder/DPA

Zunächst hatte Angela Merkel als stellvertretende Regierungssprecherin der DDR-Übergangsregierung die Gespräche zwischen dem westdeutschen Finanzminister Theo Waigel und dem ostdeutschen Finanzminister Walter Romberg publizistisch betreut. "Romberg war oft knatschig, Waigel immer sehr nett", erinnerte sie sich auf dem geselligen Abend der CDU/CSU vor der Wahl des Bundespräsidenten am Wochenende.

Nachdem 1990 ihr Job als Pressesprecherin weggefallen war, suchte sie neuen Broterwerb. Also bewarb sie sich beim Bundespresseamt, so erzählte Merkel auf dem geselligen Abend der CDU/CSU. Doch sie sei am Amtsarzt gescheitert. "Sie sind nicht geeignet für den bundesdeutschen öffentlichen Dienst, Ihr Blutdruck ist zu hoch", teilte ihr der Arzt mit. Merkel: "Mannomann habe ich gedacht, da kann manches auch noch ein bisschen dynamischer werden."

In den nun schon zahlreichen Merkel-Biografien ist dieser Butdruck-Test Merkels nicht erwähnt. Sie müssten eigentlich umgeschrieben werden. Wissen wir jetzt doch endlich, wem wir diese Kanzlerin, die erste Frau auf diesem Stuhl der Macht, verdanken. Nein, nicht Helmut Kohl, der sich gerne rühmt, das "Mädchen" entdeckt zu haben. Auch nicht Kanzleramtschef Thomas de Maizière, der sie mit in die CDU gelotst hat. Ein Amtsarzt war es. Ob er später das Bundesverdienstkreuz bekommen hat?

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"Wir sind die Familie der Union", sagte Merkel an diesem Abend zu ihren Delegierten. Alles klatschte. Wer aber sind die wichtigsten Frauen in dieser Familie? Norbert Röttgen, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion und Vertrauter der Kanzlerin, analysierte die Lage auf Wunsch von stern.de. Er blickte dabei entlang des Tischs, an dem Angela Merkel und Elisabeth Kauder, Frau des CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder, Seite an Seite saßen und plauderten. Röttgen: "Da sitzen die beiden einflussreichsten Frauen der Union."

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Wie es aussieht, hat Horst Köhler alle zehn Stimmen der Freien Wähler aus Bayern bei seiner Wahl bekommen. "Von uns aus ist gewiss keiner umgefallen", versicherte der Chef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger. Was er nicht ganz so laut heraus posaunte, war der eher peinliche Umstand, dass er zunächst nicht einmal den Reichstag finden konnte. Und das kam so: Mit Parteifreunden fuhr er mit seinem Auto gen Berlin, gab Luisenstraße ins Navigationsgerät ein, wo er den Reichstag vermutete, und landete so im Berliner Randbezirk Köpenick, weit entfernt vom Reichstag. Nach einigen ratlosen Anfragen bei Passanten, fanden die Freien Wähler schließlich doch noch ihr Ziel. Aiwanger soll gesagt haben: "Wenn wir erst mal im Bundestag sitzen, passiert das nicht noch einmal."

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Eine Präsidentenwahl ist immer zugleich auch familiäres Ereignis. Ex-Kanzleramtsminister Bernd Schmidbauer (CDU) beispielsweise kam mit seiner 13-jährigen Tochter Sarah nach Berlin. Die sagte dem deutlich älteren Papa (70), wo er langzugehen hätte: "Ich wähle Roman Herzog." Papa war entzückt: "Da können Sie sehen, was eine gute Erziehung ausmacht." Vor dieser Aufgabe steht in drei Monaten Junge-Union-Chef Philipp Missfelder. Dann wird er Papa, wie der stern.de bestätigte. Die Mutter Ann-Christin saß auch auf der Tribüne des Reichstags, immer noch fast gertenschlank. Wahl-Doping für ihren Mann hatte sie auch dabei: Als Missfelder sich in den nur für Wahlmänner abgesperrten Bereich verabschiedete, gab es ein herzliches Küsschen für ihn.

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Der Präsidentenwahl ging bekanntlich eine Sitzung der CDU/CSU-Fraktion voran, wo alle noch einmal auf die richtige Wahl eingeordnet wurden. Um ein Haar hätte der CSU-Bundestagsabgeordnete Ernst Hinsken die Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung gestört. Denn um ein Haar wäre ihm eine hochpolitische Frage an den anwesenden CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer rausgerutscht, der fortwährend die Verjüngung der politischen Eliten fordert. Auf der Zunge lag Hinsken: "Lieber Horst, willst du wirklich den Horst Köhler wählen? Denk daran, dass der doch schon über 60 Jahre alt ist." Mühsam habe er, sagt Hinsken, den Satz aus politischen Gründen unterdrückt.

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Guten politischen Überblick lässt sich dem bayerischen Ministerpäsidenten aber nicht absprechen. Gut ein Dutzend führende Politiker hat stern.de vor der Wahl nach dem vermutlichen Ergebnis befragt. Seehofer lag mit der Prognose 616 Stimmen für Köhler dem Ergebnis am nächsten. Missfelder tippte auf 619 Stimmen, der Parlamentarische Geschäftsführer Norbert Röttgen auf 623, Verteidigungsminister Franz-Josef Jung auf 225. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte, "ich will dreimal wählen." Das erlaubte ihm die Bundesversammlung nicht. Und es erfüllte sich auch nicht die Befürchtung von Ex-CDU-Fraktionschef Friedrich Merz, der nicht an einen Köhler-Sieg in der ersten Runde glaubte. Seine Prognose: Absolute Mehrheit im dritten Wahlgang.

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Die einsamste Frau in der Bundesversammlung war eine Wahlfrau, die noch vor vier Jahren ein Zimmer auf der Kanzleretage im Bundeskanzleramt besessen hatte: Doris Schröder-Köpf. Völlig allein saß sie lange im Gestühl des Plenarsaals. Kein Genosse setzte sich an ihre Seite. Erst nach langer Zeit opferte sich der Sozialdemokrat Kaus-Uwe Benneter, der Altkanzler Schröder auch mal als Generalsekretär gedient hatte.

Hans Peter Schütz

Hans Peter Schütz Worüber redet das politische Berlin, wenn die Kameras ausgeschaltet sind? stern-Autor Hans Peter Schütz hört hin und notiert wöchentlich den neuesten Tratsch aus der Hauptstadt - exklusiv auf stern.de lesen Sie seine Kolumne "Berlin vertraulich!"

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Angel_of_Mercy (25.05.2009, 13:40 Uhr)
Sogar Navi-geräte sind politisch
Schon lustig die freien Wähler.
Selbst ich habe, obwohl ortsfremd in Berlin, das Reichstagsgebäude auf Anhieb gefunden und das ohne Navi.
Die Leute hätten ja Park and Ride nutzen können, aber ich denke die konnten mit Parken und Reiten nichts anfangen.
Zeigt aber deutlich, wer die Navi-geräte erfunden hat, und zwar die Wirtschaftsberater der Rot-Grünen Regierung.
Die gaben auch ein Ziel vor, verließen sich auf etwas anderes als den gesunden Menschenverstand und wunderten sich dann, dass sie ganz woanders ankamen.
Danke Frau Dr. Merkel. Mit ihrer Anekdote haben wir jetzt auch Ihre Aussage, dass Politk und Öffentlicher Dienst (am Volk) nichts miteinder zu tun haben und schon gar nicht bei Ihnen.
Sie sind Physikerin geblieben und die Menschen nichts als eine chaotische Zusammenballung von Quanten.
Mastergirl (25.05.2009, 10:53 Uhr)
Gemeinsamkeit
Physiker (Naturwissenschaftelr allgemein), Politiker und Banker haben aber alle eines gemeinsam: sie alle sind soziale Krüppel. Ihnen fehlt die Empathie und das Einfühlungsvermögen. Bei Frau Merkel ist es ihr starker Drang nach Macht, der sie zu dieser Position geführt hat.
Bakker (25.05.2009, 10:34 Uhr)
Blutdruck
habe selber Physyik studiert und halte mich nicht für geeignet, trotz gegenteiliger Meinung meiner Frau, Kinder und Bekannten. Ein Physiker ist ein logisch denkender Mensch und somit für die Politik ungeeignet. Mein Blutdruck ist eine erbliche Folge. In der Politk wäre ich bereits gestorben ob der Kollegen.
Sternchen2020 (25.05.2009, 10:34 Uhr)
Wenn wir mal einen Strich unter
den Artikel machen und dessen tatsächliche Ausbeute feststellen, dann wissen wir nun, dass Redakteur Schütz sich am Samstag in die Gästeschar einreihen durfte.
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Die aufgefangenen Wortfetzen sind völlig substanzlos. Daraus einen ganzen Artikel zu basteln, verdient wirklich echte Anerkennung;-).
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@ Frage an Redaktion: Gehen die Themen aus?
mutti1 (25.05.2009, 10:32 Uhr)
Gehirnwäsche
der lothar de maiziere, der lispelte und mit den zähnen über seinen steinbruch holperte,jedenfalls waren es doch meist unbekannte stasi-krücken und sed-bonzen, ost-cdu-ler und dbp-ler und ganoven, die am runden tisch das ddr-volk verrraten + verkauft haben.
tri.star (25.05.2009, 10:07 Uhr)
gab es schon mal Physiker in der Politik?
Ich habe selbst Physik studiert, wenn uach nur im Nebenfach, aber da bekommt man doch so einiges mit. Ich kenne aus meinem Studienumfeld keinen einzigen Diplomphysiker der sich ernsthaft in die große Politik gewagt hätte, den meisten ist sicher ihr Fach wichtiger als die kleinkarierten Intrigen, die in den Parteien und Fraktionen so ablaufen. Frau Merkel hat sogar vor der Wahl zur Kanzlerin extra noch schnell Herrn Sauer geheiratet, weil eine ledige CDU-Kanzlerin ja ein "no go" gewesen wäre, schlimm genug das sie keine Plagen in die Welt gesetzt hat - den Anteil kann aber Frau v.d.Leyen kompensieren. Ich halte Frau Merkel für eine Person, der es nur um Macht und Machterhalt geht. Für das land wäre es wohl besser egwesen wenn der Amtsarzt ihr den öffentlichen Dienst erlaubt hätte, um Schaden von der Bundesrepublik Deutschland abzuwenden.
P.S.: Herr Stoiber heißt Edmund mit Vornamen, genannt wird er Edi.
sedanon (25.05.2009, 09:54 Uhr)
Ich mache mir eher Sorgen ...
... um meinen Blutdruck, wenn ich sehen, was für unfähige und hochnäsige Flitzpiepen der CDU-SPD-FDP-Grünen unsere Zukunft seit Jahren ungestraft in die Grütze reiten.
gesox (25.05.2009, 09:45 Uhr)
Lehrbücher über Medizin...
...müssen nun umgeschrieben werden: eine Schlaftablette, die im Wachkoma das Land in den Untergang dilettiert muß nicht unbedingt einen niedrigen Blutdruck haben. Prinzessin Valium hat offenbar zu viel Druck, wohl weil sie sich bei jedweder Aufgabe zusammenreißen muß, um nicht das zu sagen, was sie wirklich denkt: daß wir ihr völlig egal sind, so lange sie so einen coolen Job hat.
kalypso (25.05.2009, 09:44 Uhr)
Ströbele war's auch - im Jahr 2002
Wenn der GRÜNE Ströbele zur B'tagwahl 2002 nicht das Direktmandat in Berlin Mitte erobert hätte (mit weniger als 500 Stimmen Vorsprung), sondern die PDS-Kandidatin, dann hätte es eine B'tagsfraktion der PDS gegeben, d.h. KEINE Mehrheit für Rot-Grün und somit eine Große Koalition unter B'Kanzler Helmut Stoiber gegeben - und was dann aus Frau Merkel und aus Deutschland geworden?
Solche Zufälle haben uns vor größeren Größenwahn-Turbulenzen à la 'Porsche' und 'Schaeffler' in der Bundespolitik bewahrt. Denn aus genau diesem Weiter-So-Muster war auch Stoiber geschnitzt. Man bedenke die Wachstums-Blasenpolitik der Jahre seit 2002 in den USA, GB, und anderswo !!! Wohin hätte Stoiber Deutschland hineingeritten ?
Salzsteuer (25.05.2009, 09:32 Uhr)
Ist es nicht schade...
wenn Menschen in ihrem erlernten Beruf (Physikerin) keinen Arbeitsplatz finden und woanders jobben müssen ??
Berlin vertraulich!

Homo politicus Hans Peter Schütz notiert in seiner wöchentlichen Kolumne den manchmal keineswegs politisch korrekten Tratsch hinter den Kulissen des politischen Berlins für stern.de.

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