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Stern Logo Die Höhle der Löwen

Carsten Maschmeyer als TV-Juror: Warum der Unternehmer so umstritten ist

Carsten Maschmeyer rückt für Vural Öger in die Jury von "Die Höhle der Löwen". Der Investor gilt als Schwergewicht in der Unternehmer-Szene - und ist dennoch umstritten. 

  Carsten Maschmeyer verstärkt "Die Höhle der Löwen"-Jury. 

Carsten Maschmeyer verstärkt "Die Höhle der Löwen"-Jury. 

Die neue Jury der Vox-Sendung "Die Höhle der Löwen" ist komplett. Nach Ralf Dümmel, einem Unternehmer aus Hamburg, sorgte die Nominierung von Carsten Maschmeyer für Aufsehen. Mit ihm rückt eine Größe der deutschen Unternehmerszene in die Jury - doch unumstritten ist Maschmeyer nicht.

1. Aus einfachen Verhältnissen

Maschmeyer gilt als absoluter Selfmade-Mann, der seinen Reichtum nicht vererbt bekommen, sondern ihn selbst angehäuft hat. Einer seiner Freunde ist der Ex-Kanzler Gerhard Schröder, mit dem er auch die Herkunft aus einfachen Verhältnissen teilt. "Wir, die wir aus schwierigen Verhältnissen stammen, waren schon früh gezwungen, mehr Biss und eine praktische Intelligenz zu entwickeln, zu improvisieren. Ich glaube, dass es kein Zufall ist, dass viele Halbwaisen in dieser Gruppe sind. Und wer sich auf dem zweiten Bildungsweg nach oben rackert, sagt nicht: Um 16 Uhr ist Feierabend, mir ist der Golfplatz wichtiger – so was kennen wir nicht", sagte Maschmeyer einst im "F.A.Z."-Interview.  

2. Maschmeyer und die AWD

Einen Großteil seines Vermögens hat Maschmeyer aus dem Verkauf seines Finanzberatungsunternehmens AWD gezogen, das 2009 mehrheitlich an den Versicherungskonzern Swiss Life ging. Erst 2009 zog sich Maschmeyer aus dem operativen Geschäft zurück, 2011 verließ er AWD vollständig. Der Unternehmer hatte den "Allgemeinen Wirtschaftsdienst" 1988 gegründet, im Jahr 2000 ging das Unternehmen an die Börse. AWD schluckte zahlreiche Finanzdienstleister in ganz Europa. Der Kaufpreis für AWD lag 2008 bei rund 1,2 Milliarden Euro. Ein Finanzanalyst bezeichnete die Übernahme durch Swiss Life damals als "den größten und teuersten strategischen Irrtum der Firmengeschichte", schreibt das "Manager-Magazin". Tatsächlich konnte AWD die Erwartungen nie erfüllen.

3. AWD in der Kritik

Der Finanzdienstleister musste sich scharfe Kritik gefallen lassen. Millionenschwere Sammelklagen aus Österreich und auch BGH-Urteile in Deutschland zielten auf das gleiche Problem: AWD-Mitarbeiter hatten Kunden hochriskante Papiere als sichere Geldanlage verkauft. Aber nicht nur Kunden beschwerten sich über AWD. Auch Berater melden sich zu Wort: Es gehe um Ausbeutung, so die "Süddeutsche Zeitung". Der Erfolg von AWD basiere darauf, "immer wieder neue Mitarbeiter anzuwerben und deren Bekannten- und Verwandtenkreis ,auszuschlachten'", schreibt die Zeitung. Zehntausende soll AWD schlecht oder sogar wissentlich falsch beraten haben. Die Zeitschrift Finanztest setzte AWD auf eine Warnliste mit dubiosen Anbietern.

4. Maschmeyer, selbst Opfer?

Im März 2014 titelte der stern zur Maschmeyer-Connection. Promis aus Deutschland hatten viel Geld in Fonds mit sehr hohen Renditeversprechungen gesteckt. Abgewickelte wurde das Geschäft über Konten bei der Schweizer Bank Sarasin. Statt saftige Rendite einzufahren, konnten sich Promis wie Mirko Slomka, Veronica Ferres und auch Carsten Maschmeyer aber eher über herbe Verluste ärgern. Allein Maschmeyer soll 19 Millionen Euro versenkt haben. Daraufhin verklagte er mit anderen geprellten Anlegern die Bank, zog vor Gericht - und erhielt daraufhin Todesdrohungen durch anonyme Briefe. "Gehst Du vor Gericht, wird sich weisen, dass Du den Entscheid nicht mehr erlebst", zitiert das "Handelsblatt" einen der Drohbriefe.

5. Maschmeyer und die Stars

Spätestens seit seiner Beziehung mit der deutschen Schauspielerin Veronica Ferres ist auch Carsten Maschmeyer Teil der Promi-Welt. Schon der "NDR" berichtete über ihn als den "Liebling der Politik, Freund des Bundespräsidenten". Maschmeyer versteht es, Netzwerke aufzubauen. Politik, Sport, Kultur - er scheint in weit vernetzten Kreisen unterwegs zu sein. Er selbst spricht darüber als "Beziehungskonto", schreibt die "Gründerszene".

6. Maschmeyer, der Investor

Der Selfmade-Miliardär Maschmeyer interessiert sich schon länger für Start-ups. Mit seiner Beteiligungsgesellschaft Alstin investiert er bereits in Unternehmen, die schon die ersten Hürden genommen haben. Für die Vox-Show hat er nun ein neues Unternehmen gegründet: Bei Seed & Speed kümmern sich 15 Mitarbeiter - darunter Internet-Spezialisten und Vertriebsexperten - um die Investments, die Maschmeyer in der Sendung tätigt. 


Mit Maschmeyer hat sich Vox einen echten Unternehmensprofi geangelt. Die Gründung einer Investmentgesellschaft macht klar: Maschmeyer geht seine Jury-Rolle professionell an. Allerdings ist sein Ruf nicht der beste - es wird spannend, wie er sich in der Höhle präsentiert. Der "Bild"-Zeitung gegenüber machte er deutlich: "Sony und Vox wollten mich unbedingt haben. Sie wollten einen weiteren Löwen, der tatsächlich brüllen kann." 

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