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Wie die Drogerie dm das eigene Saubermann-Image zertrümmert

Der Drogerie-Branchenprimus dm setzt für die Expansion offenbar Ellenbogen ein: Ein Gerichtsverfahren mit Alnatura, der harte Kurs gegen Wettbewerber Budni und auch der Umgang mit Mitarbeitern zeigen, dass dm eiskalt agieren kann.

  Bei der Drogerie dm fliegen intern die Fetzen. 

Bei der Drogerie dm fliegen intern die Fetzen. 

Er selbst nennt sich gerne "Zahnpasta-Verkäufer". Und ganz unrecht hat der dm-Gründer Götz Werner damit ja nicht. Trotz seiner mehr als 1700 dm-Märkte lässt Werner gerne den Antroposophen raushängen, ist Freund des bedingungslosen Grundeinkommens und auch seinem Unternehmen gibt er den Anstrich der Menschlichkeit und des gesellschaftlichen Anstands. 

dm verklagt Alnatura

Doch das freundliche Geschäft aus der Nachbarschaft scheint dm nicht so ganz zu sein, wie eine Recherche vom "Handelsblatt" zeigt. Denn derzeit kämpft dm gleich an mehreren Fronten. Götz Werner verklagt den Chef von Alnatura, Götz Rehn. Das Unternehmen lieferte Naturkosmetik.

Die Öko-Produkte standen jahrelang in den dm-Regalen. Bis 2015. Da entwickelte dm eine eigene Bio-Linie und räumte die Alnatura-Produkte nach und nach aus dem Sortiment. Vor Gericht gezogen hat Werner seinen Geschäftspartner und Schwager Rehn, weil er an die Markenrechte ran will, berichtet das "Handelsblatt". Werner ist der Meinung, dass er st dm die Marke Alnatura groß gemacht habe. Bei Alnatura hingegen ist man offen enttäuscht. Dem Biohändler zufolge werden bis April 70 Prozent der Alnatura-Produkte bei dm ausgelistet. "Es ist sehr schade, wir haben 30 Jahre sehr eng und erfolgreich zusammengearbeitet", sagte eine Alnatura-Sprecherin der "DPA".

dm-Mitarbeiter beschwerten sich

Doch das ist nicht alles: Auch Mitarbeiter beschweren sich inzwischen über die ruppige Art im Unternehmen. Ein ehemaliger Mitarbeiter berichtet dem "Handelsblatt" von Mobbing. Auch in anderen Filialen soll dies vorgekommen sein, inzwischen gebe es im Internet Foren für Betroffene, schreibt die Zeitung. "Bei dm gibt es große Unterschiede zwischen dem, wie sich das Unternehmen nach außen darstellt und wie es wirklich aussieht", sagt ein Insider dem "Handelsblatt".

dm vor Rossmann und Müller

Ein weiter Knackpunkt der jüngsten Vergangenheit war der Bruch mit dem Hamburger Wettbewerber Budni. 15 Jahre lang hatte die Drogeriekette die dm-Eigenmarken im Sortiment geführt - dafür solle dm keine eigenen Filialen im Hamburger Raum eröffnet haben, heißt es bei Budni. dm bestreitet diese Abmachung. Inzwischen haben die Konkurrenten keine Verbindung mehr, dm expandiert in der Hansestadt und Budni hat eigene Marken statt der dm-Produkte ins Sortiment genommen. 

Ist die Firmenphilosophie bei der aggressiven Expansion der vergangenen Jahre auf der Strecke geblieben? Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/2015 erzielte dm mehr als sieben Milliarden Euro Umsatz, allein in Deutschland. Das Wachstum lag im Rekordjahr bei 9,8 Prozent. Eigentlich ein fantastischer Wert, im Vergleich zu den Vorjahren allerdings nur durchschnittlich.

Die großen zweistelligen Zuwachsraten sind in der Drogeriebranche vorbei. Für Rossmann  sind die Umsatzzahlen für 2015 noch nicht bekannt, aber die Nummer 2 im Markt erwartet ein ähnliches starkes Wachstum (rund acht Prozent) wie im Vorjahr und könnte somit den Umsatz in Deutschland auf 5,8 Milliarden Euro erhöhen. Die Drogerie Müller rangiert mit weniger als drei Milliarden Euro Umsatz im Jahr auf dem dritten Platz. dm hält also Abstand zur Konkurrenz.

Generationswechsel bei dm

Als möglichen Grund für die veränderte Philosophie nennt das "Handelsblatt" den Generationswechsel von Götz Werner auf seinen Sohn Christoph, der das Unternehmen "professioneller als der Vater" führe, wie ein Betriebsrat sagt.

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