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Stern Logo Die Höhle der Löwen

Wenn Einhörner Kondome verkaufen und die Juroren "Arschlöcher" sind

Nur zwei Start-ups bekamen in der "Höhle der Löwen" am Dienstagabend den Zuschlag. Dafür versuchten zwei Einhörner, der Jury Kondome zu verkaufen, und zwei Gründerinnen wurden ausgelacht.

Von Alica Müller

Die beiden Kondomhersteller von "einhorn" werben im Einhornkostüm für ihr Produkt

Investieren wollte keiner der Löwen in diesen beiden Einhörner. Die beiden Gründer warben für fair produzierte Kondome in bunten Verpackungen. Ihr Pitch war bisher der unterhaltsamste der Staffel.

Von Einhornkondomen bis zu Tütensuppe: Sechs Start-ups stellten sich gestern Abend in der "" vor. Trotzdem nahm die Sendung erst gegen Ende an Fahrt auf und wurde interessant – wenn auch teilweise unfreiwillig. So betraten zwei Einhörner die Bühne und die "Löwen"-Jury machte zwei junge Frauen auf derart unfaire Art und Weise runter, dass man nur den Kopf schütteln konnte.

Für alle, die nicht wissen, worum es geht: In der Vox-Sendung wollen Start-up-Gründer die Jury, bestehend aus den Unternehmern Vural Öger, Judith Williams, , Lencke Steiner und Jochen Schweizer, von ihrem Konzept überzeugen. Außerdem machen sie ihnen ein Angebot: Ein bestimmte Investitionssumme für einen Anteil am Unternehmen. Die "Löwen" testen die Produkte, befragen die Gründer und steigen im Anschluss entweder ins Unternehmen ein oder kritisieren es in bester Castingshow-Manier heftig.


Die Tütensuppe 2.0

Das erste Startup, "Buddywatcher", sorgte am Dienstagabend für einen schwachen Einstieg in die Sendung. Es handelt sich um ein Armband, mit dem sich Tauchpartner über Ultraschallsignale kontaktieren können. Der Haken an der Sache: Das Gerät hat noch kein GPS. Man weiß im Ernstfall also, dass der Partner Hilfe braucht, aber nicht, wo er ist. Na ja, Potential sahen Löwen wie Lencke Steiner schon in dem Unternehmen, aber so richtig vom Hocker rissen sie das Konzept und die Gewinnspanne nicht – alle stiegen aus.

Dafür geriet die gesamte Jury ins Schwärmen, als die Jungs von "Little Lunch" die Bühne betraten. Im Gepäck hatten sie ihre "Tütensuppe 2.0", fertige Suppe aus kleinen Gläschen, die man sich ins Büro abonnieren kann. Schweizer ist schnell raus: Er ernähre sich ausschließlich von "Nonprocessed Food", also unverarbeiteten Lebensmitteln. Vural Öger, Frank Thelen und Judith Williams stiegen ein und investieren sogar mehr, als ursprünglich gefragt war – sichern sich dafür aber 30% der Unternehmensanteile. Die beiden Gründer verließen das Studio geradezu euphorisch.

Erfolg für Scooter-Sharing

Allzu selbstbewusst traten die Gründer von scoo.me auf. Sie haben eine Motorrollervermietung per App entwickelt, ähnlich der von Carsharing-Anbietern - eigentlich eine Idee mit Potential. Nachdem Frank Thelen anmerkte, er hätte schon bei mytaxi erlebt, wie kompliziert so etwas sei, kontern sie: "Hätten Sie das mal lieber an uns abgegeben." Thelen fühlt sich auf den Arm genommen und so bleibt als Investorin nur Lencke Steiner übrig – weil sie so gerne Roller fährt.

Das war es dann aber auch schon mit den Erfolgsgeschichten des Abends. Es folgte eine Teilnehmerin, die Vox wohl nur wegen ihrer Hintergrundgeschichte eingeladen hat. Ihr Unternehmen an sich ist im Vergleich zu den anderen nämlich relativ langweilig: Wiederbeziehbare Bilderrahmen. Die Gründerin Judith Grothe hat schon einiges durchgemacht. Vor Jahren führte sie das Unternehmen 3aArt mit ihrem Lebensgefährten. Als sie in finanzielle Schwierigkeiten gerieten, brachte sich ihr Partner um, nun versucht Grothe, sein Andenken wieder aufzubauen. Die Löwen haben dafür viel Respekt und gute Wünsche übrig, investieren will aber keiner.

Ganz schön respektlos

Keinerlei Respekt dagegen erfuhren zwei junge Unternehmens-beraterinnen, die sich selbstständig gemacht haben. Auf "The eclectic journey" verkaufen sie Designerkleidung aus Secondhandläden online weiter. Dafür ziehen sie momentan durch Münchener Shops, nehmen die Artikel mit, fotografieren sie zuhause und bringen sie wieder zurück. Wird das Kleid oder die Tasche online verkauft, versendet der Secondhandladen die Ware. Zugegeben, das Konzept ist aufwändig. Wie die Frauen von den Löwen runtergemacht wurden, steht aber in keinem Verhältnis. Die beiden wurden von Anfang an auf eine Art belächelt, wie es bei männlichen Gründern in der Sendung noch nicht vorgekommen ist. "Ihr seht toll aus, aber ihr habt die Zahlen nicht unter Kontrolle", sagte Thelen, "Ihr habt das Geschäftsleben vollkommen unterschätzt", meinte Öger. Judith Williams fand für die Idee nur eine Erklärung. Bei Frauen setze ja bekanntlich das Hirn aus, sobald sie ein Schnäppchen sehen – "als Frau darf man das ja sagen." Keiner investierte, Öger verabschiedete sie noch mit einem "Ich wünsche euch viel Spaß bei eurer – sozusagen – Arbeit". Resümee der beiden Kandidatinnen: "Die sind so Arschlöcher."

Pitch im Einhornkostüm

Danach konnte es nur noch besser werden. Sollte es auch, denn die nächsten Gründer erschienen im Einhornkostüm auf der Bühne. Sie bewarben ihre fair produzierten, "magischen" Kondome in bunt designeten Packungen. Ihr Ziel: Eine Welt, in der es nicht mehr peinlich ist, Kondome zu kaufen. Mit dabei hatten sie auch ein tellergroßes Kondom – "Sonderanfertigung für Schweizer". Nicht nur der Auftritt, sondern auch die Ideen der beiden sind kreativ. Geht es nach ihnen, kann man bald mit "Und eine Tüte Einhornchips, bitte" beim Lieferdienst unauffällig Kondome bestellen – ohne, dass das Date es mitbekommt. Investieren wollte keiner der Juroren, dafür hatten aber besonders die Löwinnen ihren Spaß. So belächelte Lencke Steiner die Jahrespackung mit 49 Stück –  "Boah ist das langweilig bei euch" – und brachte die Gründer mit der Aufforderung "Dann zeigt doch mal eure Wunderwaffen!" aus dem Konzept. Judith Williams bremste die FDP-Politikerin – "Das ist nicht gut für deine politische Karriere" – und verabschiedete die Jungs anschließend mit Hoffnung, sie bald zu einem zweiten Date zu sehen – "dann aber ohne Kondome." Immerhin: Für die Einhorn-Gründer wird der Abend eine erfolgreiche Werbeaktion gewesen sein. Auf ihrer Website gibt es schon die Löwen-Special Edition zu kaufen.

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