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Das bedeuten Minuszinsen für Verbraucher

Der Leitzins im Euroraum sinkt auf Null Prozent - und zugleich verschärft die Europäische Zentralbank den Strafzins für Bankeinlagen. Diese Minuszins-Politik hat auch Auswirkungen auf normale Kunden von Banken und Lebensversicherungen. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Geldscheine

Die extreme Situation bei den Zinsen hat Auswirkungen auf jeden

Die Europäische Zentralbank (EZB) pumpt Milliarden in den Markt. Zugleich brummt sie Banken immer höhere Strafzinsen auf, wenn die Institute Geld bei ihr parken. Und nun senkt sie den Leitzins auch noch auf historische Null Prozent. Damit sollen Mini-Inflation und schwächelnde Konjunktur angekurbelt werden. Die Minuszinsen greifen immer weiter um sich. Mit der Berlin Hyp hat in dieser Woche die erste Bank eine Anleihe mit Negativzinsen aufgegeben. Das bedeutet: Investoren leihen der Bank Geld - und zahlen dafür auch noch drauf.  Von einfachen Durchschnittskunden verlangen Banken und Sparkassen zwar bisher noch kein Geld dafür, dass sie ihre Ersparnisse bei ihnen anlegen. Doch die Nebenwirkungen der EZB-Geldpolitik - Wertpapierkäufe, Leitzins nahe Null und Strafzinsen - treffen auch Verbraucher. Ein Überblick:

Bankgebühren und Dispozinsen

"Wir werden versuchen, das Thema Negativzinsen unseren Privatkunden nicht zuzumuten", sagt der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich. Allerdings könnten Geldhäuser gezwungen sein, an der Gebührenschraube zu drehen. "Jeder muss in seiner Bank überlegen, wie er über Konditionengestaltung gegen die Ertragsverluste anarbeitet, die ohne Zweifel da sind." Finanzexpertin Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband geht davon aus, "dass Banken schauen, wo sie heute Geld verdienen können, weil ein Teil ihrer Einnahmen wegbricht." Aus ihrer Sicht könnte ein Zusammenhang mit den von Verbraucherschützern als überhöht kritisierten Dispozinsen bestehen.

Kontoführungsgebühren

Auch bei der Kontoführungsgebühr setzen einige Banken den Hebel an. Vor allem Kunden von Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen sind von steigenden Gebühren für die Kontoführung betroffen, wie Sigrid Herbst von der Finanzberatung FMH sagt. Oftmals erfolge die Gebührenerhöhung "durch die Hintertür": Die Institute würden Kontoumstellungen mit zusätzlichen Leistungen vornehmen und zugleich die Gebühren erhöhen. Zum 1. April stellt beispielsweise die Sparkasse Leipzig ihre Girokonten um. Ein Konto mit dem Namen GiroKlassik zum Monatspreis von 1,90 Euro sehe auf dem Papier günstig aus, werde in der Praxis aber erheblich teurer, bemängelt die Verbraucherzentrale Sachsen. Grund dafür sei, dass jede Buchung künftig extra koste. Kunden, die Online-Banking nutzten, müssten in Zukunft für Kontoauszüge am SB-Terminal zahlen. 

Abheben an fremden Geldautomaten

Seit 2011 gab es eine freiwillige Vereinbarung unter vielen Banken, die Kosten für Kunden fremder Banken beim Geldabheben an den eigenen Automaten auf 1,95 Euro pro Abhebung zu deckeln. Bereits zum Jahresende seien "etliche Banken" aus der Vereinbarung ausgestiegen, teilt der Bankenverband mit. Die Abhebegebühren sind zum Teil um mehr als zwei Euro gestiegen. Teurer wird es zum Beispiel bei der Deutschen Bank und der Commerzbank. Sparkassen hatten sich von Anfang an nicht an der Vereinbarung beteiligt.

Giro- und Kreditkarten

Nicht nur Kontoführungsgebühren oder Kosten für Überweisungen können ansteigen, sondern auch Gebühren für Karten. Bei der Spardabank West beispielsweise kostet eine Girokarte ab dem 1. April zehn Euro pro Jahr. Auch hier nennt die Bank als einen Grund die derzeit sehr niedrigen Zinsen. Ein weiterer Grund ist die Neuregelung bei den sogenannten Händlergebühren.

Unter den Händlergebühren werden die Kosten verstanden, die die Bank eines Kunden der Bank eines Händlers in Rechnung stellt, wenn der Verbraucher beim Händler oder Dienstleister per Karte zahlt. In der EU werden die Gebühren für Kreditkarten und andere Bankkarten künftig auf 0,2 Prozent des Transaktionswerts gedeckelt. Nach Schätzungen der EU-Kommission zahlen Einzelhändler in Europa bisher rund zehn Milliarden Euro jährlich für Kartenzahlungen. Dank der Neuregelung werden die Kosten demnach um etwa sechs Milliarden Euro reduziert.

Was für die Händler eine gute Nachricht ist, ist für die Banken eine schlechte: Sie zahlen künftig mehr. Viele werden die Kosten an die Kunden weitergeben, wie das Beispiel der Spardabank West zeigt.

Tagesgeld, Sparbuch und Co.

Die Lieblinge vieler Sparer in Deutschland werfen schon seit geraumer Zeit kaum noch etwas ab. "Generell ist die Zinspolitik für Verbraucher, die überwiegend in sichere Anlageprodukte investieren, kritisch", sagt Finanzexpertin Mohn. "Die Niedrigzinsphase müsste Anlass sein, über die Verteilung der Ersparnisse nachzudenken und zum Beispiel mehr in Aktien zu investieren."

Kredite

Häuslebauer und andere Kreditnehmer profitieren von den Niedrigzinsen - für sie wird es günstiger. Allerdings warnte der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, jüngst: Wenn die Zinsen negativer würden, müssten Banken höhere Zinsen für Kredite fordern.

Besitzer von Fondsanteilen

Bei Geldmarktfonds und Rentenfonds mit kurzer Laufzeit werde es bei steigenden Strafzinsen immer schwieriger, Renditen zu erzielen, heißt es etwa bei Union Investment, der Fondsgesellschaft der Genossenschaftsbanken. Im Schnitt halten die Fonds demnach drei bis fünf Prozent des Volumens liquide vor - falls Anleger Anteile zurückgeben wollen. Dieses Geld werde von einigen Banken negativ verzinst. "Die negativen Zinsen entwickeln sich zunehmend zu einer Substanzbesteuerung für die Anleger", kritisiert Frank Engels, Leiter Rentenfondsmanagement bei Union Investment.

Lebensversicherungen

Sie leiden ohnehin seit geraumer Zeit unter den Niedrigzinsen und werfen immer weniger ab. Jetzt kommen noch die Negativzinsen hinzu. Von institutionellen Investoren wie Versicherungen und Pensionsfonds "muss die Parkgebühr mit bezahlt werden, das können wir nicht drauflegen", sagt der geschäftsführende Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen, Gerhard Grandke. Das Problem der Lebensversicherer: Sie legen das Geld ihrer Kunden vor allem in Staatsanleihen an, die als sicher gelten. Diese werfen wegen der EZB-Geldpolitik aber kaum noch oder gar nichts mehr ab. Versicherern fällt es immer schwerer, hohe Garantieversprechen der Vergangenheit zu erwirtschaften. Die laufende Verzinsung aus Garantiezins und Überschussbeteiligung sinkt daher im Schnitt.

Gesundheitsfonds

Der Fonds, der die Gelder für die gesetzlichen Krankenkassen einsammelt und an sie verteilt, musste im vergangenen Jahr rund 1,8 Millionen Euro Strafzinsen zahlen. Dadurch schmilzt die Liquiditätsreserve von rund 10 Milliarden Euro aber zunächst nur etwas ab, wie ein Sprecher des Bundesversicherungsamtes erläutert. Das habe unmittelbar keine Folgen für die Höhe der Zusatzbeiträge, die Versicherte zahlen müssen.

Krankenkassen

Negativzinsen seien derzeit kein Problem, heißt es beim Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen. Falls ein Finanzhaus Strafzinsen ankündige, würden die Kassen die Bank wechseln. Auch beim Verband der Privaten Krankenversicherung gibt man sich gelassen: Eine Negativverzinsung gebe es vielleicht bei einzelnen Anbietern als durchlaufenden Posten. Im Schnitt erwirtschafteten die Privaten aber eine Nettoverzinsung von mehr als 3,5 Prozent: "Versicherte müssen also keine höheren Beiträge in Folge von Negativzinsen befürchten."

bak/DPA/AFP
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