Könnten die Deutschen den Bundespräsidenten direkt wählen, wäre die Entscheidung sonnenklar: 69 Prozent sprechen sich für Amtsinhaber Horst Köhler aus. Selbst unter Anhängern der Linkspartei genießt er Sympathie. Forsa-Chef Güllner spricht von einer "fatalen Situation" für die SPD.

Auch bei Anhängern der Linkspartei beliebt: Bundespräsident Horst Köhler© Daniel Roland/AP
Die Deutschen würden Horst Köhler wählen. Das ist, kurz gefasst, das Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag des stern. Demnach würden 69 Prozent für den Amtsinhaber stimmen, wenn sie den Bundespräsidenten direkt wählen könnten. Gesine Schwan, die von der SPD nominiert wurde, kommt nur auf 15 Prozent. Der Kandidat der Linkspartei, Peter Sodann, ist für lediglich 5 Prozent ein passender neuer Hausherr auf Schloss Bellevue.
Forsa-Chef Manfred Güllner, der die Umfrage durchgeführt hat, sagt im stern.de-Interview im Café Einstein, dass Köhlers Popularität zuletzt sogar noch gestiegen ist. Das habe auch etwas mit dem Vertrauen in das Amt und die Gewöhnung an dessen Inhaber zu tun. "Wenn der Amtsinhaber keinen Fehler macht, dann wird er eben im Laufe der Zeit beliebt", sagt Güllner. Den Menschen sei nicht verständlich, warum er durch Gegenkandidaten aus dem Amt gekegelt werden sollte.
Erstaunlicherweise genießt Horst Köhler, der vor fünf Jahren von Union und FDP nominiert worden war, auch unter den Anhängern der anderen Parteien große Sympathie. Unter den SPD-Wählern würden sich nach den Forsa-Daten 66 Prozent für Köhler entscheiden (Schwan: 21 Prozent), unter den Grünen-Anhängern 45 Prozent (Schwan: 45 Prozent) und selbst bei der Klientel der Linkspartei steht Köhler hoch im Kurs: 49 Prozent würden für ihn votieren.
Die SPD hingegen werde durch Schwans Nominierung in eine "fatale Situation" geführt, sagt Güllner. "Es ist ja für die SPD in jedem Fall ein Problem, wenn Gesine Schwan wider Erwarten gewinnen würde. Dann hat die SPD die Diskussion am Hals, wie sie es mit der Linkspartei hält. Sie kann ja nur mit den Stimmen mit der Linken gewinnen. Wenn sie verliert, hat die SPD wieder das Verlierer-Image."
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