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18. Juni 2002, 16:00 Uhr

Juni-Hitze lässt Büro-Bevölkerung stöhnen

Die ungewöhnliche Hitze hat Deutschland heute heiß erwischt: Bei Temperaturen von mehr als 35 Grad leiden besonders diejenigen, die im Job dem Kleiderzwang unterworfen sind.

Tropische Hitze mit Temperaturen knapp über 30 Grad© dpa

Die ungewöhnliche Juni-Hitze hat Deutschland heute heiß erwischt: Bei Temperaturen von mehr als 35 Grad herrschte vielerorts Stöhnen über die tropische Stimmung. Meteorologen sprachen von der größten Hitze im Juni seit Beginn der Temperatur-Aufzeichnung. Betroffen waren vor allem diejenigen, die nicht die Vorteile eines klimatisierten Büros genießen konnten und in krawattenträchtigen Branchen arbeiten.

Klima- oder Kühlanlagen sind zwar in den meisten deutschen Bürogebäuden längst Standard, dafür herrschte bei einer mit Anzügen reich ausgestatteten Großveranstaltung Gluthitze: In der nicht klimatisierten Festhalle des Frankfurter Messegeländes litten die Delegierten des CDU-Parteitages unter der drückenden Schwüle. Programmheftchen mussten als Fächer herhalten, und die Partei spendierte eine extra Flasche Mineralwasser für jeden. Manche Politikerin zeigte ungewöhnlich viel Bein, nicht jedoch Parteichefin Angela Merkel, die im gewohnten Hosenanzug erschien.

Auch andernorts wurde in der Politik stark geschwitzt: Etwa in den oberen Büro-Etagen des Schweriner Landtags, wo es auch keine Klimatisierung gibt. Ein Sprecher kommentierte die Hitze lakonisch: »Da Politiker allgemein hoch hinaus wollen, müssen sie jetzt auch damit fertig werden.«

In vielen Ämtern herrscht jedoch keine Kleiderordnung - »jeder darf anziehen, was er will«, sagte ein Sprecher des Berliner Bezirksamts Spandau. Anders dagegen die bayerische Justiz: Gerüchte von Amtsrichtern in Lederhose und mit den Füßen im Wassereimer seien Sagen, erklärte ein Sprecher in Münchner. Auch bei größter Hitze trügen alle Richter weißes Hemd mit weißer Krawatte unter der schwarzen Robe. Lediglich Sandalen seien der richterlichen Unabhängigkeit unterworfen.

Für die Welt der Büroangestellten wies die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di auf die gesetzlichen Bestimmungen am Arbeitsplatz hin. Arbeitgeber müssten kalte Getränke zur Verfügung stellen, um die Arbeit bei Hitze erträglich zu gestalten, sagte ein ver.di-Sprecher in Frankfurt am Main. In geschlossenen Räumen müsse eine verträgliche Temperatur herrschen. Eine Temperaturgrenze, ab der Arbeit unzumutbar sei, gebe es jedoch nicht.

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