
Ein "Powertalk"-Teilnehmer zeichnete diese Karikatur des Dozenten. Treffend.© Mildner & Associates
Mildners Seminare sind speziell zugeschnitten auf Manager und Menschen, die im Vertrieb und Verkauf tätig sind. In seinem Krawall-Stil bietet er auch Seminare für Gruppendiskussionen, Verhandlungsführung, Vertriebsschulung und Kameratraining an. "Es gibt viele Tausend Seminaranbieter in Deutschland, irgendwie muss ich mich aus der Masse abheben", sagt Mildner. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Mildners Seminare sind auch auf Mildner zugeschnitten.
Andreas K. Mildner, 33, trägt fast jeden Tag eine andere Brille, rund 20 Modelle nennt er sein Eigen. Er arbeitet ungefähr sieben Tage in der Woche und prahlt damit, seit 13 Jahren keinen Urlaub gemacht zu haben. Geboren und aufgewachsen ist er im Allgäu, war schlechter Realschüler, guter Kampfsportler, dann Nahkampfausbilder bei der bayerischen Polizei, der begonnenen Ausbildung zum Scharfschützen machte ein Sehtest ein Ende. Nach verschiedenen biografischen Schlenkern folgten vier Jahre als freier Pharmavertreter. Klinken putzen, Autos voller Produktproben - Jahre, die geprägt haben: "Auf jeden Trick, den ich heute vermittele, bin ich irgendwann selbst einmal hereingefallen", erinnert sich Mildner. Und nebenbei sammelte er so ziemlich alles an Zusatzqualifikationen in Moderation, Rhetorik, Verkaufspsychologie und neuro-linguistischem Programmieren, was es ohne Abitur zu erlangen gibt. "Ohne die Scheine wird man nix", meint Mildner trocken. Er wurde etwas, war verantwortlich für den Bereich Erwachsenenbildung bei den Personalberatern von Olivetti/PEBG, entwickelte Vertriebsstrategien bei Eurocard/Mastercard, für die Baumann Unternehmensberatung arbeitete Mildner als Personalberater und Headhunter. 2001 machte er sich mit Mildner & Associates als Seminaragentur und Beratungsgesellschaft selbstständig. "Und heute kommen hoch bezahlte Menschen zu mir, die alle eine viel bessere Ausbildung haben als ich, und lassen sich etwas beibringen, von mir, einem schlechten Realschüler", sagt Mildner und grinst. Grinst triumphierend.
Angesichts dieser Biografie verwundert es wenig, wenn Mildner hinter seinen hellblau getönten Brillengläsern nicht einmal mit der Wimper zuckt, wenn er Dinge sagt wie: "Für mich ist alles Kampfsport. Jedes Seminar, jede Verhandlung - alles nur ein Spiel, ein Wettkampf". Dabei ist gewinnen alles. Das Leben, ein nie endendes Verkaufsgespräch, das Produkt ist man selbst. Mildner und wie er die Welt sieht - das spiegelt sich auch in der Gestaltung von Powertalk wider. Neben bereits beschriebenen eher technischen Aspekten des Redenhaltens geht es im Seminar natürlich auch um Inhaltliches: Über den korrekten Aufbau von Reden, die sinnvolle Ansprache der jeweiligen Zuhörer wird viel Richtiges und Wichtiges gesagt. Zwischendrin hagelt es aber auch Weisheiten im Sinne von "Argumentation muss logisch sein, aber nicht wahr" oder die These, dass auch eine Geburtstagsrede nur der Selbstdarstellung des Redners zu dienen habe. Die letzten Fragen, wie der Dozent tickt, beantworten sich von selbst, als das Thema auf die Trauerrede kommt. Mildners Rat ist kurz und knapp: "Wenn möglich ablehnen. Dabei kann man nur verlieren."
Andreas K. Mildners "Powertalk" ist in seiner Art außergewöhnlich und mit 1290 Euro (plus Mwst.) alles andere als preiswert. Jeder Teilnehmer sollte sich gut überlegen, ob er sich die rabiaten Methoden des Dozenten, der mit seinen Provokationen auch mal über das Ziel hinausschießt, über drei sehr anstrengende Tage antun möchte. Die größten Stärken des Seminars liegen im Bereich des reinen Trainings von Redesituationen unter schwierigen Bedingungen. Schon aus diesem Grund hat sich für mich der Besuch des Seminars gelohnt. Hier kann jeder profitieren. Wer nicht direkt in Mildners Zielgruppe - Manager, PR-Berater, Vertriebler - gehört, muss sich aus dem Rest des Programms seinen persönlichen Nutzen suchen und die extrem ökonomistische Weltsicht des Dozenten über sich ergehen lassen. Dann ist "Powertalk" eine Gewinn bringende Herausforderung.