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17. Juli 2009, 16:25 Uhr

"Die Große Koalition ist zum Abgewöhnen"

Chaos in Kiel. Die Ehe zwischen CDU und SPD ist gescheitert. Zwar steht die Auflösung des Parlaments noch aus, aber eins scheint jetzt schon sicher: Die Zeit der Liberalen ist gekommen. Martina Fietz hat sich in "Fitz fragt", der Interview-Reihe des Magazins "Cicero", mit dem Fraktionschef der FDP, Wolfgang Kubicki, darüber unterhalten, wie es jetzt weitergehen soll.

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Darf wohl demnächst in Kiel mitregieren: FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki© Maurizio Gambarini/DPA

Herr Kubicki, Sie haben an die Selbstachtung der Sozialdemokraten appelliert, den Weg für Neuwahlen freizumachen. Haben Sie Signale dafür, dass sich eine ausreichende Zahl an SPD-Parlamentariern findet, um dem Wähler ein neues Votum zu ermöglichen?

Es gibt einige Sozialdemokraten, die über das von Herrn Stegner vorgegebene Stimmverhalten nachdenken. Es ist doch niemandem zu vermitteln, dass die SPD einer Selbstauflösung des Landtages nicht zustimmt um hinterher in der Vertrauensfrage des Ministerpräsidenten mit Nein zu stimmen. Diese Inszenierung der politischen Eitelkeiten des Herrn Stegner, die eine Sondersitzung des Parlamentes erforderlich macht, die bis zu 100.000 Euro kosten kann, halte ich für eine echte Schmierenkomödie.

Ist der Vorwurf der SPD nicht berechtigt, dass die CDU hofft, im Sog der Bundestagswahl in Kiel erneut an die Macht zu kommen?

Niemand weiß, was bei der Bundestagswahl herauskommt. Tatsache ist, dass unter taktischen Gesichtspunkten die Union viel früher hätte wählen lassen müssen, beispielsweise schon im Jahr 2007, als die Umfragen für die CDU noch im Bereich der 40 Prozent lagen.

Wäre es nicht konsequent, wenn Ministerpräsident Carstensen zurücktreten würde, für den Fall, dass eine Auflösung des Landtags nicht beschlossen werden kann?

Ein Rücktritt von Carstensen würde in der Sache überhaupt nichts bringen, weil das Parlament damit nicht aufgelöst würde. Der Ministerpräsident bliebe dann geschäftsführend im Amt. Fest steht: Das Vertrauen der Koalitionspartner und ihrer parlamentarischen Vertretungen in die Handlungsfähigkeit dieser Landesregierung ist gleich Null. Das haben die Debatten in den vergangenen zwei Tagen hier im Haus gezeigt. Der einzig saubere Weg, den die Verfassung dafür seit 1990 übrigens unter maßgeblichem Zutun der Sozialdemokraten vorsieht, ist die Selbstauflösung des Parlaments. Dass die Sozialdemokraten dies verweigern wollen, zeigt wie tief eine einst stolze Partei wie die SPD in Schleswig-Holstein bereits gesunken ist.

Die Opposition hat schon lange für ein Ende der Großen Koalition plädiert. Kommt der Termin nun zu spät? Ist politischer Schaden entstanden?

Es ist nie zu spät, allerdings ist durch den politischen Stillstand im Land bereits Schaden entstanden. Eine kraftvolle Regierung hätte anders auf die Wirtschaftskrise reagiert. Statt dem Mittelstand zu helfen, Arbeitsplätze zu erhalten und eventuell sogar neue zu schaffen, diskutiert die SPD lieber über Tariftreue und Mindestlöhne. Menschen, die in der Krise jetzt ihre Arbeit verlieren, nützt das gar nichts, das ist einfach nur absurd.

Wenn es zu Neuwahlen käme - Was müsste die Hauptbotschaft im Wahlkampf sein? Wie wollen Sie die Wähler überzeugen, dass Schwarz-Gelb für sie das Richtige sei?

Wir können belegen, dass unsere Politik besser für das Land ist. Hätte die FDP Regierungsverantwortung in Schleswig-Holstein gehabt, dann wäre beispielsweise die HSH-Nordbank aus prinzipiellen Gründen bereits in den Jahren zwischen 2003 und 2005 verkauft worden. Wir hätten 1,6 Milliarden Euro eingenommen, statt jetzt 7,5 Milliarden Euro hineinzustecken. Was wäre uns und den Bürgerinnen und Bürgern in Schleswig-Holstein da im wahrsten Wortsinn erspart geblieben.

Sie sind ein echtes political animal. Macht Ihnen die aktuelle Lage, in der viel Taktieren und Paktieren nötig ist, nicht auch Spaß?

Nein, es macht keinen Spaß mehr, weil die Politik der Großen Koalition eine Politik zum Abgewöhnen ist. Es geht jetzt darum, so schnell wie möglich bessere Lösungen für das Land zu finden, weil Schleswig-Holstein finanziell am Abgrund steht. Diese Sorge treibt mich um und an.

Wenn es zu Schwarz-Gelb käme, welches Amt würden Sie bevorzugen?

Ich bin mit Leib und Seele Parlamentarier. Das Parlament ist der Ort, wo für eine vernünftige zukunftsorientierte Politik gestritten wird und die Mehrheit hergestellt werden muss. Die heutigen Abläufe zeigen, dass zu viele Abgeordnete und Regierungen, die von den Parlamenten getragen werden, das vergessen haben. Es wird Zeit, sie wieder daran zu erinnern.

 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Administrator (21.07.2009, 13:59 Uhr)
Liebe User,
auch wenn das Thema Sie emotional bewegt, müssen wir doch um etwas Mäßigung bitten. Bleiben Sie sachlich und verzichten Sie bitte auf alle die Fäkalsausdrücke und Schimpfworte, die Ihnen zum Thema einfallen.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihre stern.de-Admins
oscarherz (19.07.2009, 20:34 Uhr)
Lügen-Harry
Herr Kubicki, sind sie so tief gesunken, daß sie mit Lügen-Harry regieren wollen?
cobdet (19.07.2009, 19:48 Uhr)
Da würde sich auch ein Kubicki nicht
schämen und gerne Minister unter so einem MP werden ! Genau wie Westerwelle hauptsache Minister und Dienstwagen.
So sehen im Moment die Schlagzeilen in anderen Presseorganen aus
.
Carstensen gesteht unwahre Angaben über Boni
.
Bin ja mal gespannt wie lange die Stern _Redaktion darüber hinweg gehen wird
Intercity (19.07.2009, 13:13 Uhr)
zu Nursery,,,,,
... der Beitrag spricht mir aus der Seele. Wenn man die Vita von Kubicki näher kennt, hört man jedesmal bei seinen Auftritten die pure Heuchelei.
Übrigens ein Vorschlag für alle jene, die mit den 3 sogen. großen Parteien unzufrieden sind: Wählt doch mal den SSW. Dort sind m.E. integere, "unverbrauchte" Leute, die pragmatische Politik machen (ich erinnere mich z.B. gerne an Otto Meyer). Vielleicht wäre es doch mal gut, diese Minderheit am Regieren zu beteiligen. Die haben doch bundespolitisch keine Ambitionen und handeln daher wohl hauptsächlich für Schl.-Holstein. Z.K.: Ich bin aus dem äußersten Süden von SH, also kein Parteigänger. (SSW = Südschleswigsche Wählerpartei = dänische Minderheit).
Nursery (19.07.2009, 12:46 Uhr)
Gerade dieser Rechtsverdreher
Unglaublich das sich gerade dieser Herr als Popanz aufschwingt.Der in Unlauteren Vertragsaffären nach der Wende verwickelt war.Dem Land MeKpom. Millionenschaden durch Windige Geschäfte verursacht hat.So einer der mit seinem Hintern den Job als Parlamentarier im Nebenjob geführt hat und wie Möllemann in einer Kategorie genannt werden muß.Es ist unerträglich das solche Figuren Verantwortung übernehmen sollen.Sie die immer auf ihre eigene Karte gesetzt haben und immer einen guten Schnitt dabei gemacht haben.Die FDP ist die Allerletzte Partei die dem Bürger das zurückgibt was die anderen Politikern ihr vor Jahren schon genommen haben.Das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit.In diesem Fall wird sich ander Konstanten der Mißwirtschaft nichts ändern,außer die Visitenkarten.
Helmers (19.07.2009, 11:07 Uhr)
Schlechte Kommunikation in der SPD war angeblich schuld?
Was ist nun? War es die schlechte Kommunikation in der SPD, die daran schuld war, weil man von nichts wusste? Man wusste schon einen Teil aber doch nichts Genaues? Dann wird von Herrn Stegner in seiner flapsigen Art erklärt: "Die .... (Verantwortliche SPD-Gremiumsmitglieder) waren wohl alle damals unterwegs!"
Ja spinn ich denn oder was reimt der Herr Stegner sich da zusammen, aber gleich auf Carstens losgehen und in öffentlich als Lügner bezeichnen, zusammen auch noch nachträglich mit General Heil und dem Kanzlerkandidaten Frank Steinmeier, früherer Walter. Ja wem wird wohl so eine "Lügenkampagne" schaden wenn nun langsam alles rauskommt?
Corazito3333 (19.07.2009, 11:02 Uhr)
nach dem Motto "packt den Hühnerdieb, aber den Waffenschieber laßt ihr laufen..."
wird dieses System weiterfunktionieren.
Die Politiker kassieren mit, labern und bewerfen sich showmäßig mit Schmutz. Ich erinnere mich an das Auftauchen der Grünen, die bei Dienstreisen bei "den Kollegen" übernachteten wg. Kosten-sparen...
warumdennnicht (19.07.2009, 10:34 Uhr)
In den Bundesländern, in denen die FDP
nicht mit an der Regierung ist, spielen Leute wie Kubicki und andere FDP-Politik-Darsteller immer wieder den Oberlehrer und schwafeln ihre Theorien herunter.
In Bundesländern wie z.B. Baden-Württemberg, wo die FDP schon Jahre mit an der Regierung ist, sieht die Praxis aber ganz, ganz anders aus. Wurde hier vielleicht die Landesbank profitabel verkauft? Nein! Auch hier werden mit großzügiger Hilfe und großspurigem Geschwätz Milliarden an Steuergeldern versenkt, den Bankern in den AllerUNwertesten gesteckt.
FDP = Faseln Die Phrasen
bob-der-meister (19.07.2009, 09:53 Uhr)
Hofberichterstattung
Habe selten so ein anbiederndes Interview in einem unabhängigen Medium gesehen. Wo bleibt der Biss?
Alles nur Plattitüden und Steilvorlagen, damit sich der smarte Herr Kubicki fein in Szene setzen kann.
BTW: Warum muss eine Sondersitzung des Kieler Landtages 100000 Euro kosten? Bekommen die Abgeordneten das noch extra vergütet?
Corazito3333 (19.07.2009, 09:47 Uhr)
Kubicki
das ist ja ein "charakterstarker" Mann, paßt hervorragend in dieser Politikerlandschaft.... ist wirklich alles Gesocks...
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