. .
News am 13.02.2012
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
22. April 2008, 06:27 Uhr

Vertrauen war gestern

stern und stern.de haben die systematische Überwachung von Angestellten im Einzelhandel aufgedeckt. Wir dokumentieren zwei Fälle von Mitarbeitern, die überwacht und entlassen wurden. Ein Lehrstück, wie Arbeitgeber und Arbeitnehmer miteinander umgehen. Von Malte Arnsperger, Axel Hildebrand und Frank van Hoorn

Überwacht, ausgehorcht, entlassen: Im deutschen Einzelhandel trauen viele Unternehmen ihren Mitarbeitern nicht über den Weg© Steffen Füssel/DPA

Im deutschen Einzelhandel werden Mitarbeiter nach Recherchen des stern und stern.de systematisch überwacht. Discounter wie Lidl, Penny, Plus, Netto und Norma setzen versteckte Kameras und Detektive ein, um ihre Beschäftigten zu kontrollieren. Aber auch Märkte wie Rewe, Edeka, Tegut, Hagebau oder Famila ließen ihre Mitarbeiter bespitzeln und die Beobachtungen schriftlich festhalten.

Die Enthüllungen haben auch eine Diskussion über die Atmosphäre am Arbeitsplatz ausgelöst. Unter welchen Bedingungen arbeiten Menschen heute in Deutschland? Wie gehen Chefs mit ihren Angestellten um? Und: Sind Moral und Anstand zu Füllwörtern politischer Talkshows verkommen?

Angestellte haben Angst, sich zu äußern

stern.de erreichte in den vergangenen Tagen und Wochen eine Vielzahl von Schilderungen Betroffener: Mal ging es um den Bezirksleiter eines Discounters, der einer Angestellten bis auf die Toilette gefolgt sei. Mal um einen Mitarbeiter, der beim vermeintlichen Klauen erwischt worden war, seine Unschuld beteuerte, aber unter Druck ein Schuldanerkenntnis über 53.000 Euro unterschrieb. Und mal berichtete eine Angestellte, dass der Chef beim Arzt angerufen habe, um zu erfahren, welche Krankheit sie hat.

Die meisten Angestellten haben Angst, dass ihr Arbeitgeber von ihren Schilderungen erfährt und deshalb gelangen die wenigsten Fälle an die Öffentlichkeit. stern.de ist exemplarisch zwei Fällen, in denen Mitarbeiter sich trauten offen zu reden, nachgegangen und hat die Unternehmen damit konfrontiert.

Zwei Fälle werden exemplarisch vorgestellt

Im ersten Fall wurde einer Lidl-Kassiererin ein Testkäufer zum Verhängnis, der ihr angebliches Fundgeld ablieferte. Die Frau gab es nicht rechtzeitig ab. Unter Druck habe sie ein Schuldanerkenntnis unterschreiben müssen - und wurde entlassen.

Im zweiten Fall wurden zwei Edeka-Mitarbeiter eines Diebstahls beschuldigt, den sie jedoch abstreiten. Nach eigener Aussage wurden sie mehrere Stunden von zwei Detektiven festgehalten, am Ende unterschrieben sie ihre eigene Kündigung, der Text wurde ihnen diktiert.

Verdi: "Solches Verhalten ist gang und gäbe"

"Solches Verhalten ist bei allen Discountern gang und gäbe", sagt Achim Neumann, Handelssekretär bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in Berlin stern.de. Den Firmen seien Straf- oder Arbeitsrechtsverfahren zu langwierig, deshalb würden sie die Angestellten unter Druck setzen. "In Situationen der Angst unterschreiben die Menschen ihr eigenes Todesurteil. Und das wirkt wie ein Schuldanerkenntnis." Sollten die Darstellungen der Angestellten bei Edeka stimmen, sie würden über Stunden festgehalten, wäre das Freiheitsberaubung, so Neumann.

Es sind Einzelfälle und wir wissen nicht, welche Partei hier letztlich Recht hat. Aber sie sagen - zusammen mit den Enthüllungen über die systematische Überwachung bei Lidl und Co. - etwas darüber aus, wie Arbeitgeber und Arbeitnehmer in diesem Land miteinander umgehen.

Mehr zum Thema ...

Mehr zum Thema ... ... im aktuellen stern. Darin: Lidl ist überall. Versteckte Kameras gibt es nicht nur beim Discounter. Neue Schnüffelprotokolle zeigen, wie Arbeitnehmer ausgespäht werden. Und: Die gängigsten Überwachungsmethoden im Überblick. Sowie: Was darf der Arbeitgeber - und was nicht: Antworten auf die 55 wichtigsten Fragen.

  zurück
1 2 3
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Mitarbeiterüberwachung Versteckte Kameras auch bei Aldi

Bislang konnte Aldi keine Überwachung von Mitarbeitern nachgewiesen werden. Er würde seine Hand dafür ins Feuer legen, dass im Unternehmen keine Mitarbeiter bespitzelt werden, sagt ein ehemaliger Aldi-Geschäftsführer. Doch nach stern.de-Informationen sind in einzelnen Aldi-Süd-Filialen versteckte Kameras in Feuermeldern installiert. mehr...

Mitarbeiterüberwachung "Die Chefs wollen alles wissen"

Die Methode Lidl hat offenbar System: stern.de im Gespräch mit einem Detektiv, der im Auftrag von Rewe, Plus und Co. Mitarbeiter überwacht - seit über zehn Jahren. mehr...

Mitarbeiterüberwachung Was darf mein Chef?

Versteckte Kameras und Dauerbeobachtung: Seit stern und stern.de die Bespitzelung von Mitarbeitern im Handel aufgedeckt haben, wächst bei Angestellten die Unsicherheit: Wie weit darf die Kontrolle durch den Vorgesetzten eigentlich gehen? Arbeitsrechtsexperten geben Antwort auf die wichtigsten Fragen. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Partnerangebot Bankenvergleich Bankenvergleich Anbieter wechseln, Geld sparen

Ist Ihr Girokonto wirklich günstig? Haben Sie das beste Tagesgeld-Konto? Finden Sie es heraus: Mit dem unabhängigen Bankenvergleich. mehr

 
 
 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (7/2012)
Unser täglich Fleisch