Deutsche wollen Managergehälter deckeln

12. Dezember 2007, 07:30 Uhr

50 Millionen Euro? 5 Millionen Euro? 500.000 Euro? Wie viel darf ein Manager höchstens kosten? Ginge es nach der Mehrheit der Deutschen, würde die Politik die Höhe der Bezüge der Unternehmenslenker gesetzlich deckeln. In einer stern-Umfrage sprachen sich 70 Prozent der Befragten für diese drastische Maßnahme aus.

Eine große Mehrheit der Bundesbürger wünscht eine gesetzliche Begrenzung der Millionengehälter von Managern. In einer Umfrage für den stern erklärten dies mehr als zwei Drittel der Befragten (70 Prozent). Mit mehr als 75 Prozent treten vor allem die Anhänger der SPD, der Grünen und der Linkspartei dafür ein. Aber auch zwei Drittel der Union-Wähler sprechen sich dafür aus, dass den hohen Vorstandsbezügen per Gesetz ein Riegel vorgeschoben wird. Gegen eine gesetzliche Regelung sprachen sich 26 Prozent der Befragten aus, insbesondere Anhänger der FDP. Der Chef des Arbeitgeberverbands BDA, Dieter Hundt, hatte jedweden Bestrebungen, die Höhe der Gehälter gesetzlich zu deckeln, schon am Dienstag eine Absage erteilt. "Wer glaubt, das per Gesetz regeln zu können, ist auf dem Holzweg", sagte er bei dem Arbeitgebertag in Berlin. Hundt bezog sich bei seinen Äußerungen vor allem auf die SPD, die in einer Arbeitsgruppe die rechtlichen Möglichkeiten zur Gehaltsbegrenzung prüfen lässt.

Die Umfrage zeigt das Ausmaß des Unverständnisses, auf das die schwindelerregende Höhe der Bezüge mancher Manager in der Bevölkerung trifft. Offenbar wird der Verdienst mancher Manager als so ungerecht empfunden, dass auch vor staatlichen Eingriffen nicht zurückgeschreckt wird.

Dass die Debatte über die Managergehälter ein tiefes Unbehagen in der Bevölkerung wiederspiegelt, hatte am Dienstag auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Ausdruck gebracht. In ihrer Rede auf dem Arbeitgebertag in Berlin warnte sie die Wirtschaft davor, wachsende Sorgen über eine Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich zu ignorieren. "Deshalb ist meine Bitte: Nehmen Sie die Debatte ernst, tun Sie dies nicht als Neiddebatte ab", sagte die Regierungschefin. Niemand habe etwas gegen vernünftige Bezahlung für gute Leistungen. Allerdings bezog sich Merkel in erster Linie auf Abfindungszahlungen in ihrer Ansicht nach ungerechtfertigter Höhe. Es gebe in der Bevölkerung ein großes Unwohlsein, wenn Spitzenkräfte ihre Firma großen Risiken zulasten der Beschäftigten aussetzten, sagte sie, aber mit Millionen-Abfindungen davonkämen. Darauf müsse reagiert werden.

Die Arbeitgebervertreter bemühten sich ebenfalls, dem Streit die Schärfe zu nehmen - und ihn auf die Höhe der Abfindungen zu reduzieren. In seiner Rede argumentierte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt, es könne den Unternehmern nicht gleichgültig sein, wenn ein paar schwarze Schafe den ganzen Berufsstand in Verruf brächten. Er sprach von "unternehmensbedrohenden Fehlentscheidungen", von "Millionenabfindungen", von "Maßlosigkeit" und "schlechten Beispielen".

"Debatte ist überflüssig"

Marcus Lutter, Mitglied der Regierungskommission für gute Unternehmensführung, bezeichnete die zum Teil übermäßige Höhe der Managergehälter im stern.de-Interview als "sozialen Sprengsatz". Für die normalen Arbeitnehmer gebe es "keine Gehaltsexplosionen, wie wir sie derzeit bei einem Teil der Manager beobachten. Das wird zu Verwerfungen im Verständnis der Gesellschaft führen und ist deshalb eine ganz und gar schlechte Entwicklung", sagte Lutter. Dennoch sprach er sich ebenfalls gegen eine gesetzliche Regelung der Managerbezüge aus. Stattdessen müsse der öffentliche Druck auf die Führungsspitzen deutscher Unternehmen erhöht werden.

Übernommen aus ... Stern Ausgabe 51/2007

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Berlin Dieter Hundt Managergehälter SPD stern-Umfrage
KOMMENTARE (10 von 33)
 
H.P. (12.12.2007, 19:26 Uhr)
STR_EDDS
###STR_EDDS (12.12.2007, 18:16 Uhr)
@H.P.
Würden Sie bitte Ihre Aussage "Weil das Management schlau genug ist Geld an der Börse zu machen und den Staat auf gut deutsch, beschießt.", bezüglich der Geschäftspraktiken von Porsche, zu präzisieren. Insbesondere die Art und Weise des "Betruges" wäre doch von Interesse. Quellenangaben wären ebefalls sachdienlich. Vielen Dank.####
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Porsche verdient dank VW fast sechs Milliarden
Der Sportwagenhersteller Porsche hat im abgelaufenen Geschäftsjahr dank seines Engagements bei Volkswagen erneut einen Rekordgewinn erzielt. Der Vorsteuergewinn stieg von 2,110 Milliarden auf 5,857 Milliarden Euro
Quelle: http://www.n24.de/wirtschaft_boerse/unternehmen/article.php?articleId=166763
http://www.ecolot.de/2007/11/13/wendelin-der-grose/#more-139
Man muss nur wissen wie, so wird man reich ohne eine Arbeitsleistung.
Das Unternehmen ist stolz auf die gute Bilanz und betont immer wieder: Porsche schaffe das alles ohne Subventionen. Aber das ist nicht mal die halbe Wahrheit, denn Porsche ist abhängig von einer so genannten indirekten Subvention, von der Steuergesetzgebung für privat genutzte Firmenautos. Das weiß Vorstandschef Wendelin Wiedeking nur zu gut. Die Dienstwagen-Besteuerung ist in Deutschland viel geringer als in vielen anderen Ländern.
Wie hier im Düsseldorfer Porsche-Zentrum kaufen deshalb hauptsächlich Geschäftsleute die edlen und teuren Sportwagen. Als Firmenauto kostet der Porsche 911 nach Abzug der Steuern hierzulande gerade mal eine Monatsrate von 400 Euro - dank der enormen Abschreibung. In anderen Ländern muss man für den gleichen Wagen mehr als das Doppelte ausgeben. Andere Autohersteller profitieren zwar ebenso davon, aber keiner so wie Porsche: 62 Prozent, also fast zwei Drittel aller neu zugelassenen Porsche in Deutschland, sind Firmenautos.
http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=672&sid=126
ganzbaf (12.12.2007, 18:17 Uhr)
"Deckeln" ist ja auchvöllig unnötig
Einfach ab einem gewissen Betrag stark (und proggressiv) steigende Eikommens-/Vermögenssteuern erheben.
Dann regelt sich das ganz von alleine...;-p
STR_EDDS (12.12.2007, 18:16 Uhr)
@H.P.
Würden Sie bitte Ihre Aussage "Weil das Management schlau genug ist Geld an der Börse zu machen und den Staat auf gut deutsch, beschießt.", bezüglich der Geschäftspraktiken von Porsche, zu präzisieren. Insbesondere die Art und Weise des "Betruges" wäre doch von Interesse. Quellenangaben wären ebefalls sachdienlich. Vielen Dank.
relo (12.12.2007, 16:47 Uhr)
Gehälter
Der Porschechef hat einen seit ca. 15 Jahren unveränderten Arbeitsvertrag .
Er ist sehr gut , darum kein Neid .
Was ist den mit unseren Politikern und Abgeordneten , verdiene die denn die Diäten ???? Jede Menge Rechtsverdreher in den Parlamenten und der Bundespräsident kann die "Gesetze" nicht unterschreiben oder das BVG kippt die "Gesetze".Wie sieht denn Aufsicht bei den Landesbanken aus, meine Politiker ???? Wie sieht es mit der Steuerverschwendung ohne Folgen aus ?? Einen Porsche haben wenige , wir alle zahlen aber diese Politiker mit Steuergeldern.Wieviele Politiker fristen ein "erbärmliches" Dasein in irgendwelchen Aufsichtsgremien .
Hamburg73 (12.12.2007, 15:46 Uhr)
Gesetzliche Regelung unzulässig
Ich halte viele Managergehälter für völlig überzogen, glaube aber nicht, dass man es Privatunternehmen bzw. deren Eigentümern gesetzlich verbieten kann, ihr Geld zu verschwenden. Dann müsste der Staat konsequenterweise auch im Privatkonsum bei unsinnigen Ausgaben eingreifen können (nach dem Motto: Gute Autos gibt es schon für € 30.000, deswegen darf sich niemand mehr ein Auto für € 100.000 kaufen). Ich denke, man käme da ganz schnell an die Grenzen der grundgesetzlich verbrieften Eigentumsfreiheit - auch der wirtschaftlich unvernünftige Umgang mit eigener Kohle ist geschützt. Entscheidend ist daher aus meiner Sicht, dass die Eigentümer der Unternehmen (etwa die Aktionäre einer AG) endlich aufwachen und entsprechenden Druck auf die von ihnen gewählten Aufsichtsräte ausüben. Dort wo die öffentliche Hand (Staat) selbst Mehrheitseigentümer ist (etwa bei der DB), sollten die Managergehälter schnellstens auf ein vernünftiges Maß reduziert werden - eine Gesetzesänderung bedarf es dafür nicht.
H.P. (12.12.2007, 14:29 Uhr)
Träumer
@#bei Porsche verdienen alle gut ..#
Warum verdienen bei Porsche alle Mitarbeiter gut? Weil das Management schlau genug ist Geld an der Börse zu machen und den Staat auf gut deutsch, beschießt. Was seid ihr alle naiv, all eure ganzen Vorschläge sind gut gemeint führen aber zu nichts. Ich gönne jedem Menschen und Mitarbeiter seine Millionen, wenn es uns und der Umwelt gut ginge. All die Steuervorteile, die die Konzerne und großen Unternehmer haben, dafür bezahlen wir alle, selbst für deren Abfindungen. Doch träumt alle euren Traum weiter. Wenn es einem helfen würde, wäre es ein schöner Traum, ich halte mich lieber an die Realität.
Jayjay77 (12.12.2007, 13:49 Uhr)
Sündenbock-Suche
Na, hallo Deutschland, wir suchen mal wieder Sündenböcke...
Ob Klima"wandel" oder der eigene leere Geldbeutel, erstmal sind immer die anderen Schuld.
Gibt eine gute Weisheit: "Arme Leute werden nach Zeit bezahlt, reiche nach Ergebnissen."
Wer das Gefühl hat, zu wenig zu verdienen, muss einfach seinen Job ändern und was anderes machen. Jeder Topmanager verdient sein Gehalt zu recht, egal wie hoch es ist. Denn jeder hat die Chance in solch eine Position zu kommen und solche Position sind aufwandstechnisch mit sehr viel mehr Einsatz verbunden als, wenn ich nur 8 Std. am Tag einen Job abarbeiten würde...
Was aber zu recht ein Hohn ist sind Abfindungen für Vollpfeifen... Das ist aber Firmensache, diese Dinge zu reglementieren und auf keinen Fall Sache der Politik, sonst landen wir irgendwann in einer sozialistischen Planwirtschaft und was dabei rauskommt kennen wir ja....
testsieger2006 (12.12.2007, 12:26 Uhr)
da sitzt....
... der ganz normale übergewichgrige Durchschnittsdeutsche im Ferrari-T-Shirt mit Deutschlandflagge auf dem Ikeasofa "Klippan", jubelt seinem Idol Michael Schuhmacher zu, freut sich, dass Michael Ballack jetzt einen noch höher dotierten Vertrag bekommt und schaut leidenschaftlich gerne "Wetten, dass" mit Thomas Gottschalk.... und regt sich über die viel zu hohe Bezahlung vom Porschechef auf. Ihr Neidhammel tut mir alle so leid.
Halodri73 (12.12.2007, 12:14 Uhr)
Eine Frage:
Wer ist denn eigentlich oberster Richter bei der Festlegung der Obergrenzen der Gehälter? Wer bestimmt, wie hoch das Gehalt des Vorstandes sein soll? Richtig! Der, der es auch bezahlt! Und nicht der meckernde Faulpelz, der außer neidisch zu sein nichts gelernt hat.
Diese ganze neosozialistisch angehauchen Nonsens-"Vorschläge" à la " An die Gehälter des Fließbandarbeiters koppeln" sind irgendwie süß in ihrer kindlichen Naivität. Der Japanische Top Manager bekommt auch Aktienoptionen, die der Bandarbeiter nicht bekommt. Der Vergleich hinkt dramatisch, da hier Äpfel mit Birnen verglichen werden.
Das ganze Geschrei nach staatlicher Deckelung und Regelung halte ich für augemachte Ablenkung, die den Politikern grade Recht kommt. Wir haben ja sonst keine Probleme, oder??
Einfach lächerlich!
Zeigt mir ein Autohaus, wo der einfache Verkäufer mehr verdient als bei Porsche und ich zeige euch einen Laden wo der Vorstand auch richtig fett verdienen darf!
akup (12.12.2007, 12:12 Uhr)
Sportler und Co.
Sportler und Co verdienen noch viel absurtere Gehälter wie Manager und tragen keine Verantwortung über tausende Arbeitnehmer etc... Die Gehaltsspirale liegt nicht nur bei den Managern begraben. Ein Manager-Gehalt ist im Vergleich dazu wirklich gerechtfertigt solange dieser auch was Leistet.
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