Frauen werden schlechter bezahlt als Männer. Gründe dafür gibt es viele, aber vor allem genauso so viele Möglichkeiten, das Gehalt aufzubessern. stern.de zeigt, wie Frauen dem Chef gegenüber ihre Leistungen betonen und in jeder Gehaltverhandlung eine gute Figur machen. Von Simone Janson

Chefs schätzen es, wenn sich ihre Angestellten für mehr Gehalt einsetzen© Colourbox
Die schlechte Nachricht lautet: Im Schnitt verdienen Frauen 23 Prozent weniger als Männer. Dabei hängt das Ausmaß des Unterschieds von dem jeweils ausgeübten Beruf, vom Alter der Betroffenen und der Region ab, deren Gehaltsstruktur zugrunde gelegt wird. Im EU-Vergleich liegt Deutschland jedenfalls, was die Gehaltsschere zwischen Männer und Frauen angeht, weit hinten.
Die gute Nachricht lautet: Frauen können selbst etwas ändern.
Arbeitnehmerinnen unter 24 bekommen bei gleicher Leistung durchschnittlich nur 7,8 Prozent weniger als gleichaltrige männliche Kollegen. Bei der Altersgruppe zwischen 25 und 34 Jahren wächst die Differenz bereits auf 17,5 Prozent. Am weitesten klafft die Schere bei Frauen über 55 Jahre auseinander: Hier verdienen Frauen rund 26,7 Prozent weniger. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Online-Umfrage der Internetseite Frauenlohnspiegel.de. Die Seite wird vom so genannten WSI-Tarifarchiv in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung betreut.
Auch nach Branche oder Region variiert das Gehaltsgefälle: Eine Buchhalterin beispielsweise bekommt monatlich etwa 825 Euro weniger als Ihre männlichen Kollegen. Bei technischen Zeichnerinnen beträgt der Abstand "nur" 239 Euro. Und in Ostdeutschland sind die Unterschiede kleiner als im Westen. EU-weit liegt Deutschland, so zeigen Studien der europäischen Kommission, damit sogar auf dem viertletzten Platz: Nur in Estland, Zypern und der Slowakei ist der Gehaltsabstand zwischen den Geschlechtern noch größer.
Die Gründe für die Misere sind vielfältig: Frauen bekommen nicht einfach weniger Geld, weil sie Frauen sind. Oft liegt es daran, dass sie nur Teilzeitjobs haben, eine Babypause einlegen oder einfach schlechter qualifiziert sind. Viele Frauen arbeiten außerdem in Firmen und Berufen, die sich besser mit der Familie vereinbaren lassen - und nehmen dafür schlechtere Bezahlung in Kauf. Und: Sie verhandeln einfach schlecht: "Für nicht wenige Frauen ist Geld ein Tabuthema. Häufig sind sie auch zu bescheiden, oder es ist ihnen peinlich, mehr zu fordern. Für Männer sind solche regelmäßigen Gespräche dagegen selbstverständlich", so Gehaltscoach Cornelia Topf, Autorin des Buches "Gehaltsverhandlungen für freche Frauen".
Frauen sollten also nicht einfach geduldig abwarten, bis der Chef von selbst auf die Idee kommt, ihnen mehr zu zahlen, sondern selbst aktiv werden. Hier finden Sie Tipps, wie Frauen dem Chef gegenüber ihre Leistungen betonen und in jeder Gehaltverhandlung eine gute Figur machen.
Wie viel Gehalt bleibt Ihnen am Monatsende? Auskunft gibt der Gehaltsrechner auf stern.de