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Die junge Milliardärin und die Bluttest-Revolution

Das Ende der ungeliebten Blutabnahme scheint nahe. Künftig könnte ein kleiner Tropfen reichen, um ein umfangreiches Blutbild zu erstellen. Hinter dieser Revolution steckt eine junge Milliardärin.

Von Norbert Höfler, New York

  Elizabeth Holmes und die Revolution der Blutabnahme: Das Verfahren soll ein Milliardengeschäft werden und dürfte zahllosen Patienten die Angst vor der Blutabnahme nehmen.

Elizabeth Holmes und die Revolution der Blutabnahme: Das Verfahren soll ein Milliardengeschäft werden und dürfte zahllosen Patienten die Angst vor der Blutabnahme nehmen.

Jeder kennt es, viele hassen es. Die Arzthelferin muss Blut abnehmen. Die Hemdsärmel werden hochgekrempelt, der Arm wird abgebunden, sie sticht die Nadel der Spritze langsam in die Vene und zieht noch langsamer Blut heraus. Manchmal füllt sie zwei Röhrchen, manchmal auch mehr. Dann fragt sie: "Wird Ihnen schwindlig? Es ist ja gleich vorbei..."

Und nun kommt die gute Nachricht: Das Blutsaugen hört bald auf. Die Firma Theranos im Silicon Valley hat eine Testverfahren entwickelt, das mit einem Tropfen Blut aus der Fingerkuppe auskommt. Damit können 200 verschiedene Blutwerte ermittelt werden – vom Cholesterin bis zum Krebsmarker. Und die Tests sind 50 bis 90 Prozent günstiger.

Deutsche Patienten müssen noch warten

Patienten in Deutschland müssen noch etwas Geduld haben. Die Testentwickler von Theranos (eine Wortkombination aus Therapie und Diagnose) starten das neue Verfahren erst einmal in den USA. In einigen Filialen der landesweit größten Drogeriemarktkette Walgreens kann man sich schon in den Finger stechen lassen. Der stern hat es bei Walgreens in Palo Alto probiert. Es geht schnell und tut nicht weh. Erst wird der Finger mit einer warmen Bandage umwickelt, dann kommt der Stich. Ein wenig Blut wird herausgedrückt und in ein Fingerhut großes Gefäß getropft. Der Behälter wird mit einem Barcode versehen und ins Labor von Theranos geschickt. Was dort genau geschieht, und wie die Laborgeräte aussehen, die mit so wenig Blut genaue Werte ermitteln können, ist streng geheim. Das Testergebnis bekommen Patient und Arzt schon nach wenigen Stunden mitgeteilt.

Wissenschaftler und Mediziner in den USA sprechen von einer "Revolution". Harvey Fineberg, angesehener Präsident des unabhängigen Insitute of Medicine in Washington, sagt: "Es ist aufregend und kann viel, viel verändern." Wenn Bluttests so billig und so schnell sind, können sie öfter durchgeführt werden. Arzt und Patient sind nicht mehr auf einzelne Momentaufnahmen angewiesen. Gibt es viele Untersuchungen und Werte, können Wirkung und Dosierung von Medikamenten besser nachverfolgt werden. Ein riesiger Fortschritt in der Labormedizin.

Jüngste US-Milliardärin

Wer steckt hinter Theranos? Elizabeth Holmes gründete Theranos vor elf Jahren. Mit ihrer Geschichte könnte sie schon bald zu den großen Gründerlegenden wie Steve Jobs oder Bill Gates zählen. Hier eine Kurzfassung: Mit 19 bricht Elizabeth Holmes ihr Studium in Stanford ab. Sie wollte Chemie- und Elektroingenieurin werden. Bei einem Praktikum hatte sie den Einfall, wie man kleine, schnelle Laborgeräte bauen könnte. Fünf Tage lang schloss sie sich zu Hause ein und entwarf Pläne. Nur ihre Mutter durfte mit Essen stören. Im Keller eines Studentenwohnheims in Stanford bastelte sie mit ein paar Vertrauten die ersten Geräte. Heute gilt ihre Firma als Juwel. Der Wert wird auf neun Milliarden Dollar geschätzt. Elizabeth Holmes, heute 30 Jahre alt, gehören 50 Prozent. Sie wurde kürzlich als jüngste Milliardärin in die Forbes-Liste der reichsten Amerikaner aufgenommen.

Ihre Firma mietete vor einigen Jahren das ehemalige Facebook-Gebäude im kalifornischen Palo Alto. Es wird streng bewacht. Die Labore von Theranos gelten als Ziel von Industriespionen. Für wilde Spekulationen im Silicon Valley sorgte zuletzt die Besetzung des Aufsichtsrates von Theranos. Dort sitzen namhafte Ex-Politiker und Ex-Militärs wie zum Beispiel die ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger und George Shultz. Im Umfeld der Firma heißt es, die Labore könnten auch in abgelegenen Regionen, Kriegsgebieten und Lazarettschiffen eingesetzt werden.

Der ehemalige Außenminister Shultz, 93, sprach mit dem stern. Er wollte sich zu den "Militärgerüchten" nicht äußern. Aber über Elizabeth Holmes plauderte er gern. Die junge Frau habe ihn tief beeindruckt. "Vor drei Jahren hat sie mich besucht. Sie hat mich überzeugt. Je mehr ich von ihr über das Projekt hörte, desto enthusiastischer war ich. Sie hat eine echte Mission. Sie will die Welt verbessern." Natürlich habe er bei Theranos schon Bluttest gemacht. Er sagt: "Ich geh nie mehr zur Nadel."

Mehr über Elizabeth Holmes...

... und ihr Vorhaben lesen Sie im aktuellen stern.

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