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5. Mai 2009, 19:35 Uhr

Merkels Träumereien

Krise? Welche Krise? Der Steuerstreit in der Union zeigt schon jetzt, worum es Angela Merkel in den kommenden Wochen bis zur Wahl vorderhand gehen wird: Sie will den eigenen Kopf über Wasser halten, irgendwie. Ein Kommentar von Axel Vornbäumen

Union, Steuern, Steuersenkungen, Merkel

Mit Tempo in den Wahlkampf: Merkel will ihr Zöger-Image ablegen© Fabrizio Bensch/Reuters

Die Woche der Wahrheit naht. Doch es hat eher den Anschein, als ob es in erster Linie die Woche wird, in der man die Wahrheit mit viel Aufwand verdrängen wird. Wie ein Damoklesschwert schwebt die für Mitte Mai erwartete Steuerschätzung derzeit über der Politik. Die Aussichten sind schon jetzt reichlich düster. Doch danach wird es erst richtig dunkel. Trifft ein, was alle erwarten, dann wird sich alsbald ein 300-Milliarden-Loch an Steuerausfällen auftun - für die Handlungsmöglichkeiten der Regierenden in Berlin ist das in etwa so desaströs, als hätte man einem Uhrmacher vor der Reparatur einer filigran gearbeiteten Taschenuhr ein Paar Boxhandschuhe übergestreift. Viel geht da nicht mehr.

Merkel hat Seehofers Sound im Ohr

Aus Bayern aber hat der ewige Chefpopulist Horst Seehofer den Sound der nächsten Wochen schon vorgegeben: Man dürfe, so der CSU-Chef erstaunlich offenherzig, nach der Steuerschätzung auf keinen Fall den Eindruck erwecken, man habe keinen Gestaltungsspielraum mehr. Seehofer hat mit seiner stets als Politik verklausulierten Dauerhampelei noch nie den Eindruck erweckt, er habe keinen Gestaltungsspielraum mehr. Wahrlich nicht. Und nun hat auch Angela Merkel diesen Sound im Ohr. Getriebene will sie in der Krise nicht sein. Nicht so kurz vor der Bundestagswahl. Nicht sie, der das Image der ewig Zögerlichen ja ohnehin anhaftet. Das eigene Image wird zur entscheidenden Triebfeder für Ihr politisches Handeln, die Kanzlerin zur Bewegungstherapeutin ihrer selbst. Soweit ist es nun also auch bei ihr gekommen.

Und so löst die Kanzlerin gerade den Optionsschein auf bessere Zeiten, die - niemand weiß wann genau - irgendwann in den Jahren 2010 folgende kommen sollen. Wenn denn das Wachstum zurück ist. Vielleicht. Ein "Dreiklang" soll dann erklingen aus Schuldentilgung, Investitionen in Innovationen und steuerlichen Entlastungen.

Nur: Der harmonische Dreiklang hat schon zu besseren Zeiten nicht besonders gut geklappt. Die Aussichten, dass dies in der kommenden Legislaturperiode gelingen wird, sind in etwa so hoch wie die von Opel, den Mutterkonzern General Motors zu übernehmen. Das geht nicht.

Wer hört auf Horst Köhler?

Horst Köhler, der Bundespräsident, hat jüngst den Regierenden mal wieder einen Rat gegeben. "Nehmt die Bürger ernst," hat der Präsident gemahnt, "keine Schaukämpfe, keine unhaltbaren Versprechen." Es hat nicht den Anschein, als dass der Präsident in den letzten Wochen seiner ersten Amtsperiode damit auf besonders offene Ohren stieße. Wahlkampf bleibt Wahlkampf - Krise hin oder her. Da spielt die wirtschaftliche Realität und die politische Vernunft offensichtlich auch bei der Bundeskanzlerin nur eine untergeordnete Rolle. Als paradox wird das nur der empfinden, der die Spielregeln der Berliner Politik nicht durchschaut.

Ein Kommentar von Axel Vornbäumen
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
kalypso (06.05.2009, 09:13 Uhr)
Steuersystemrevolution - Produktionsfaktor-Einsatz statt Einkommen besteuzern
Um in Sachen der öko-kreativen Revolution konkreter zu werden: ihr Kern wird eine Steuersystem-Revolution sein. Statt Leistungseinkommen und Wertschöpfung zu besteuern werden die Produktionsfaktoren Arbeit, Energie, Sachkapital, Immobilien mit einer Steuer belegt - und daraus auch noch der Produktivitätsfortschritt in Form eines Zweiteinkommens verteilt. Das ist der Stein der Evolutions-Genialität, mit dem alle machtinteressen-kampf erzwungene Fehlentwicklungen global und national beendet.
kalypso (06.05.2009, 09:02 Uhr)
Spielregeln der öko-kreativen Revolution
"Wahlkampf bleibt Wahlkampf - Krise hin oder her. Da spielt die wirtschaftliche Realität und die politische Vernunft offensichtlich auch bei der Bundeskanzlerin nur eine untergeordnete Rolle. Als paradox wird das nur der empfinden, der die Spielregeln der Berliner Politik nicht durchschaut."
Wir sind mitten in einer vorrevolutionären Lage - wie 1789 - hin auf eine öko-kreative Weltordnung. Deren Spielregeln sollte man kennen, um Angela Merkel richtig zu verstehen. Sie kennt die Steuerungssystem-Innovationen der neuen Weltordnung und das Steuersystem der öko-kreativen Gesellschaftsordnung. Die Berliner Spielregeln des Weiter-So und der Wahlkämpfe gelten schon lange nicht mehr. Die deutsche 6%-Wachstumsabsturzkrise macht alles neu - wie der 2. Mai 1989, als der Schießbefehl an der ungarischen Grenze aufgehoben wurde. Wer unter 'Angela Merkel verstehen' googelt, kann Merkels kreatives Geheimnis nachlesen.
Countryjoe (06.05.2009, 06:05 Uhr)
Nach der Wahl
Nach der Wahl wirds richtig krachen. Momentan läuft ja der teuerste Wahlkampf aller Zeiten in welchem Macht-Merkel die Auswirkungen der Krise mit allen Mitteln kaschiert. Die Zeche wir der Bürger nach der Wahl zahlen wenn er die Politik wieder sch...egel ist. Dann kommt die Massenarbeitslosigkeit und in Folge die Massenarmut. Aber macht ja nichts solange die Politkaste und ihre Kumpels die Manager sich hemmungslos selbstbedienen und mit unseren Steuergeldern vollsaugen können. Leider ist rot-rot-grün keine Alternative, sondern bringt nur den Schuß an Totalitarismus mehr der unsere Demokratie endgültig ad absurdum führt.
bestoff5 (05.05.2009, 23:09 Uhr)
Die Frau hat...
...keine Ahnung und davon eine ganze Menge.
Wer das bisher noch nicht gemerkt hat ist selbst schuld.
XenaWilloughby (05.05.2009, 22:31 Uhr)
es wird Zeit fuer einen echten Wandel
...
ein Wandel, nachdem selbst Politiker mal nach Leistung und Kompetenz bewertet werden (waere mal ganz was Neues)
ein Wandel, wom ALLE zurueckschrauben muessen, und nicht die werte Politiker-Elite aussen vor bleibt (aler die Herrschaften machen weiterhin fetten Urlaub auf Staatskosten und nennen es dann "Dienstreise")
ein Wandel, den Deutschland dringend braucht! Also schiesst um Gottes Namen diese Alte ab !!! (damit ist unsere Koenigin Merkel UND das politische System gemeint)!
mackeldei (05.05.2009, 22:21 Uhr)
Milliardenloch
In der damaligen Chaos rot -grün Regierung hatten wir ein Milliardenloch im Haushalt auch ohne Finanzkrise .Der Euro Stabilitätspakt wurde nie eingehalten. Jetzt haben wir eine weltweite Finanzkrise und die Mehrheit der Deutschen ist froh ,dass Merkel Bundeskanzlerin ist und bleibt.
Angel_of_Mercy (05.05.2009, 21:19 Uhr)
Merkel und Bewegungstherapie,
das ist wie Horst Köhler und Bürger ernst nehmen. Das Änschie kann nur eines, mit hektischer Betriebsamkeit von Konzeptionslosigkeit, mangelnder Leistung und mangelndem Arbeitswillen ablenken. Außer intrigieren kann die doch nichts und hat nie etwas anderes gekonnt. Ich hoffe sie säuft sang und klanglos ab und wird in Schimpf und Schande aus dem Kanzleramt gejagt. Diese wandelnde Knopfleiste ist seit ihrem ersten Tag eine Peinlichkeit für unser Land, da kann auch die Boulevardpresse a la Bild und Bunte nichts daran ändern.
Und wer bitteschön will noch den Hampelmann ernst nehmen, welcher das Amt des Bundespräsidenten innehat.
Horst Köhler hätte die Büreger ernst nehmen sollen als er im IWF noch was zu sagen hatte, aber auch er ist mittlerweile so Amtsgeil geworden, dass er seine Wiederwahl zum Staatsoberhaupt nicht durch einen Besuch in seinem Geburtsort gefährden will. Einzig weil Änschies persönliche Freundin, eine gewisse Erika Steinbach sich mit dem Verlust der ehemaligen Reichsgebiete in Polen nicht abfinden will. Das ist pervers.
havit (05.05.2009, 20:47 Uhr)
Hallo Deutschland,
wo bist Du? Es wird Zeit, dass jemand auf den Tisch haut und die verschlafene Regierung an ihren Auftrag erinnert. Für das, was in den letzten Tagen abgeliefert wurde, braucht man keine Regierung, da reicht ein Klassenzimmer irgendeiner Schule. Zuerst Merkel in Afghanistan, anschliessend lässt sich Steinmeier die Kugeln dort um die Ohren fliegen. Dann wieder der andere Stone, der sich vor lauter Dummheit keine andere Arbeit aussucht wie unsere scheinbare Steueroasen Schweiz, Österreich, Lichtenstein und Luxemburg zu beschimpfen und beleidigen. Dann wird vor lauter Übereifrigkeit verschiedener Herren die GSG9 zurückgepfiffen, weil jeder Recht haben will. Um die wirkliche Arbeit, die Beendigung der Finanzkrise kümmert sich keiner. Da fragt man sich als Steuerzahler, warum man so eine Regierung hat. Im Geldausgeben war die Rot-Grüne Vorgängerregierung schon sehr gut, aber die jetzige große Koalition schießt den Vogel ab. Kein Geld zum ausgeben, keine Einnahmen, aber 500 Milliarden Euro für Banken bereitstellen, die das ganze Schlamassel der Wirtschaftskrise verursacht haben, das ist die Unfähigkeit deutscher Politiker. Hätten alle verantwortlichen Minister ihre Hausaufgaben gemacht, allen voran unser Finanzminister Steinbrück, ginge es Deutschland gut, wenn nicht sogar sehr gut. Da kann man nur hoffen, dass unser Staatsoberhaupt H. Köhler die Regierung zur Pflicht ruft.
Ach-nee (05.05.2009, 20:29 Uhr)
gehoppst wie gesprungen
Ich hatte sie wirklich mal als einen Hoffnungsträger gesehen....aber außer immer den gleichen leeren Sprüchen kommt da leider gar nichts aus ihr heraus----- außer vielleicht demnächst noch ein neuer Rekord im "Aussitzen"... Kohl hat ihr doch gezeigt wie es geht.
kabelmann (05.05.2009, 19:43 Uhr)
Merkel will ihren Kopf über Wasser halten..
... jetzt mal nur so in den Raum geschmissen: Tut sie das nicht schon seit 4 Jahren?
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