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Stern Logo Die Höhle der Löwen

TV-Kritik

Mit Schneckenschleim und Zahnfleischbluten die Löwen überzeugen

In "Die Höhle der Löwen" kämpfen diese Wochen Schneckenstopper, Blumendesigner und Auto-Teiler um die Kohle der Jury. Und die ist in Spendierlaune - doch nicht alle Gründer bekommen einen Deal.

Steffen Tröger, der Gründer von BigBoxBerlin, schafft in der dritten Sendung von "Die Höhle der Löwen" etwas, was noch keinem anderen Gründer gelungen ist: Er scheucht die Löwen auf. Statt sich in die Sessel im Studio zu lümmeln, müssen die Juroren vor die Tür. Denn seine Geschäftsidee passt nicht in die Höhle. Tröger macht in Container. Genauer: in umgebaute Container. Ob nun aufgemotzt zum Wohnraum, zur Eventfläche, zu einem Pool oder einfach zu unzähligen Schließfächern - Tröger und sein Team aus Tüftlern entwickeln ausrangierte Seecontainer weiter. Das ist nachhaltig. Und müsste doch eigentlich total gut ankommen. Tja, eigentlich.

Für einen kleinen zum Pool umgebauten Container will er schlanke 48.000 Euro. Und seine Marge liegt dann bei 20 Prozent. Gut, dass er diese Details erst nennt, als alle Löwen schon wieder sitzen. Denn er verlangt für 10 Prozent seiner Firmenanteile satte 300.000 Euro - und geht somit davon aus, dass sein Unternehmen locker drei Millionen Euro wert ist. Allerdings ohne etwas verkauft zu haben. Nein, da beißt er bei den Löwen auf Stahl - keiner der Juroren hat Interesse.

Schnexagon: Öl gegen Schleim

Da hat die Kieler Biologin Nadine Sydow mehr Glück. Wobei ihr Produkt um Längen ekliger ist. Oder - falsch - sich einem ekligen Problem widmet: Schnecken. Nicht die zum Essen, sondern die brauen, schleimigen Viecher, die hauslos durch Deutschlands Gärten kriechen und den Salat verputzen. Und genau hier greift die Idee der jungen Frau: Ein Öl-Gemisch soll es Schnecken unmöglich machen, in Kübel oder Beete zu schleimen.

Auch Sydow ruft eine knackige Bewertung auf: Sie will für 10 Prozent sogar 500.000 Euro haben. Doch die Frau ist tip-top vorbereitet, kann Frank Thelens Fragen locker auskontern. Und bekommt sogar zwei Angebote: Sowohl das Duo -Thelen als auch Ralf Dümmel sind interessiert. Doch nur für 30 Prozent. Am Ende entscheidet sich die Gründerin für "Mister Regal".

Grace Flowerbox: Blumen aus der Schachtel

Nach all dem Stahl und Schleim wird es langsam mal Zeit für etwas Schönes. Das fanden wohl auch die Verantwortlichen der Vox-Sendung und lassen die Macher von Grace Flowerbox herein. Diese Gründer verkaufen Luxus-Blümchen in Hutschachteln. Der besondere Clou: Rosen werden vorab so präpariert, dass sie bis zu drei Jahre nicht gammeln. Günstig ist das nicht, bis zu 300 Euro müssen Kunden dafür zahlen. Doch das war bislang nicht das Problem der Gründer. Die Nachfrage übersteigt deren Möglichkeiten. Sie brauchen Power beim Wareneinkauf und bei der Logistik - denn Blumen müssen in Vorkasse finanziert werden. Auch wenn Judith Williams und gemeinsam ein Angebot machen, bekommt Dagmar Wöhrl den Zuschlag der Gründer: 150.000 Euro zahlt sie für 20 Prozent.

Five Skincare: Fünf Zutaten für die Haut

Aus dem Blumen-Pitch konnte gelernt werden: Wer kämpft, bekommt Kohle. "Die hätten noch zwei Stunden weitergemacht", glaubt Juror Carsten Maschmeyer. Anna Pfeiffer hingegen macht keinen Kämpfer-Eindruck, bevor sie in die Höhle geht. Die 34-jährige Schweizerin hat eine vegane Pflegelinie kreiert und hat etwas "Schiss vor Frau Williams".

Fünf Zutaten - mehr braucht sie nicht für ihre Gels, Fluids und Cremes. Ob das gut gehen kann? Frau Williams zumindest ballt ihr Gesicht zur Faust bei der Vorstellung. Doch nachdem sie das Peeling am Waschbecken ausprobiert hat, scheint sie deutlich interessierter. Die Herren steigen schnell aus, Abschminkwässerchen seien nicht so ihr Produkt. Judith Williams und haben Interesse. Doch die Ladies wollen 51 Prozent. Zu viel für die Gründerin. Und so geht das wilde Geschacher los. Dagmar Wöhrl verabschiedet sich irgendwann aus dem Deal, Judith Williams schlägt zu: 70.000 Euro für 25,1 Prozent.

Getaway: Teilen statt besitzen

Der nächste Gründer will an "Deutschlands liebstes Kind" - klar, das Auto. Das steht vielen Menschen einfach nur ungenutzt rum. Und hier kommt die Idee von Edgar Scholler ins Spiel: Mit seinem Start-up Getaway will er das Dauerparken beenden. Privates Carsharing soll die Lösung sein. Sein Unternehmen rüstet private um, das geht innerhalb von einer Stunde. Dann ist das Auto smart - und kann via App geöffnet werden.

Was nun folgt ist die Grundsatzdebatte: Besitzen oder teilen? Dagmar Wöhrl gehört klar zur ersten Gruppe. Sie würde das Auto nicht teilen wollen. Nein, das passt nicht. Judith Williams hingegen reizt die Idee - investieren möchte sie trotzdem nicht. Ralf Dümmel war schon vorher raus. Bleiben Maschmeyer und Thelen. Doch der Schock kommt spät - denn bislang gibt es erst 200 registrierte Nutzer des Angebots. Trotzdem glaubt Scholler, dass Unternehmen vier Millionen Euro wert ist. Maschmeyer steigt aus und auch Thelen, der das Projekt eigentlich ganz gut findet, traut sich nicht. Kein Deal für Getaway.

Von Abflussfee bis Towell: "Die Höhle der Löwen": Das wurde aus den 34 Deals der abgelaufenen Staffel
Anne und Stefan Lemcke von der Gewürzmanufaktur Ankerkraut holten sich in der "Höhle der Löwen" Frank Thelen an Bord. Der Löwe investierte 500.000 Euro, sodass Produktion, Logistik und Online-Shop komplett überarbeitet werden konnten. Die Zahl der Mitarbeiter stieg auf 40. Mittlerweile ist Ankerkraut bei Rewe, Edeka und anderen Ketten gelistet. Allein im Oktober betrug der Umsatz eine halbe Million Euro.

Anne und Stefan Lemcke von der Gewürzmanufaktur Ankerkraut holten sich in der "Höhle der Löwen" Frank Thelen an Bord. Der Löwe investierte 500.000 Euro, sodass Produktion, Logistik und Online-Shop komplett überarbeitet werden konnten. Die Zahl der Mitarbeiter stieg auf 40. Mittlerweile ist Ankerkraut bei Rewe, Edeka und anderen Ketten gelistet. Allein im Oktober betrug der Umsatz eine halbe Million Euro.

Parodont Creme: Schwarzkümmel gegen Zahnfleischrückgang

Der letzte Gründer des Abends widmet sich einem Massenproblem: Parodontitis. Rund 12 Millionen Menschen in Deutschland sollen davon betroffen sein. Zahnfleischbluten, Wackelzähne und Zahnverlust - ja, es gibt sicherlich schönere Bereiche, um eine Firma zu gründen. Doch der Zahnarzt Ismael Özkanli muss sich mit der Volkskrankheit täglich rumärgern und hat nun  ein einfaches Mittelchen entwickelt: Parodont-Creme wirkt durch Schwarzkümmel-Öl. Einfach meint in diesem Fall die Anwendung, denn für die Entwicklung haben Özkanli und sein Vater 12 Jahre lang gebraucht. Und auch beim Marktstart ruckelte es gewaltig. 25.000 Tuben hat das Familienunternehmen seit 2014 verkauft.

Doch bei den Kennzahlen wittert ein Löwe seine Chance: Für neun Euro wird die Creme verkauft, aktuell kostet die Herstellung einen Euro. Na, das geht doch größer und viel billiger? Richtig, Ralf Dümmel geht in Stellung. Das ist ein Deal, wie er sie liebt. "Kümmel und Dümmel, da passt was zusammen", beginnt er. Doch leicht wird es nicht für ihn: Auch Judith Williams und Frank Thelen wollen einsteigen. 100.000 Euro für 30 Prozent. Das bietet auch Dagmar Wöhrl und rührt kräftig für sich die Werbetrommel. Und Carsten Maschmeyer? Der schnürt zusammen mit Dümmel ein "Kombipaket": Dümmel pflastert Deutschland mit der Salbe zu, Maschmeyer hilft beim Markenaufbau und dem Online-Bereich. Die Gründer gehen am Ende de Deal mit Maschmeyer-Dümmel ein.


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