Der Neue Markt wird abgeschafft - Kritiker sehen darin lediglich einen Marketingtrick. Was Anleger künftig beachten müssen.
_fitwidth_420.jpg)
© David Rooney/Which Art
Natürlich könnte man jetzt ein bisschen fies sein und mal im Archiv nachschauen, was Werner Seifert, Chef der Deutschen Börse, vor drei Jahren über die kolossalen Wachstumsmöglichkeiten des Neuen Marktes gesagt hat. Man könnte auch nachschauen, welche Bank die größten Betrüger an die Börse brachte und welche Analysten die dümmsten Prognosen abgaben. Aber dann wäre man auch ziemlich schnell bei manchen Journalisten, die begeistert die Stimmung anheizten. Und vielen Anlegern, die vor lauter Dollarzeichen vor Augen die Benutzung des Gehirns vergaßen. Also machen wir zur Abschaffung des Neuen Marktes ausnahmsweise mal einen Bogen ums Archiv und schauen, was die Deutsche Börse künftig tun will, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Grund zum Jubeln, so viel vorab, besteht nicht.
integriert sie die Firmen des verblichenen Neuen Markts in den Amtlichen Markt. Im Gegensatz zu dem, an dem Daimler, BMW und 600 andere Unternehmen gehandelt werden und der durch öffentliches Recht geregelt ist, war der Neue Markt eine Art Privatveranstaltung zwischen der Börse und den New-Economy-Firmen. Die Regeln, die hier galten, waren zwar strenger als die am Amtlichen Markt, Verstöße musste die Börse aber privatrechtlich ahnden - und das hat nie so richtig geklappt. Mit diesem ganzen Konstrukt ist ab 1. Januar 2003 Schluss. Von da an gibt es nur noch den amtlichen Markt, der in zwei Teile unterschieden wird: den so genannten Prime Standard und den General Standard.
kommen alle Firmen erst mal in den General Standard. Will eine in den höherwertigen Prime Standard, muss sie einen Antrag bei der Börse stellen und verschärfte Regeln erfüllen. Sie muss künftig statt einmal im Jahr alle drei Monate einen Geschäftsbericht abliefern. Die Jahresbilanz muss neben dem deutschen noch nach einem internationalen Rechenmodell erfolgen: entweder nach den europäischen IAS- oder nach US-GAAP-Regeln. Außerdem muss die Firma alle Mitteilungen auch auf Englisch veröffentlichen und mindestens einmal im Jahr eine Analystenkonferenz veranstalten.