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Krieg der Discounter: Wie Aldi Lidl auf Abstand halten will

Lidl sitzt dem weltgrößten Lebensmitteldiscounter Aldi im Nacken: Mit neuen Märkten hat der Erzrivale seine Umsätze ausgebaut. Doch Aldi holt zum Gegenschlag aus - mit einem radikalen Umbau des Discounters. 

  Lidl ist europaweit die Nummer eins bei den Discountern. Aldi will nicht kampflos aufgeben - und holt zum Gegenschlag aus.

Lidl ist europaweit die Nummer eins bei den Discountern. Aldi will nicht kampflos aufgeben - und holt zum Gegenschlag aus.

Die Markenpräsenz von Aldi ist enorm: 99 Prozent aller Deutschen kennen den Discounter. Das Geschäft der Gebrüder Albrecht war der Startschuss für die Ausbreitung der Discounter, zunächst in Deutschland, dann weltweit. Aldi Nord und Süd betreiben insgesamt knapp 10.000 Filialen. Aber Lidl holt auf. Die Nummer zwei in Deutschland expandiert in Rekordtempo. Doch kampflos will der Discounter-König Aldi die Marktführerschaft nicht hergeben. Der Konzern arbeitet an einem radikalen Neustart.

Aldis neue Nobel-Märkte 

Die Spaltung in Aldi Nord und Süd zeigt sich in der unterschiedlichen Ausrichtung der Discounter: Der Norden hat lange mit eiskalter Sparpreis-Politik gewirtschaftet, der Süden setzt auf Expansion im Ausland. Und das nicht nur mit der traditionellen Methode - billige Produkte im billigem Ambiente -, sondern mit ganz neuen Ideen. In Australien und England testet Aldi derzeit besonders noble Lebensmittelmärkte, die mehr an einen hochpreisigen Supermarkt und weniger an den Euro-Platten-Charme von Discountern erinnern. Aber auch in Eglharting-Kirchseeon im Umkreis von München probiert der  Discounter Neues aus, berichtet die "Wirtschaftswoche". Eine breite Glasfront, Holzbänke, ein Kaffeeautomat zieren den Markt, im Hintergrund läuft Musik - und auch eine Kundentoilette mit Wickeltisch gibt es jetzt.

Supermärkte setzen Discounter unter Druck

Mit der neuen Service-Offensive reagiert Aldi nicht nur auf die Konkurrenz durch Lidl, sondern kontert auch die Angebote anderer Supermärkte aus. Die haben sich das Sortiment der Discounter genau angesehen und haben nun auch günstige Eigenmarken, die preislich direkt mit den Angeboten der Discounter konkurrieren. Aldi hingegen sieht sich längst nicht mehr nur als billiger Grundversorger, der Discounter will es auch mit Rewe, Edeka und Co. aufnehmen. 

Markenprodukte bei Aldi und Lidl

Und dazu holt sich der Billgheimer immer mehr Markenprodukte in die Regale. Auftakt war vor drei Jahren Coca-Cola. Inzwischen sind Lenor-Weichspüler oder o.b.-Tampons auch beim Discounter zu haben. 2015 sorgte diese Markenstrategie für große Wellen in der Branche, denn  Aldi diktierte plötzlich die Preise.  Und die Markensupermärkte zogen nach. Laut der "Wirtschaftswoche" sind in den vergangenen Jahren rund 300 Artikel neu ins Sortiment aufgenommen worden. 

Lidl will aufholen

Seit Jahren bastelt Lidl an einer Aufholstrategie. In Deutschland kam Lidl 2014 auf mehr als 20,3 Milliarden Euro Umsatz, Aldi Nord und Süd erzielten gemeinsam mehr als 27 Milliarden Euro. Zuletzt eröffnete der Discounter europaweit neue Filialen, der Umsatz kletterte auf rund 63 Milliarden Euro, berichtet die "Wirtschaftswoche"

Doch die Neckarsulmer Schwarz-Gruppe, zu der Lidl gehört, reicht der ewige zweite Platz nicht, der Konzern will mehr. Zusammen mit der Supermarktschwester Kaufland will der Konzern in den kommenden fünf Jahren die Umsatzmarke von 100 Milliarden Euro knacken. Dafür stellt das Unternehmen ein milliardenschweres Umstrukturierungsbudget bereit: Bestehende Filialen vergrößern und modernisieren, neue Geschäfte eröffnen - und neue Märkte erobern. 2018 will Lidl in den USA an den Start gehen. 

2018 wird auch für den Rivalen Aldi Süd ein interessantes Jahr in den USA werden. Dann will der Discounter mindestens 2000 Filialen in Amerika betreiben. 

Entscheidung fällt in den USA

Sowohl für Aldi als auch für Lidl ist der europäische Markt kaum noch für Wachstum gemacht. Hart umkämpft und discountergesättigt treibt er beide Unternehmen über den Atlantik. Das US-Geschäft verspricht noch Marge, Discounter-freie Zonen und weniger Wettbewerbsdruck. Klar ist: Sollte Lidl die USA erobern, könnte das Unternehmen vorbeiziehen und der weltgrößte Discounter werden. Aldi plant bis 2018 rund 650 neue Filialen in den USA. Hält das Unternehmen die Expansionsgeschwindigkeit könnte Amerika zu einem wichtigeren Markt als Deutschland werden. Der Krieg der Discounter würde sich dann auf der anderen Seite des Ozeans entscheiden. 

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