HOME

Stern Logo Die Höhle der Löwen

TV-Kritik

Feste drücken, Dagmar!

Pizza, Ponys, Pferdezöpfe - bei Williams, Maschmeyer & Co. ging es diesmal vornehmlich um Basics wie Gewürze, Hufeisen und Schwanzverdickungen. Mit einem Schalter, der das Leben einfacher machen soll, wurde es am Ende schließlich doch noch richtig kompliziert.

DHDL: Dagmar Wöhrl testet Sywos

Wie sangen Insterburg & Co. einst? "Was macht der Mann, der - mit dem Expander?". Der studentische Bartträger-Humor aus Berlin, einst auch die Prägungskommune von Karl Dall, mag vom Staub der Geschichte überzogen sein, der Expander aber irrlichtert immer noch durch den Kosmos der Fitnesstreibenden. Einst drei Gummiseile mit Griffen links und rechts zum Dranziehen und Erstarken, hat sich das Gerät in gefühlt 50 Jahren kaum verändert. Umso respektabler wie Ariane nebst Eltern ihre Erfindung, eine optisch unscheinbare Mischung aus Fahrradpumpe, zu kurz geratenem Spazierstock und japanischem Kampfgerät als die Innovation schlechthin verkaufen - wo es sich doch letztlich um kaum etwas anderes als einen Expander 2.0 handelt.

Bei den Goehringers, Vater Rainer ein ehemaliger Wirtschaftsberater, Mutter Ariane, optisch eine drahtige Version von Andrea Nahles und eben Tochter Ariane - telegen, intelligent, Basketballerin - hat man zumindest die Zeichen erkannt und dem Fitnessstöckchen eine zeitgemäße USP-Fabel verpasst: Kann man überall mithinnehmen, heißt jetzt "Symmetrical Workout System" und für Leute, denen das zu kompliziert ist, nennt man den ollen Ex-Expander abgekürzt "Sywos". Das ist dann aber selbst , ebenso wie das Logo, nicht attraktiv genug. Maschmeyer ist aber eh nicht im Thema, wie er gesteht, vielleicht, wie er aus dem brettharten Mundwinkel zischt, weil er noch nie eine Frau "hatte", die "gern Liegestütze macht". Ein versteckter Wink an Veronica Ferres?

Mio-Olio pimpt Pizza

Einsteigen wollte Big M. dann folgerichtig nicht, stattdessen kümmert sich , die 100.000 Euro gegen 15 % Unternehmensbeteiligung tauscht, darum, dass das Business mit dem Expander, nun ja, expandiert. Für das, was es da abzutrainieren gilt, zuviel italienisches Essen zum Beispiel, hatten sich zwei pfiffige Pizzabäcker aus Düsseldorf etwas ausgedacht. "Mioolio" nennen sie ihre Würztütchen. Der Sinn jener Öle, die es kleinstportioniert in Geschmacksrichtungen wie Knoblauch und Chili gibt: Pimp your Pizza. Wem die Supermarkt-Tonno zu wenig am Gaumen kitzelt, der kann sich das belegte Rundstück fortan mit ein paar Tropfen Öl upgraden. 700 Millionen verkaufte Tiefkühl-Pizzen in Deutschland per anno - das ist theoretisch ein Markt, der Appetit macht. Das sah auch Ralf Dümmel so. Keine Rocket Science, keine Buzzwords, stattdessen mit Luigi und Taner zwei engagierte Markteroberer, die auch vor Maschinen, deren Betriebssprache Chinesisch ist, nicht zurückschrecken. Dümmels Pizza-Belag: 30.000 Euro, für 25.1 % Beteiligung.

Löwen mögen keine Hufeisen

Weniger Glück hatten Simon und Bennet aus , die sich anschickten, ein 2000 Jahre altes Problem zu lösen. Nun ist es ja so eine Sache, dass, wenn es ein Problem seit zwei Jahrtausenden gibt, sich vielleicht nicht genügend Leute finden, die es als solches sehen. Das war denn auch der Punkt, auf den es Dagmar Wöhrl beim Betrachten des innovativen Pferdehufschutzes "Goodsmith" brachte. Da mögen sich die beiden Pferdefreunde noch so sehr Gedanken ums Wohl der Vierbeiner machen und in Folge dessen eine nagellose, unkomplizierte Huf"eisen"-Variante erfunden haben - der Pferdemarkt ist konservativ und scheut solche Umwälzungen wie ein Trakehner vor der Dreifach-Kombination. Ergo - wieder aufsitzen und weiterreiten.

Pony Puffin - die Schwanzverdickung für die Frau

Um Pferde im weitesten Sinne ging es auch bei Elena und ihrem Mann Julian. Vom kümmerlichen Umfang ihres Pferdeschwanzes ganz zermürbt, hat die wackere Berlinerin eine Schwanzverdickung ersonnen. Eine Art "Pimp your Ponytail" - ein rosafarbener Gummipfropfen, der in den eigenen Zopf eingearbeitet wird und so aus einem lichten Pferdeschwanz einen stolzen Schweif macht, wobei hier, um es noch einmal deutlich zu sagen, um menschliche, vornehmlich weibliche Zöpfe geht. Anschauen und erstehen darf man diesen Haarvolumen-Verstärker mit dem goldigen Namen "Pony Puffin" in Zukunft in einer der Verkaufssendungen von . Sebastian aus München wird man dort mittelfristig eher nicht antreffen. Seine Idee, all den Gestressten und Fußlahmen und anderweitig Beschäftigten Nerviges wie Behördengänge, Amtstermine und ähnliches abzunehmen, erschien durchaus zukunftsträchtig. Mit dem völlig schiefliegenden Business Case und einem jetzt schon erwirtschafteten Minus von 250.000 Euro hatte sich die Idee von erledigen.de, zumindest für die Löwen, schnell wieder erledigt.

Kleiner Rückblick auf die Becherküche

Zum Abschluss dann, nachdem zwischenzeitig ein kurzer Spot die Success-Story von Birgit Wenz und ihrem von Ralf Dümmel unterstützten Becherküche-Konzept beleuchtete, wurde es noch einmal kompliziert, zumindest für eben jenen Dümmel: "Ich verstehe nichts. Ich drücke die Daumen, aber ich bin raus". Und in der Tat: Für alle Oldschooler, die dran gewöhnt sind, ihr Licht mit einem Schalter, die Kaffeemaschine mit einem Knopf und die Heizung mit einem Drehregler zu betätigen, war das, was die Jungs von "Parce" da vortrugen, in der Tat etwas unverständlich.


Die Idee, aus technologieskeptischer Sicht formuliert: Bevor man das Licht im Wohnzimmer einfach händisch ausmacht, solle man lieber zum Smartphone greifen und das ganze per Sprachbefehl auslösen. Klingt erstmal umständlich, dafür lassen sich mit dem Feature von Eugen, Nikolaij und Malte aber auch Dinge wie Beleuchtungssimulation zur Einbrecher-Abschreckung während Abwesenheit durchführen, das Teewasser vom Bett aus anheizen und noch so einiges anstellen. Für Maschmeyer war die angedachte 500.000-Euro-Spritze viel zu niedrig angesetzt: "Das ist Kleingeld. Draußen ist der Markt so umkämpft, dagegen sind wir hier keine Löwen, sondern Kuscheltiere." Auf seine Art gab Frank Thelen ihm Recht und entschloss sich, mit den WLAN-Düsentriebs zu kuscheln. 400.000 Euro gegen 15 % Beteiligung - sein Preis fürs gewinnträchtige Schmusen. 

Kochen mit Kindern: Was taugt die "Kinderleichte Becherküche" aus "Die Höhle der Löwen"?
Kinderleichte Becherküche im Test

Das Buch ist kindgerecht gestaltet und soll dem Nachwuchs das Zubereiten von Speisen näherbringen. Allein sollte man die Kleinen damit allerdings nicht lassen. Die Anleitung empfiehlt den Eltern sich im Hintergrund zu halten und nur einzugreifen, wenn die Kinder Hilfe benötigen. 

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren