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28. Oktober 2008, 17:39 Uhr

Der American Dream ist ausgeträumt

Die Arbeitslosenzahlen in New York steigen fast schneller als die Kurse an der Wall Street sinken. Viele Banker suchen neuen Arbeitsplatz - so wie Joshua Persky. Der ehemalige Investmentbanker ging nach Monaten der vergeblichen Jobsuche in eine ungewöhnliche Werbeoffensive. Von Sonja Hartwig, New York

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Joshua Persky macht auf den Straßen von New York für sich Werbung© Spencer Platt/Getty Images/AFP

Als die guten Tage an der Wall Street schon beendet schienen, das gesamte Ausmaß der Katastrophe aber noch nicht wirklich klar war, ging Joshua Persky auf die Straße. Er schlüpfte in einen Nadelstreifenanzug, band sich eine Krawatte um und um Rücken und Bauch ein Schild. Darauf: "Erfahrener Eliteuni-Absolvent sucht Job - Telefon: 917 650 8700". In der Hand hielt er einen Packen Handzettel. Keine Reklame. Sondern seinen Lebenslauf. Eine Werbeoffensive in eigener Sache, mitten auf der Park Avenue, New Yorks teuerster Straße. Die Citibank, bis vor kurzem das größte Geldinstitut der USA, hat hier ihren Sitz. In der Finanzkrise ist die Bank mit Abschreibungen von 60 Milliarden Dollar mit am härtesten betroffen. 11.000 Angestellte mussten seit Juni ihren Job quittieren.

Joshua Persky, 48, war schon vor neun Monaten Schluss: Sein Arbeitgeber, die Investmentfirma Houlihan Lokey, strich im großen Stil Stellen. Kurz vor Weihnachten wurde Persky arbeitslos. Seitdem schrieb er hunderte von Bewerbungen, stellte sich bei Firmen vor, nutzte sein über Jahre aufgebautes Netzwerk - vergebens. Perskys größter Gegner war die Zeit. Was mit einer Blase am Hypothekenmarkt begann, hat mittlerweile das Weltfinanzsystem ins Wanken gebracht. Zehntausende verlieren ihren Job. Die Arbeitslosenquote in New York City stieg im August von 5,0 auf 5,8 Prozent - der höchste Zuwachs innerhalb eines Monats, seitdem die Zahlen in den USA erhoben werden.

Fast glimpflich kommt die Finanzbranche davon

Die Konsequenzen lassen sich bislang nur erahnen: Im vergangenem Jahr war die Wall Street verantwortlich für fast ein Drittel aller Gehälter, für elf Prozent aller Arbeitsplätze in der Stadt. An jedem hoch bezahlten Finanzjob hängen mindestens zwei weitere Arbeitsplätze, vor allem aus dem unteren Einkommensbranchen: Kellner und Kuriere, Chauffeure und Cappuccino-Verkäufer. In den nächsten zwei Jahren könnten bis zu 165.000 Menschen arbeitslos werden, sagen neuste Berechnungen der New Yorker Stadtverwaltung. Fast glimpflich kommt die Finanzbranche davon: 35.000 Entlassungen sind prognostiziert.

Amerika stellt sich auf harte Zeiten ein. Das Durchschnittseinkommen pro Haushalt wird 2010 Schätzungen zufolge niedriger liegen als ein Jahrzehnt zuvor. Erstmals seit 1930 hätten die Bürger auf lange Sicht gesehen nicht mehr, sondern weniger in der Tasche. Das schlägt auf die Stimmung: Nichts bereitet den Amerikanern schlechtere Laune als eine negative Einkommensentwicklung. Jede Rezession in der Geschichte des Landes hat bislang für eine Lohnkürzung zwischen drei und sieben Prozent für die Durchschnittsfamilie gesorgt. Erst viel später als an den Börsen - meist nach drei Jahren - stabilisierte sich die Finanzsituation der normalen Haushalte.

Trübe Jobaussichten für den elitären Nachwuchs

Der American Dream ist ausgeträumt - so denkt vor allem die junge Generation. Im Juni, vor den großen Börsenturbulenzen, sagte die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen in einer Umfrage der Rockefeller Stiftung, dass es mit ihrem Land nur noch bergab gehe und dass die USA in den 1990er Jahren ein besserer Ort zum Leben war. Dem weit verbreiteten Pessimismus trotzen diejenigen, die allen Grund zur Besorgnis hätten: Die Absolventen der Wirtschaftsschulen. Jian Yang, 25, Student an der "Graduate Business School" in Chicago, ist sich sicher: "Wenn du hart arbeitest und bereit bist dich aufzuopfern, findest du einen Job." Sein Studium wird er mit einem Schuldenberg von 200.000 Dollar abschließen.

Trübe Jobaussichten für den elitären Nachwuchs. Die Zahl der Bewerbung an den Business Schools steigt dennoch. Das Wall-Street-Chaos schreckt nicht ab. Und das, obwohl die nächste Brokergeneration die Krise unmittelbar zu spüren bekommt: J.P Morgen Chase, Deutsche Bank und Lehman Brothers haben ihre Aufnahmegespräche Anfang des Semesters gestrichen. Adam Hallowell, 20, Wirtschaftsstudent an der Harvard-Universität, nimmt es gelassen: "Meiner Generation wurde von Anfang an eingebläut, dass wir flexibel sein müssen. Damit fangen wir jetzt an."

Die Krise ist auf den kleinen Mann durchgeschlagen. Der Restaurantbesitzer im Finanzviertel, der vor allem von Businessessen der großen Banken lebte, spürt es genauso wie der Fleischer in der Bronx, der Vertragsspezialist aus Brooklyn, die Organisatorin von Bustouren, der Autoverkäufer in New Jersey und der Fahrradverkäufer in Queens. Sechs Kleinunternehmer, die die "New York Times" in einer neuen Serien in den nächsten Monaten durch die Krise begleitet - Dokumentation eines schleichenden Untergangs? Wer kommt durch?

Persky stand vor den Trümmern seines Traums

Joshua Persky hatte nach seiner Kündigung damit gerechnet, einen besseren Job in der Finanzwelt ergattern zu können. Dann kam das gewaltige Börsenerdbebeben. Und Joshua Persky stand vor den Trümmern seines Traums: Ein eigenes Heim an der Upper East Side. Mit Pool und Pförtner. Aufgelöst. Persky lebt heute bei seiner Schwester. Frau und Kinder sind aufs Land gezogen, 1200 Meilen westlich nach Nebraska, zur Mutter. "Meine Kinder wissen nicht, was eine Schallplatte ist oder ein Kassettenrekorder. Sie werden auch Bear Stearns, Lehmann Brothers und Merrill Lynch nicht mehr kennenlernen", schrieb Persky im September in seinen Blog. Es war der erste Tag des katastrophalen Kursabsturzes.

Einen neuen Job hat er noch nicht, aber einen vollen Terminkalender. Nachdem die New Yorker Zeitungen Post, Sun und Times seine Geschichte druckten, ging sie um die Welt. Sein Telefon steht kaum still, das E-Mail-Postfach quillt über. Marie aus Mönchengladbach, die gerne BWL studieren würde, schreibt ihm: "Ich habe Angst davor, dass mich das gleiche Schicksal ereilen könnte." Und aus Hong-Kong kommt der Rat: "Wenn du keinen Job in den USA findest, verschwende keine Zeit und komm hierher. Hier gibt's genügend Arbeit."

Joshua Persky - eines der vielen Gesichter des globalen Finanzdesasters. Eigentlich wollte er nur einige Lebensläufe verteilen und einen neuen Job finden. "Stattdessen bin ich weltberühmt geworden. Und das fürs Arbeitslos sein."

Von Sonja Hartwig, New York
KOMMENTARE (10 von 13)
 
frank77777 (26.10.2008, 12:27 Uhr)
@putinki & CO
Ihr seid doch Masochisten ?
Dankbare Sklaven, den Kapitalisten sind Typen wir Ihr wie Schosshündchen, die dankbar aus dem Hundenapf schlürfen, nach getaner Arbeit für das Herrchen. Und nur weil ihr auch mal so werden wollt (das aber niemals schafft) träumt ihr den American Dream. Das ist genau der Trick, der für Feingeister wie Euch reicht, um den Idioten für die Neokapitalisten zu spielen.
Johann58 (26.10.2008, 11:57 Uhr)
American Dream
Wer von den Schlauschreibern hat sic denn mal persoenlich mit dem American Dream auseinandergesetzt? Der Autor hat voellig recht. Der American Dream ist im Grunde nicht anders als der German ode rEuropean Dream. Job, Familie, grosses Haus, dickes Auto. Fertig ist der American Dream und wo ist da das Besondere. Der Unterschied ist im Wesentlichen der, dass in Teilen der USA die Klassenunterschiede nicht die selbe Rolle spielen wie in Europa wo im Allgemeinen nur die die Traeume verwirklichen koennen, die das seit Jahrhunderten tun. Aber die Selbstheilungskraefte sin d auch in den USA nicht mehr das was sie mal waren.
107Summer (26.10.2008, 11:54 Uhr)
Wer...
...will schon ungelernte Fachidioten (BWL), ein Pseudo-Beruf und dafür haben die auch noch studiert. Anderswo findet man solche Nieten auf nem Basar irgendwo in Afrika.
bernie-abg (26.10.2008, 11:45 Uhr)
@STR_EDDS...
..."Hier im LAnd der Weicheier, Jammerlappen und Neidhasser schreit man zuerst laut nach dem Staat, lässt aber sich elsbt, seinen Nächsten und somit auch die Solidargemeinschaft im Stich."...
DAS klingt aber verflucht nochmal sehr nach amerikanischen Großbanken und den anderen offensiven Verfechtern des Neoliberaismus welche zu gerne die Gewinne ihrer verbrecherischen Machenschaften einheimsen und die Verluste auf die Solidargemeinschaft (welcher sie sich vorher elegant entzogen haben) abwälzen. Wenn sie (und Putinki, mramorak u.a.) das für den American Dream halten ist Ihnen nicht mehr zu helfen. Ich hoffe Obama macht das Rennen und hat die Kraft und die Möglichkeit regulierend auf den sogenannten "freien" Markt(den "Frei" ist dieser Markt schon lange nicht mehr, er wird von Oligopolen manipuliert) einzuwirken und den Saustall auszumisten um allen Teilhabe und Aufstieg zu ermöglichen. Das ist der American Dream.
The_Fiddler (26.10.2008, 11:35 Uhr)
It's called the american DREAM
cause you have to be asleep to blieve it!
STR_EDDS (25.10.2008, 13:51 Uhr)
Unterschied
Amercan dream ausgeträumt? Nein. Muss Putinki in allen Punkten Recht geben. Amerikaner stellen sich mit MIT-Grade auf die Strasse und suchen offensiv Arbeit. Bei uns hängen fertig ausgebildete Akademiker im Forum herum und jammern wie die kleinen Kinder sie hätten falsch studiert, keinen Job, etc. Die Selbstheilungskräfte der USA begründen sich zum Großteil auf der Mentalität der Einwohner. Bush hin oder her. Hier im LAnd der Weicheier, Jammerlappen und Neidhasser schreit man zuerst laut nach dem Staat, lässt aber sich elsbt, seinen Nächsten und somit auch die Solidargemeinschaft im Stich. Und die Begründung ist seit ich denken kann "Die da oben". Ich mag Bush nicht, aber an meine Zeit in den USA habe ich nur beste Erinnerungen.
mramorak (25.10.2008, 08:57 Uhr)
Kein Amerikan Dream - keine Freiheit
Es ist ganz einfach: Wenn der American Dream zu ende ist, ist der Traum von der freiheitlichen Demokratie auch zuende! Die Hasser der Freiheit werden Lachen, der Rest der Menschheit aber nicht. Sie und alle Ihre Kriecher können schreien, ao laut Sie wollen, auch Sie werden gehen. Sodann kann dann gewinnen.
Putinki (25.10.2008, 08:57 Uhr)
American Dream
Dieser Beitrag schildert "beeindruckend" , wie in einer industrialisierten Gesellschaft doch alles voneinander abhängt. Das ist aber nichts Neues und überall in der Welt gleich. Das wird in diesem Beitrag nur zum "USA bashing" genüßlich ausgenutzt. "The American Dream" wird weiter gehen, weil die Amerikaner anders ticken als z. Beispiel der Verfasser dieses oberflächlichen und nichtssagenden Beitrages. Dass der Entlassene aus einer Elite Universität nach einer neuen Ausrichtung sucht, ist doch ein völlig normales Verhalten. Auch das Verzichten gehört dazu. Vom Verblöden der Menschen kann keine Rede sein. Es ist nur ein Wunschdenken aller Verfechter des Antiamerikanismus und Anbeter des demokratischen Sozialismus (Kommunismus).
gmathol (24.10.2008, 23:43 Uhr)
Mal im Ernst was war "echtes" Wachstum?
Es fing damit an das die Investmentbanken sich davon abwandten reale oder nutzbringende Projekte zu finanzieren.
Das Machwerk von SIV's und Derrivaten um nur einige Auswuechse zu nennen kann nur ueber einen gewissen Zeitraum bestand haben.
Platzt die Blase gibt es nur zwei Moeglichkeiten - mehr Geld zu drucken oder die "Werte" als null und nichtig zu erklaeren.
Den amerikanischen Dream hat es immer nur fuer Menschen gegeben die hohe Einkommen auf dem Arbeitsmarkt erzielen konnten, eine Minderheit von weniger als 10% oder die schon riesige Vermoegen angehaeuft hatten eine Minderheit von weniger als 0.5%.
Auch die Maer von der Vollbeschaeftigung in den USA kann man der statistischen Manipulation zuschreiben. In Wirklichkeit liegt die Arbeitslosenquote bei ueber 18%.
Das 1/3 der US-Bevoelkerung nicht einmal genug Geld besitzt um sich zu ernaehren darueber wird auch nicht so gern gesprochen.
Es gibt NICHTS Positives in den USA.
mitlaeufer1it (24.10.2008, 23:03 Uhr)
usa
AMERICA dream ausgeträumt?,schlecht für uns allem denn jetzt gibt nur Albträume,denn das ist gut so ,nur dann versteht man das AMERICA dream wahr, ist ,und bleibt der beste Traum.,der die menschheit erlebt habe.
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