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17. Januar 2008, 13:54 Uhr
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Wer soll das bezahlen?

Ob Supermarkt oder Tankstelle - überall scheinen die Preise zu explodieren. Dabei liegt die offizielle Teuerung knapp über drei Prozent. Der stern nahm viele Produkte und Dienstleistungen unter die Lupe: Was wird teurer? Was billiger? Und wen trifft es am härtesten?

Von Grundnahrungsmitteln bis zur Energie, viele Dinge des täglichen Bedarfs sind teurer geworden. Die hier gezeigten Preisveränderungen hat das Statistische Bundesamt ermittelt - jeweils im Vergleich zum Vorjahr© Mauritius/stern

Dunkle Mächte scheinen am Werk, wenn in Deutschland mal wieder die Preise steigen. "Wir können nicht anders", rufen Händler und Hersteller im Chor. 60 Waren kauften stern-Mitarbeiter über 22 Monate immer wieder ein, und darunter waren echte Preisschocker: Für Erdals "Feine Schuhcreme" etwa verlangte der Drogist Budni im Dezember in einer Hamburger Filiale satte 27 Prozent mehr als noch im Februar 2006, also vor knapp zwei Jahren. Mehr als 20 Prozent Aufschlag gab es auch bei Fotoarbeiten und Schuhreparaturen, bei Zahnpasta und Kaffeebereitern. Anderes blieb gleich teuer oder wurde sogar deutlich billiger.

Die Erklärungen sind mal plausibel, mal fantasievoll. "Die Aluminiumpreisentwicklung" nennt etwa der Kofferhersteller Rimowa als Grund, mehr Geld zu verlangen. Auf "Energie- und Transportkosten" verweist die Rosenthal AG. "Zusätzliche Produkteigenschaften" führt die Bodum AG an. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer und eine "Leistungssteigerung" des Modells Polo nennt Volkswagen. Die "Neupositionierung der Marke" macht eine Handcreme teurer. Bei einem Staubsauger führt der Händler Saturn als Grund an, er sei "in der Farbe verändert" und in der Folge vom Hersteller mit einer höheren unverbindlichen Preisempfehlung versehen worden. Da ist schon allein die Begründung preiswürdig.

Wer am Ende draufzahlt und wer profitiert, hängt von den persönlichen Konsumgewohnheiten ab. Denn wer nicht Rad fährt, hat natürlich auch nichts von sinkenden Fahrradpreisen. Wer nicht zum Schuster geht, dem können die Kosten für einen neuen Absatz egal sein. Um einen möglichst umfassenden Überblick zu bieten, hat der stern zusätzlich die 40 Preise bei Discountern erfasst, die vom Wirtschaftsinformationsdienst "Preiszeiger" ermittelt werden. Insgesamt gilt: Verlierer ist, wer einen großen Teil seines Geldes für Grundnahrungsmittel ausgibt. Also eher die Familie mit Hartz IV als der Single mit Porsche. Die rund drei Prozent jährliche Inflation, die das Statistische Bundesamt derzeit ausweist, sind eben nur ein Durchschnitt. Jeder hat seine persönliche Inflationsrate. Das haben auch die amtlichen Statistiker erkannt. Sie bieten im Internet einen Rechner an, in den jeder seine Daten eingeben kann - und heraus kommt ein individualisierter Wert.

Anbaufläche für Lebensmittel sinkt

Die offiziellen 3,1 Prozent für den Monat November sind mehr, als in den vergangenen 13 Jahren je gemessen wurden. Vielen Menschen erscheinen sie dennoch absurd niedrig angesichts ihrer täglichen Erfahrungen beim Einkaufen. Timm Behrmann, gelernter Ökonom und angestellter Statistiker im Bundesamt, versichert dennoch: "Was wir messen, stimmt schon." Über seinen Computerbildschirm in einem tristen Bürogebäude hinter dem Wiesbadener Hauptbahnhof flimmern all die Daten, die von den mehr als 500 amtlichen Preiserhebern in der Republik ermittelt werden. Die Daten sagen: Alles in allem halb so wild. Die Menschen außerhalb des Amtes sehen das anders. Irgendetwas stimmt da nicht. "Ich habe das Gefühl, dass immer weniger Geld da ist", sagt Kerstin Lührs aus Schneverdingen in Niedersachsen. Sie ist 43, die blonden Haare - schick frisiert - fallen in ihr fröhliches Gesicht. Eine ganz normale Frau. Aber wenn die Alleinerziehende für sich und ihre drei Kinder einkauft, ist nichts normal. Zumindest geht es nicht nach der Statistik. Die Dinge, die gewöhnlich in ihrem Einkaufswagen landen, sind besonders stark im Preis gestiegen.

© stern-Infografik

"Joghurt, Milch, Brot - das braucht man halt", sagt sie. Dass Computer viel billiger geworden sind, nutzt ihr wenig. Der amtliche Durchschnitt von drei Prozent Inflation entspricht bei einem Brötchen, das 30 Cent kostet, rund einem Cent. Aber tatsächlich kostet das Brötchen, das es vor einem Jahr für 30 Cent gab, heute bei vielen Bäckern 35 Cent. Manche Steigerungsraten, die der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Hans Wolfgang Brachinger mithilfe der amtlichen Daten ermittelt hat, erinnern eher an Lateinamerika als an das Land, in dem einst die D-Mark herrschte: Butter wurde von Oktober 2006 bis zum gleichen Monat 2007 in Deutschland um 46 Prozent teurer. Speisequark um 37 Prozent. Stabil ist bei den Preisen für Lebensmittel nur der Aufwärtstrend. Weizen und Reis sind auf dem Weltmarkt so teuer wie noch nie. Sojabohnen werden so hoch gehandelt wie zuletzt vor 34 Jahren. Und es geht weiter bergauf. Daran ändern auch vorübergehende Korrekturen der Discounter nichts. Es gibt vielfältige Gründe dafür, dass die Zeit der billigen Lebensmittel vorbei ist. Die Experten streiten, welcher Effekt wie stark ist. Fest steht aber: Weil gigantische Mengen Pflanzen zu Biosprit und Biogas verarbeitet werden, sinkt die Anbaufläche für Lebensmittel. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen in Asien sich Fleisch und Milchprodukte leisten können.

"Die Deutschen sind die preissensitivsten Käufer in Europa"

Wenn aber immer weniger Waren sich auf mehr Käufer verteilen, treibt das den Preis hoch. Gefördert wird der schnelle Zugriff auf die Geldbörse der Kunden paradoxerweise auch noch dadurch, dass die Verbraucher in Deutschland bislang im EU-Vergleich eher niedrige Preise für Lebensmittel gezahlt haben. "Die Gewinnspanne des Handels liegt nur bei rund einem Prozent", sagt Einzelhandelssprecher Hubertus Pellengahr. "Der scharfe Wettbewerb sorgt so dafür, dass die Händler höhere Kosten direkt weitergeben müssen." Wer oft in verschiedenen Ländern Europas einkauft, regt sich meist weniger über die Preissteigerungen hierzulande auf. Der Grieche Georgios Rentis etwa hat gerade für 95 Euro bei Aldi in Ludwigshafen Waren aufs Kassenband gelegt. "In Griechenland hätte das gleiche mindestens 120 Euro gekostet", sagt er. "Vor allem normale Lebensmittel sind da viel teurer." Rentis rät den Deutschen zu mehr Gelassenheit. Doch nichts versetzt die Menschen hierzulande so in Unruhe wie der Gedanke an steigende Preise - die Angst vor Krankheiten und Ehekrisen nicht und auch nicht die vor Naturkatastrophen. Die Mutter aller Desaster ist für sie die Geldentwertung. In einer Umfrage für die R+VVersicherung sagten zwei von drei Befragten, sie fürchteten höhere Lebenshaltungskosten.

Das Allensbacher Institut für Demoskopie ermittelte, dass die steigenden Energiepreise für mehr als die Hälfte der Deutschen die größte Sorge seien. Sparen, das Geld zusammenhalten, sich um die Preise sorgen - das gehört zur Grundausstattung vieler Deutscher. Peter und Lieselotte Frey zum Beispiel, 68 und 69 Jahre alt, haben eigentlich mehr als genug für ein schönes Leben. Aber als die Kinder ihnen zum 30. Hochzeitstag eine Übernachtung samt Abendessen im feinen Hamburger Atlantic-Hotel schenkten, fühlten sie sich irgendwie unwohl. Ob ihnen das Menü nicht geschmeckt hat? "Eigentlich nicht", sagt Herr Frey. Seine Frau ergänzt: "Dafür war es zu teuer." Frau Frey ist bekennende Schnäppchenjägerin. Die Prospekte der Supermärkte wertet sie ordentlich aus, schreibt alles auf einen Zettel, und dann beginnt die Einkaufsrunde. "Ich kaufe nie alles in einem Laden", sagt sie. In ihrer Tasche stecken alle erdenklichen Rabattkarten. Sie will das Meiste für ihr Geld - und ist damit nicht allein. "Die Deutschen sind die preissensitivsten Käufer in Europa", meint Michael Busch von der Unternehmensberatung Deloitte.

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Ausgabe 1/2008

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KOMMENTARE (10 von 17)
 
exutiva (18.01.2008, 11:41 Uhr)
@provocateur
ich wüsste nicht wo ein hartz4 empfänger oder jemand der für 5€ die stunde arbeiten geht anbauen sollte... meist wohnen diese menschen nicht in einem idyllischen einfamilienhaus.... und leute die sich ein einfamilienhaus leisten können leben im gegensatz zu anderen menschen vergleichsweise im wohlstand....
flashback02 (18.01.2008, 09:44 Uhr)
Die Rechnung müssen unsere Kinder zahlen
Jetzt ist noch Geld zum Einkaufen da, aber im Gegensatz zu unseren Eltern und Großeltern kann sich doch heute kaum noch jemand mit normalem Einkommen und Familie ein vernünftiges finanzielles Polster fürs Alter zurücklegen. So wird bereits heute die Mittelschicht der Zukunft ausgeblutet...
BMBerlin (18.01.2008, 09:21 Uhr)
Die gefühlte Inflation !
Nach meinen Recherchen ist sowohl die Ermittlung nach Statistischem Bundesamt als auch die Brachinger Methode für unterschiedliche Zielgruppen gedacht:
1. Statistisches Bundesamt für Volkswirte, ungeeignet zur Ableitung der eigenen Preissteigerung, des eigenen Mehrbedarfes
2. Brachinger ( der der fühlt ) für Wahrsager, Okkultisten ...
genauer hier: http://www.deutschland-debatte.de/2008/01/17/preissteigerung-2007/,
es lohnt sich, dass auch Redakteure mal dort nachschauen, anstelle offizielles Zeug nachzuschreiben.
ramteid (18.01.2008, 02:46 Uhr)
Lüge
Warum wird so ein Kommentar geschrieben. Der Aufschwung ist doch fast paradiesich. Geld ist in Unmengen da, warum also nicht ausgeben. Preise interessieren doch niemand, siehe andere Kommentare, da ja selbst Hartz IV Empfänger scheinbar eine Empfängererhöhung bekommen haben. Sammelt ein wenig Geld für unseren Finanzminister, dem unbedingt eine Denkmal in Bronze gesetzt werden muss. Wir machen gleich 8 Urlaubsreisen um möglichst mal bei so einem Aufschwung wenigstens alle Erdteile kennenzulernen. So ein Boom kommt sicher nicht alle Jahre.
irmanow (17.01.2008, 21:56 Uhr)
geld gibt es genug
wie mona.lisa schon sagte,es ist doch noch genug geld da.
wenn ich hartz 4 emfpänger sehe,wie sie in der kneipe den deckel rund saufen (pils 1,30€)dann kann ich nicht verstehen,warum so gejammert wird.
es wird in urlaub gefahren,was kostet die welt,es wird gesoffen und auf die gurke wird auch gegangen,für 5 min. 50.-€.
also kann es uns doch garnicht so schlecht gehen.
wenn ein arbeitsloser noch einen porsche fährt,na hallo,wer sind wir denn?
hört auf zu jammern!
wer heute eine bratwurst für 2.-€ isst (4.-DM) dem kann es doch nicht schlecht gehen,oder?
bis denne!
mutti1 (17.01.2008, 18:50 Uhr)
ein werbekuli geschenkt tut es auch, denken wir mal 50 jahre weiter.
der michel kauft, als wär er kaiser. wegschmeissen tut er viel neues u. gutes.kinder sind ihm 1 greul, fremde...teuer laut, u. unbequem.wir vergeuden alle resourcen u. in 100 jahren ist weltkrieg um jedes stück, was sie im erdreich finden.heißt luxuswaren aus 19.-20.jh.
was geht uns das an, das in russland kein getreide gibt?alles ausreden. das in china milch getrunken wird? wobei discounter wohl die ehrlichsten steuererklärungen abgeben,x andre berufszweige drücken was das zeug hält, ihre steuern.da es genug gibt, die wie graf koks leben wollen, muß klein verdiener mit bluten.
mutti1 (17.01.2008, 18:34 Uhr)
die gefrässigen steuerverplemperer haben
es geschafft, jede verbesserung im endeffekt dazu zu nutzen, alles teurer werden zu lassen. einfach null euro fördergelder zahlen und alles reguliert sich.steuerlich absetzbar darf nur normaler standard sein.erst auf michels kosten in gold u. edelstahl bauen, und dann den michel noch jährliche aufschläge zahlen lassen.die 19 % mehrwertsteuer waren auch erst nicht wahr!das nun noch mehr kinder not leiden u. verhungern-umgebracht werden, normal gell? die nobelmarken besitzer drehen schon mit baggern ihr geld um. millionär ist ja fast jeder mit nem besseren haus.aber die die monatlich für ihr gelbaer im bundestag 7-10.000 + ihre x jobs in der lobby kriegen, das sind unserem michel sein tod.
mutti1 (17.01.2008, 18:24 Uhr)
ät iovialis erfüllt das bild des hässl. dummen deutschen
ja also dreckige luft atmen wir genug. obwohl erwiesen ist, das strom bei mir von 24 auf 30 euro monatl. stieg, dazu die 6,00 auf 7,21 grundgebühr dabei, bei dem billigen????yello? war mal...dazu 2006 müll von 33 euro jahresgebühr 1 person, auf sage u. schreibe 69!ich habe 1 einraumwohnung u. zahle für mind. 3 leute wegen der großen 1100 literbehälter. 150 euro, heizung, 1 kalorienmeter wohnzimmer erst 0,64 jetzt 1,04. dazu muß ich von hartz 4 leben.brot u. butter , milch quark käse luxus .der staat erhöht steuern u. kassiert fleißig ab, wir können aber nur unsere brotsamen ausgeben.lohnerhöhung, witz!es gibt keine arbeit, oder nur zu dumpinglohn.verteuerung seit 2002 50%., löhne unter 70 westdeutscher, lebe in 985 thüringen. da ist vieles erst richtig teuer .
H.P. (17.01.2008, 18:23 Uhr)
800 000 Milliardären und Millionären
In einem der reichsten Länder der Welt mit über 800 000 Milliardären und Millionären müsste man nicht Jammern. Leider haben 70% der Bevölkerung wenig davon das wir statistisch gesehen eines der reichsten Länder der Welt sind. Ein gesundes Gleichgewicht der Geldverteilung ist unser ganzes Problem. Man will keinem seine Millionen wegnehmen, nur wenn immer mehr Menschen immer weniger haben, bricht irgendwann alles zusammen.
Übrigens, heute las ich das Millionen von Kinder in der Welt jährlich nur an Vitamin A Mangel sterben müssen.
http://www.lebedeinbestes.de/5.html
StePPB (17.01.2008, 18:05 Uhr)
Meine persönliche Inflation
Ja, ich nenne sie ganz mein eigen, die persänliche Inflationsrate, die ich dank des Stern.de-Teams und destatis.de errechnen durfte.
Sie liegt heute bei 23,3 % (Jan '00 = 100), der Verbraucherindex schaffte in der selben Zeit nur 13 %.
Danke Stern, jetzt kann ich viel besser für die Zukunft abschätzen, wieviel "noch weniger" Geld mir als jetziger Student bleibt.
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