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21. Oktober 2009, 16:21 Uhr
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Die Deutschen und der Mythos Glühbirne

Mit dem 1. September endete die Ära der 100-Watt-Glühbirne. Politiker regen die Hamsterkäufe auf, Lichtdesigner bauen neue Birnen und Mediziner warnen vor Krankheiten. Bericht aus einem fassungslosen Land. Von Axel Hildebrand

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Die Glühlampe (links) soll nach und nach aus den Geschäften verdrängt werden. Ab dem 1. September trifft es die 100-Watt-Variante© Philipp Guelland/DDP

Hans-Josef Fell ist bereits auf dem Weg in den Urlaub als er sich noch einmal aufregen muss. Es geht um zwei Zahlen, die die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ermittelt hat.

In der ersten Jahreshälfte ging der Absatz von Glühlampen in Deutschland um satte 34 Prozent nach oben, so die GfK. Das Geschäft mit den Energiesparlampen blieb dagegen nahezu stabil, es wuchs gerade mal um zwei Prozent.

Verbot ab dem 1. September

Dass die Deutschen waschkörbeweise Glühbirnen horten, sabotiert Fells jahrelanges Werben für ein Verbot. Fell und seine Öko-Freunde sehen aus, als würden sie dem Volk nehmen, was es liebt.

Seit dem 1. September sind 100-Watt-Glühlampen in der EU verboten. Sie dürfen nicht mehr produziert werden. Doch die Deutschen scheinen die Lampe zu lieben, sie ziehen zu Hamsterkäufen aus.

"Nein, das Verbot geht nicht hinten los", verteidigt sich der Umweltexperte der Grünen und empört sich über das "kurzsichtige Denken". Ihm bleibe nur "Unverständnis".

Die Deutschen wehren sich, soweit es möglich ist, gegen die EU-Regulierung. Die besagt, dass ab September neben den 100-Watt-Lampen alle matten Glühbirnen in der gesamten EU verboten sind. Ein Jahr später folgt die zweite Stufe: Klare 75-Watt-Glühlampen dürfen ab September 2010 nicht mehr verkauft werden, ein Jahr später auch keine 60-Watt-Glühlampen mehr. Im September 2012 folgt dann das faktische Verbot aller herkömmlichen Glühbirnen. Wer nicht spurt, muss im Zweifel 50.000 Euro zahlen. So hoch ist das Bußgeld für Händler, die nach dem 1. September 100-Watt-Glühbirnen ordern.

Fidel Castro hatte die Idee schon vorher

Einzelne Länder haben sich bereits vor der Entscheidung als leuchtende Beispiele hervorgetan. In Neuseeland, Australien, Kalifornien, Kanada und Irland ist das Verbot ebenfalls beschlossen. Norderney erklärte der Bürgermeister zur glühbirnenfreien Zone.

Zur realexistierenden Avantgarde bei der Befreiung von der Leuchte gehörte allerdings Fidel Castro. Weil Kubas Stromnetze regelmäßig zusammenbrachen, ließ das damalige Staatsoberhaupt Tausende Glüh- durch Sparlampen ersetzen. In Venezuela ersetzte eine "Energie-Armee" die gelben Leuchten, und in Panama verteilt die Regierung sechs Millionen Energiesparlampen ans Volk.

Hintergrund des umweltpolitischen Eifers ist, dass ein Großteil des von Glühbirnen verbrauchten Stroms als Wärme verpufft. Manche sagen, Glühlampen seien Heizkörper, die nebenbei leuchten. Tatsächlich werden nur fünf Prozent der Energie in Licht umgesetzt - bei Energiesparlampen sind es bis zu 25 Prozent. Die neuen Modelle verbrauchen rund 80 Prozent weniger Strom - und funktionieren mit 15.000 Stunden bis zu 15 Mal länger. Das Ziel der Kommission: EU-weit könne mit dem Austausch der Lampen der Stromverbrauch von 23 Millionen Haushalten eingespart werden. Der Ausstoß des klimaschädlichem Kohlendioxid soll jährlich um 32 Millionen Tonnen sinken.

Mieser Ruf der Energielampen

Aber die vermeintlichen Umweltretter haben einen miesen Ruf. Kaltes, bläuliches Licht, gepresst in eine sperrige Form, die bei häufigem An- und Ausschalten auch noch schnell kaputt ist. Sicher, die Energielaternen sind besser geworden. Und die Hersteller wie Osram legen sich kräftig ins Zeug, um das Image ins rechte Licht zu rücken. Die Lichtfarbe gleiche inzwischen herkömmlichen Birnen, heißt es hier. Auch die Verzögerung beim Einschalten sei passé. Und die Unförmigkeit: längst Geschichte.

Ingo Maurer arbeitet seit Jahrzehnten mit Licht und er hat eine ganz andere Meinung als die Lobbyisten der Hersteller. Der 77-Jährige Lichtdesigner, vielfach ausgezeichnet und Ehrendoktor des Royal College of Art in London, ruft zum Protest gegen das Verbot, zivilem Ungehorsam und rechtzeitiger Bildung von Vorräten gegen die "so genannte Energiesparlampe" auf. "Durch ihr unausgeglichenes Farbspektrum überzieht sie ihre Umgebung mit einem fahlem Schleier, unter dem sich viele Menschen nicht wohlfühlen", sagt Maurer, der unter anderem das Atrium des Pariser Kaufhauses Lafayette Maison beleuchtet hat.

Energiesparlampen haben tatsächlich vielfach einen hohen Blauanteil im Licht. Das unterdrücke die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin, befürchtet Dieter Kunz, Chefarzt der Psychiatrischen Universitätsklinik der Berliner Charité gegenüber dem Wirtschaftsmagazin "Brand Eins". Im Extremfall gerate die innere Uhr aus dem Takt, was auf die Dauer zu Herzerkrankungen und Depressionen führen könne. Andere fürchten schon einen Boom für Psychiater.

Eine fehlgesteuerte hormonelle Anpassung könnte zu weitreichenden Folgen führen, sagt der Mediziner Alexander Wunsch. "Bei falschem Umgang kann das Auftreten fast aller zivilisatorischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf Erkrankungen, Diabetes, Osteoporose und Störungen des Immunsystems begünstigt werden", warnt der Mediziner in der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Auch könnte das Licht das Risiko für Brust - und Prostatakrebs erhöhen.

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