Charmant den Preis herunter drücken, womöglich um mehr Service oder kostenlose Lieferung feilschen? Solange man es nicht zu toll treibt, ist das auch im Internet kein Problem. stern.de gibt Tipps für die Schnäppchen per Mausklick. Von Svenja Friedrich

Leben und leben lassen - das gilt auch beim Feilschen© David Hecker/DDP
Feilschen wie auf einem orientalischen Basar - das liegt nicht jedem. Traditionell scheuen die Deutschen das Preisgeschacher und erwarten stattdessen fair kalkulierte Preise. Doch angesichts des harten Wettbewerbs im Handel sollten sich Verbraucher darauf nicht unbedingt verlassen. So ist es mittlerweile gängige Praxis, Kunden mit günstigen Angeboten in den Laden zu locken. - Ist er einmal drin, kauft er vielleicht auch etwas, das dem Verkäufer eine bessere Gewinnspanne beschert. Nun hat jeder Verkäufer das Recht, seine Waren so teuer wie möglich anzubieten - ob der Käufer dafür sein Geld ausgibt, ist dessen Sache. Denn nach dem Wegfall des Rabattgesetzes im Jahr 2001 ist das Feilschen um einen niedrigeren Preis endlich auch gesetzlich erlaubt. "Aber leider denken nur wenige Verbraucher an diese Möglichkeit", erklärt Georg Tryba, Pressesprecher der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.
Anonymität hilft
Doch was kaum ein Käufer weiß: Was bisher im normalen Handel - also von Angesicht zu Angesicht - funktioniert und zaghaft umgesetzt wird, geht auch im Internet. Dort tun sich die meisten Verbraucher auch leichter: "Zwischen Käufer und Verkäufer besteht eine gefühlte Distanz, man bleibt gewissermaßen anonym, wenn man online auftritt", so Thomas Promny, Marketing-Chef beim Shoppingportal Gimahhot. Brutal ausgedrückt: Im Internet kann man nach Rabatten fragen, ohne sich wie ein Trottel zu fühlen.
Allerdings eignet sich nicht jedes Produkt dafür, zum Gegenstand des Feilschens zu werden - auch nicht im Internet: Im richtigen Leben handelt man ja auch nicht an der Supermarktkasse um den Preis für einen Liter Milch oder das Stück Teewurst. Viel mehr Erfolg verspricht es, höherwertige Produkte anzugehen, so Verbraucher-Experte Tryba. Wenn Aufwand und Ergebnis in einem besseren Verhältnis stehen, kann man kann sogar das ein oder andere Schnäppchen abgreifen. "Vor allem Wein, Uhren, Schmuck oder auch Waschmaschinen eignen sich im Internet zum Feilschen", erläutert Promny. Das Produkt sollte aber mindestens 100 Euro kosten.
Einheitliche Rabatte gibt es nicht. "Im Durchschnitt gewähren die Shops etwa zehn Prozent Nachlass, doch auch bis zu 50 Prozent sind möglich - wenn auch selten," erklärt Tryba. "Ein Rabatt kann aber auch eine kostenlose Zusatzleistung, wie etwa die Lieferung oder der Aufbau des Gerätes sein." Allerdings sollte man nicht zu hohe Erwartungen haben, wenn in der Produktgruppe gerade ein Preiskampf tobt. Dies ist beispielsweise bei Elektroartikeln wie Stereoanlagen oder Fernsehern der Fall. "Hier sollte man auf dem Teppich bleiben. Mehr als fünf Prozent Preisnachlass sind da nicht drin, eher sogar weniger", empfiehlt Shopping-Experte Promny.
Chancen einschätzen
Auch Produkte, die mit einer "unverbindlichen Preisempfehlung" versehen sind, dürfen Gegenstand des Feilsch-Versuches sein. Allerdings sollte man sich darauf gefasst machen, dass man beim Online-Shop auf Granit beißt. Manchmal wird den Händlern vom Hersteller ein Mindestpreis vorgegeben. Gerade bei Herstellern von Luxusartikeln wie Uhren und Schmuck sind vorgegebene Mindestpreise keine Seltenheit. Unterschreitet der Shop diese Preisempfehlung, kann er richtig Ärger mit dem Hersteller bekommen.
"Wer mit dem Feilschen im Internet starten will, sollte immer bei kleinen Online-Shops beginnen", so Promny, "denn diese sind eher bereit, Rabatt zu gewähren." Bei großen Online-Shops wie otto.de oder quelle.de hingegen laufen pro Tag hunderte Bestellungen ein. Die Telefone klingeln hier ständig; da geht eine Bitte um Rabatt einfach unter oder wird ohne Umschweife abgelehnt. Generell gilt daher: Emails haben mehr Chancen auf Erfolg. Diese können nämlich zeitversetzt beantwortet werden und bieten dem Verkäufer die Möglichkeit abzuwägen, ob er sich auf das Angebot einlässt.
Wenn man den Verkäufer kontaktiert, sollte man sich so seriös wie möglich präsentieren. Höflichkeit, Grammatik und Sprachstil sind ebenso wichtig wie eine Email-Adresse mit dem eigenen Namen. Immerhin will man als Käufer ernst genommen werden und nicht im PC-Papierkorb landen. Verbraucher-Experte Tryba rät zusätzlich zur Offenheit: "Der Test der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen mit 60 Online-Shops hat ergeben, dass sich ein Drittel der Verkäufer auf das Feilschen einlässt, wenn man die Frage offen stellt. Chancen hat der Verbraucher vor allem, wenn er den Rabatt konkret beziffern kann. Damit weiß der Händler, worauf er sich einlässt." Was also immer ratsam ist: Bevor man anfängt zu feilschen, sollte man sich erst über das Produkt - und die marktüblichen Preise informieren.